Neben der Vermittlung von Ehrenämtern richtet die Ehrenamtsagentur im Kreis Euskirchen auch Seminare aus und organisiert Projekte.
Vermittlung und SeminareEuskirchener Ehrenamtsbörse ist wie Kleinanzeigen fürs Ehrenamt

Die Ehrenamtskarte zeigt Vera Ahlbach. Mit der Karte erhalten die Engagierten landesweit Vergünstigungen.
Copyright: Gerriet Scheben
„Wir brauchen noch Hilfe beim Anlegen einer Schmetterlingswiese, wir suchen einen neuen Kassierer, wir können Unterstützung an der Kuchentheke gebrauchen.“ Vera Ahlbach, Chefin der Ehrenamtsagentur, gibt Beispiele für Anfragen, die sie an Ehrenamtliche im Kreis Euskirchen vermittelt. Über die Ehrenamtsbörse bringt die 34-Jährige Vereine, Initiativen und Einzelpersonen mit hilfsbereiten Menschen in Kontakt. „Die Börse ist quasi Ebay-Kleinanzeigen für ehrenamtliche Engagements“, fasst es Ahlbach zusammen.
Wie funktioniert die Ehrenamtsbörse?
Online können sich Freiwillige und Organisationen aus den elf Kommunen des Kreises registrieren und kostenfreie Gesuche und Suchagenten einstellen. Über ein einfach gehaltenes Formular lassen sich Kontaktdaten eintragen, ein Vermittlungsprofil kann erstellt werden. Dieses Profil enthält Handlungsfelder wie Brauchtum, Sport/Bewegung, Tierschutz/Tierbetreuung oder Hilfe in Notsituationen. Ebenso werden dort der bevorzugte Ort des Engagements, der zeitliche Rahmen und die Zielgruppe vermerkt.
Über die Webseite des Kreises können Interessierte ihre Suche dann passgenau nach Kriterien filtern, die aus den Formularen hervorgehen. Das gesuchte Engagement wird auf eine Personengruppe eingegrenzt, etwa Familien oder Senioren. Danach kann ein Bereich angegeben werden, zum Beispiel Fahrdienst oder Integration, und ein Stichwort hinzugefügt werden. Anschließend wird eine Auswahl an Angeboten angezeigt, die Details zu den Engagements enthalten.
Für Menschen, die weniger internetaffin sind, gibt Vera Ahlbach Entwarnung: „Man kann sich auch telefonisch melden.“
Viele Geflüchtete wollen ehrenamtlich aktiv werden
Vorschläge für Engagements können der Ehrenamtsagentur gemeldet werden. Das sei unter anderem für Vereine in der Gründungsphase relevant, erläutert sie. Unsicherheiten bei der Beschreibung der geplanten Vereinsarbeit sollten dabei keine Hürde darstellen: Bei der Vielfalt an ehrenamtlichen Tätigkeiten sei es wichtig, sich auf innovative Ideen einzulassen, sagt die Ehrenamtskoordinatorin. Es gehe nicht darum, Ideen abzulehnen, sondern vielmehr, die Initiatoren zu bekräftigen.
„Die Ehrenamtsagentur hat Schnittstellen zu anderen Stellen im Kreis“, schildert Ahlbach - etwa zum Kommunalen Bildungs- u. Integrationszentrum, kurz Kobiz. Diese Abteilung organisiert unter anderem das Sprachpaten-Programm Smile, bei dem Ehrenamtliche Kinder auf dem Weg der sprachlichen und damit gesellschaftlichen Integration unterstützen können.
Angesprochen auf das Thema Integration räumt Ahlbach mit einem Vorurteil auf: „Viele Geflüchtete sind interessiert, sich ehrenamtlich einzubringen.“ Nach ihrer Erfahrung wollen die meisten Geflüchteten zeitnah aktiv am Gesellschaftsleben teilnehmen. „In der Regel lässt sich die Sprachbarriere überwinden“, so Ahlbach.
Wer kann sich ehrenamtlich einbringen?
Jeder kann sich ehrenamtlich einbringen und auf unterschiedlichste Weise etwas für die Gesellschaft tun. „Alle Engagierten im Kreis sind eingeladen, sich zu registrieren“, sagt Ahlbach zum Ehrenamtsregister. Wie und wo man letztlich aktiv werde, sei offen. Thematische Grenzen gibt es nicht, räumlich ist das Register zunächst auf den Kreis Euskirchen begrenzt. Das Register bietet einen Überblick insbesondere für Menschen, die nach Ehrenämtern suchen.
Ein weiteres Projekt, auf das Ahlbach zu sprechen kommt, sind die Gesichter des Ehrenamts. Personen, die sich im herausragenden Maß einbringen, sollen besonders gewürdigt werden. Jeder kann ein Gesicht des Ehrenamts per E-Mail oder Anruf vorschlagen. Wird der Vorschlag angenommen, zeichnet Landrat Markus Ramers die Engagierten im Namen des Kreises aus. „Die Ehrung ist auch in kleiner Runde möglich“, fügt Ahlbach an.
