Seit 2015 engagiert sich die Kölnerin ehrenamtlich. Mittlerweile ist sie Patin von vier und Vormund von zwei Geflüchteten.
Ziemlich beste LeuteBarbara Jürgens ist Patin und Vormundin geflüchteter Jugendlicher

Barbara Jürgens liebt Kinder und Jugendliche – und ist dankbar dafür, Ihnen helfen zu dürfen.
Copyright: Tim Drinhaus
Als im Jahr 2015 rund 890.000 Geflüchtete nach Deutschland kamen, waren unter ihnen auch Tausende unbegleitete Jugendliche. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) verbuchte damals in einem Jahresbericht 22.255 Asylanträge von unbegleiteten Minderjährigen.
Nach der überwundenen Flucht standen sie in einem fremden Land und oft vollkommen allein vor der Herausforderung, hier Fuß zu fassen. „Als ich davon erfuhr, habe ich mich gefragt: ‚Was wäre, wenn das meine Kinder wären?‘“, erinnert sich Barbara Jürgens. Die Antwort auf diese Frage war ihr schnell klar: „Ich würde mir wünschen, dass sich jemand um sie sorgt.“
Also begann die zweifache Mutter selbst, sich zu sorgen. Seit 2015 engagiert sie sich ehrenamtlich, indem sie Paten- und Vormundschaften für geflüchtete Jugendliche übernimmt. In unserer Serie „Ziemliche beste Leute“ stellen wir sie und ihre Arbeit vor.
Alles zum Thema Henriette Reker
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Das ist sie
Jürgens wuchs in Köln auf, wegen ihrer akademischen Laufbahn als Professorin für Psychologie und Pädagogik verschlug es sie jedoch Zeit ihres Berufslebens durch ganz Westdeutschland. Als sie 2013 in den Ruhestand ging, kehrte sie zurück nach Köln. 2015 wendete sie sich an den hiesigen Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und ist seither dort als Patin und Vormund registriert.
Das macht sie
Jürgens Engagement begann, als sie 2015 die erste Patenschaft für einen damals 19-jährigen afghanischen Geflüchteten übernahm. Er möchte anonym bleiben, befürchtet Anfeindungen. Über ihn lernte Jürgens weitere unbegleitete geflüchtete Jugendliche kennen, sodass sie mittlerweile zwei Vormundschaften und vier Patenschaften übernommen hat.
Überfordert oder belastet sei sie davon jedoch nicht: „Sie sind einfach wunderbare Menschen. Ich habe großen Respekt davor, wie strebsam sie deutsch lernen, sich integrieren und wie fleißig sie arbeiten.“
Ihr erstes Patenkind hat den mittleren Schulabschluss nachgeholt, eine Lehre absolviert und arbeitet in Köln. Er habe eine gewisse Vorbildfunktion für die anderen. Weil Jürgens ihm half, unterstützt er mittlerweile sie bei den Paten- und Vormundschaften.
Grundsätzlich unterscheidet sich Jürgens ehrenamtlicher Einsatz zwischen Patenschaft und Vormundschaft. Als Vormundin von Jugendlichen übernimmt sie unter anderem auch rechtliche Verantwortungen. Die jungen Erwachsenen, deren Patin sie ist, sind in dieser Hinsicht für sich selbst verantwortlich. Ansonsten ist die Arbeit als Vormundin ähnlich zu der als Patin.
Einerseits kümmert sich die Ehrenamtlerin um allerlei behördliche Aufgaben. Sie geht zu Sozial-, Kinder-, Flüchtlingsämtern, hilft bei Anträgen und bereitet auf Gespräche beim Bamf vor. „Das fordert besonders heraus“, sagt Jürgens.
Etwa beim Asylantrag müsse ein Antragsteller exakt und ohne zu überlegen den genauen Fluchtweg angeben, da die Darstellung desselben sonst als unglaubwürdig gelte. „Aus meiner Sicht als Psychologin würde ich das genaue Gegenteil sagen. Aber die Jugendlichen müssen sich natürlich trotzdem darauf vorbereiten. Ich sage ihnen dann: ‚Ihr werdet viel erzählen müssen, und ihr werdet unschöne Dinge erzählen müssen‘“, so die Ehrenamtlerin.
