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„Süppchen für die Seele“Ehrenamtliche organisieren Kochen für Trauernde im Kreis Euskirchen

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Vier ältere Frauen und ein Mann bereiten an einem Tisch eine Suppe zu. Auf dem Tisch liegen Schalen für geschnittene Zutaten und Schneidebretter.

Das Kochen mit Gleichgesinnten schafft Raum für gute Gespräche.

Nach einem Verlust ziehen sich viele Menschen zurück und vernachlässigen häufig ihre Ernährung. Das Angebot im Café Insel soll helfen.

Beim Mittagstisch spricht die Gruppe angeregt über Flammlachs-Preise auf dem Weihnachtsmarkt, diskutiert über Fußball und Politik, dazwischen geht es auch um das Thema Verlust. Ins Stocken geraten die Gespräche nur, wenn jemand einen Löffel Kürbissuppe isst.

„Es wird auch ab und an ein Tränchen verdrückt“, sagt Hannelore (Nachname ist der Redaktion bekannt). „Das gehört auch dazu.“ Sie war 53, als ihr Mann gestorben ist. Das Trauerangebot „Süppchen für die Seele“ im Café Insel in Euskirchen besucht sie schon seit einigen Jahren. Hannelore lobt: „Ich finde es schön, dass man sich hier nicht nur übers Häkeln und Krankheiten unterhält.“ Mit Blick auf ihre Sitznachbarin fügt sie an: „Man kann hier auch Freundinnen kennenlernen.“

In der Begegnungsstätte Café Insel kann man unter Menschen kommen

Die Begegnungsstätte Café Insel ist dem Servicezentrum Demenz und Hospiz der Caritas angeschlossen. Der Caritasverband Euskirchen stelle die Räume zur Verfügung, wie Koordinatorin Monika Stoffers mitteilt, die Organisation des „Süppchen für die Seele“ laufe aber über Ehrenamtler. Christel Rodemers, Jürgen Eckert und Irmgard Morche sind die Hauptverantwortlichen.

Fünf Frauen und ein Mann, die allesamt Brillen tragen, stehen in einer Küche. Im Vordergrund befinden sich Kaffeetassen und Löffel auf einer Theke.

Das Team der Ehrenamtler arbeitet unter anderem mit Monika Stoffers (2.v.l) und Cilly von Sturm vom Caritasverband Euskirchen zusammen.

„Irmgard ist immer für den Nachtisch zuständig, ich für die Suppe und Jürgen schnippelt“, sagt Christel Rodemers und lächelt. „In der Regel essen wir vegetarisch“, ergänzt sie. „Suppe und Nachtisch gibt es immer“, fügt Morche an. Was für eine Suppe zubereitet wird, entscheidet sich laut Rodemers spontan.

„Der Ursprung für das gemeinsame Essen ist, dass Trauernde sich oft nichts selber kochen“, erläutert Rodemers. Eine Teilnehmerin gibt ihr recht: „Wenn du alleine lebst und nur die Wände gucken dich an, dann hast du keinen Hunger.“ In Gesellschaft schmecke es einfach besser. „Hier geht es darum, unter Menschen zu kommen“, sagt Christel Rodemers. Die drei Ehrenamtler haben einen umfangreichen Hospiz-Kurs bei der Caritas durchlaufen, bevor sie in der Trauerbegleitung tätig wurden.

Trauer ist sehr individuell – ältere Männer neigen zu Verschlossenheit

Irmgard Morche führt auch Einzelgespräche mit den Betroffenen. Gerade nach kürzlich erlittenen Verlusten könne ein Gespräch unter vier Augen den Trauernden helfen, sich zu öffnen, erklärt die 74-jährige Euskirchenerin: „Die Hürde ist bei Einzelgesprächen niedriger, als beim Gespräch in der Gruppe.“

Das Angebot richtet sich an Frauen und Männer. Es wird laut den ehrenamtlichen Organisatoren aber eher von weiblichen Trauernden angenommen. Das erklären sie sich zum Teil damit, dass Männer statistisch häufig früher sterben als Frauen. Hinzu komme aber auch, dass Männer tendenziell verschlossener seien, überlegt Morche: „Sie gehen oft nicht so offen an die Sache ran.“ Rodemers pflichtet ihr bei: „Ältere Männer tun sich oft schwer, über ihre Gefühle zu sprechen.“

Die 75-jährige Zülpicherin zeigt Verständnis für die Verschlossenheit, rät den Trauernden aber an, „nicht im eigenen Gedankenkreis zu bleiben“. Gerade der Austausch mit Gleichgesinnten helfe, Trost zu finden. „Man begräbt sonst alles in sich“, so Rodemers. Jürgen Eckert stellt klar: „Jeder trauert anders – manche nur kurze Zeit, bei anderen kreisen die Gedanken jahrelang. Da gibt es kein richtig und kein falsch.“ Aufforderungen wie „Stell dich nicht so an!“ oder „Jetzt muss es doch mal gut sein!“ kritisiert der 67-jährige Hellenthaler scharf. Mit solchen „Ratschlägen“ sei im Café Insel nicht zu rechnen.

Das „Süppchen für die Seele“ findet an jedem ersten Dienstag des Monats um 11 Uhr im Café Insel, Frauenberger Straße 2-4, statt. Anmeldungen sind unter Tel. 0 2251/126510 oder per E-Mail möglich.


Drei Trauercafés in der Region

Im Kreis Euskirchen werden drei Trauercafés angeboten, die Betroffenen Trost, Kraft und neuen Mut für den Alltag spenden sollen. Der Caritasverband Euskirchen und der Seelsorgebereich Zülpich stehen hinter den Austauschangeboten, die allen Menschen unabhängig von Konfession, Alter oder Geschlecht offenstehen.

Im Café Insel in Euskirchen findet jeden dritten Freitag im Monat um 15.30 Uhr ein Treffen in der Frauenberger Str. 2-4 statt. Im Weilerswister Pfarrheim, in der Trierer Str. 98, kommen Trauernde an jedem dritten Samstag des Monats um 15 Uhr zusammen. Anmeldungen für die beiden Cafés sind unter Tel. 0 22 51/12 65 10 möglich.

Das Zülpicher Pfarrzentrum, Am Mühlenberg 12, öffnet jeden ersten Samstag im Monat um 14.30 Uhr seine Tore für Betroffene. Interessenten können sich unter Tel. 01 71/9 20 72 14 anmelden.