Vor ihrer Arbeit bei der Ehrenamtsagentur war sie im Tourismus tätigt, unter anderem für die Stadt Bad Münstereifel. Auch dies ist laut Ahlbach ein Bereich, der in großem Maße vom Ehrenamt lebt.
Da die Finanzierung von Projekten für Vereine oft schwierig ist, läuft über Ahlbachs Stelle auch das Landesförderprogramm „2000 x 1000 für das Engagement“. Der Fokus der diesjährigen Förderrunde für Vereine und Organisationen liegt auf Projekten, die die Digitalisierung und den Einsatz von künstlicher Intelligenz voranbringen.
Welche weiteren Angebote macht die Agentur?
Zu Ahlbachs Aufgaben in der Ehrenamtsagentur, die als Leader-Projekt mit EU-Mitteln bis zum Jahr 2027 wird, gehört es auch, Veranstaltungen und Seminare zu organisieren: „Das reicht vom Blaulichtbereich bis hin zu Generationenprojekten.“ Am 16. April findet etwa das kostenfreie Seminar zum Thema „Sicherheit bei Festumzügen“ um 18 Uhr im Sitzungssaal der Kreisverwaltung statt. Eine Anmeldung unter Angabe des Vereins oder der Institution per E-Mail ist notwendig. Mit dem Seminar reagiere man auf eine hohe Nachfrage, die sich im Rahmen der Karnevalstage verstärkt habe, so Ahlbach.
Gerade das Thema Veranstaltungssicherheit bewegt viele, da hat der Kreis einen Nerv bei den Vereinen getroffen. „Wir wollen Themen finden, die von Interesse sind. Die Sicherheit ist im Zusammenhang auch mit den Festzügen total gefragt.“ Da ein Seminar zu dem Bereich im vergangenen Jahr bereits nach kurzer Zeit ausgebucht gewesen sei, biete man in diesem Jahr erneut Termine an.
Ein weiteres Projekt sei der „Heldenplatz“, eine Art Speed-Dating, bei dem Ehrenämter im Schnelldurchgang Realschülern vorgestellt werden. „Die Schulleitung war total begeistert“, so Ahlbach. Im Juni findet das Projekt statt.
Nach Ahlenbachs Einschätzung ist die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu betätigen, in ländlichen Gebieten grundsätzlich größer als im städtischen Raum. Bei der Feuerwehr und den Karnevals- oder Sportvereinen gebe es viel Jugendarbeit, lobt Ahlbach den Einsatz im Kreisgebiet.
Die Ehrenamtsagentur in der Kreisverwaltung am Jülicher Ring 32 in Euskirchen ist montags bis donnerstags von 8.30 bis 15.30 Uhr geöffnet, freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr. Vera Ahlbach ist erreichbar unter Tel. 02251/151361 oder per E-Mail.
Ehrenamtliche Arbeit ist sehr vielfältig
Ehrenamt ist zugleich Vielfalt. Das beweist ein Blick auf die Ehrenamtsbörse des Kreises, die deutlich zeigt, wie vielfältig man sich freiwillig einbringen kann.
Die aktuell 29 Angebote, die auf der Webseite hinterlegt sind, geben einen Eindruck der Bandbreite: Die Tierhilfe in Mechernich sucht Helfer und Helferinnen für das Einfangen verwilderter Katzen. Bei der Abteilung Vormundschaften des Kreises werden Menschen gesucht, die ehrenamtliche Pflegschaften oder Vormundschaften übernehmen können. Hierfür müssen Interessierte mindestens 18 Jahre alt sein und einen Führerschein besitzen. Fachkräfte geben eine Hilfestellung, wie in den Leistungen der Anzeige steht.
Als ehrenamtlicher Gästeführer kann man den LZB-Bunker Satzvey unterstützen. Es geht darum, Besucherinnen und Besuchern die Geschichte der Bunkeranlage zu erklären und bei Instandhaltungsarbeiten mit anzupacken. Auch verschiedene sportliche Bereiche sind auf der Börse gefragt, ebenso suchen Dorfgemeinschaften und Heimatvereine Unterstützer.
Die Ehrenamtskarte gibt es auch digital
Mit der Ehrenamtskarte erhalten die Besitzer und Besitzerinnen Vergünstigungen in teilnehmenden Geschäften oder Einrichtungen. Daran beteiligen sich Landes- und kommunale Einrichtungen, aber auch Partner aus Wirtschaft, Sport und Kultur. Die Karte ist in ganz Nordrhein-Westfalen gültig.
Wer kann die Karte beantragen? Voraussetzung für eine Ehrenamtskarte ist ein Engagement über mindestens zwei Jahre mit einem wöchentlich vierstündigen Einsatz oder 200 Stunden im Jahr. Die Karte kann über die zuständige Stelle des Kreises beantragt werden. Mittlerweile gibt es auch eine digitale Variante als App.
Langjährige Engagements können zudem mit einer Jubiläums-Ehrenamtskarte honoriert werden. Die Beantragenden müssen dafür mindestens 25 Jahre aktiv gewesen sein. Diese Karte muss im Gegensatz zur regulären Ehrenamtskarte nicht verlängert werden.
Die Landesregierung NRW führte die Ehrenamtskarte 2008 gemeinsam mit den Kreisen, Städten und Gemeinden ein.