Bei den behördlichen Angelegenheiten geht es oft um praktische Dinge. Wird mein Abschluss anerkannt? Darf ich in Deutschland bleiben? Erhalte ich eine Arbeitserlaubnis?
Die zweite Seite ihres Ehrenamtes beschreibt Jürgens als fürsorgliche Arbeit: „Die Jugendlichen sollen wissen, dass sie nicht allein sind und sie jemanden haben, auf den sie sich verlassen können.“ Sie trifft sich regelmäßig mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen, hört ihnen zu, nimmt sich Zeit für ihre Anliegen. Auch ein Tee und etwas Gebäck dürfen dabei nicht fehlen: „Sie sollen nicht das Gefühl haben, einfach möglichst schnell abgefertigt zu werden, sondern dass sich jemand für sie interessiert und in diesem Moment ganz für sie da ist.“
Das ist ihre Motivation
„Ich liebe Kinder und Jugendliche“, antwortet Jürgens auf die Frage nach ihrer Motivation und ergänzt dann: „Ich muss immer etwas tun, und dann bin ich dankbar, dass ich etwas Sinnvolles tun darf.“

Der Kölner „Sozialdienst katholischer Frauen“ unterstützt ehrenamtliche Paten und Vormünder wie Barbara Jürgens. (Archivbild)
Copyright: Alexander Roll
Das würde sie zuerst tun, wenn sie OB wäre
Als OB von Köln würde sich Jürgens dafür einsetzen, dass ein grundlegendes Verständnis für die Umstände Geflüchteter geschaffen wird. „In den Asylverfahren wird beispielsweise oft gefragt, wohin der Geflüchtete ‚gereist‘ wäre. Dadurch werden falsche Assoziationen hervorgerufen“, erklärt Jürgens.
Ein Jugendlicher habe ihr erzählt, wie er auf der Flucht beschossen wurde; der Begriff „Reise“ passe da schlichtweg nicht. Auch habe sie die Erfahrung gemacht, dass deutsche Ämter und Behörden oft grundsätzlich annehmen würden, dass in anderen Ländern wie in Deutschland gearbeitet würde.
Jedoch: In Afghanistan beispielsweise beträgt die Alphabetisierungsrate nach Angaben der „Aktion Deutschland hilft“ unter 40 Prozent. Das mache sich dann auch bei der Ausstellung von oft fehlerhaften Dokumenten bemerkbar: „Es bräuchte mehr Einfühlungsvermögen in die vollkommen anderen Lebensrealitäten auf anderen Erdteilen.“ Die Kölner Ämter seien in dieser Hinsicht jedoch vorbildlich, betont Jürgens.
Das ist ihr persönliches Grundgesetz
„Wer immer nur für sich selbst handelt, wird dadurch auch nicht glücklich.“
Das ist ihre Aussicht
Jürgens hat sich zum Grundsatz gemacht: „Ich kann nicht irgendwann sagen: ‚Jetzt ist Schluss.‘ Ob und wann sie mich nicht mehr brauchen, müssen die Jugendlichen und Männer selber entscheiden.“ Bis dahin werde sie stets erreichbar sein und versuchen, so viel Verlässlichkeit und Hilfe wie möglich zu bieten.
So kann man ihre Arbeit unterstützen
Die Stadt Köln lädt gemeinsam mit dem SkF und dem Verein „Auf Achse“ regelmäßig zu Informationsveranstaltungen rund um das Thema ehrenamtliche Vormundschaft ein. Kölnerinnen und Kölner, die sich auf diese Weise engagieren möchten, können am Dienstag, 24. Februar, ab 18 Uhr am nächsten Informationsabend teilnehmen. Anschließend gibt es ein Schulungsprogramm.
„Man wird nicht alleine gelassen, sondern sehr gut vorbereitet und hat im Hintergrund immer ein großes, verlässliches Hilfsnetzwerk“, sagt Jürgens über das Angebot der Stadt und der Vereine. Der nächste Informationsabend findet in der Geschäftsstelle des SkF auf dem Mauritiussteinweg 77-79 statt. Um vorherige Anmeldung unter hildegard.stapper@skf-koeln.de oder regine.hammeran@auf-achse.de wird gebeten.


