Signale des Gegenübers verstehenMaik Baum gibt Seminare zur Körpersprache

In den Seminaren geht es darum, die Körpersprache anderer Menschen zu verstehen.
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Kall/Köln – „Wir sagen mit unserem Körper und unserer Mimik ganz viel aus, können aber nur etwas mehr als die Hälfte der Signale anderer Menschen richtig deuten“, erklärt Maik Baum. Der gebürtige Kaller muss es wissen, denn in seiner Akademie in Köln vermittelt er, wie man die Körpersprache seines Gegenüber richtig interpretiert. „Es geht darum, das zu sehen, was nicht ausgesprochen wird. Gefühle sehen, Menschen verstehen“, sagt der 25-Jährige.
Baum hat nach dem Abitur am Hermann-Josef-Kolleg in Steinfeld Wirtschaftspsychologe in Köln studiert und mit dem Bachelor abgeschlossen. „Das Studium habe ich so nebenbei gemacht. Es hatte keinen signifikanten Einfluss auf den Weg, den ich danach gegangen bin“, erzählt Baum. Schon während des Studiums habe er nebenbei sehr viele Fortbildungen gemacht: „Themen waren unter anderem Hypnose, Meditation, Rhetorik und eben auch Mimikresonanztraining.“
Sich selbst besser verstehen
Seit 2015 gibt er selbst Seminare, drei Jahre später gründete er die Akademie, die mittlerweile aus einem Team von neun Seminarleitern besteht, die alle Coachingerfahrung haben. „Ziel ist es, Menschen zu helfen, sich besser zu verstehen, damit sie sein können, wer sie wirklich sind“, betont der Akademieleiter. „Ich fand es schon immer faszinierend zu sehen, was in meinem Gegenüber vorgeht. Empathie ist eine wichtige Grundlage für eine gelungene Kommunikation.“ Studien würden aber zeigen, dass die Empathie seit der Jahrtausendwende abnehme. „Es gibt immer mehr Eigennutz in der Welt, aber ich bin ja noch jung und kann noch einiges verändern“, meint Baum schmunzelnd.
Menschen seien im Kern nonverbale Wesen: „Körpersprache gibt es seit Millionen von Jahren, Sprache dagegen erst seit rund 40 000 Jahren.“ Kinder beispielsweise seien es gewohnt, in Gesichtern zu lesen. Wer die Gestik und Mimik anderer Menschen verstehen wolle, müsse eine gute Beobachtungsgabe haben und sehr aufmerksam sein. Doch auch dann sei die Interpretation nicht immer leicht. „Wenn wir zum Beispiel die Mundwinkel hochziehen, heißt das nicht unbedingt, das wir uns freuen. Schließlich lächeln wir auch aus Höflichkeit oder Verlegenheit“, führt der Mimikresonanztrainer aus. Nur wenn die Augen strahlen, sei jemand wirklich glücklich.
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Wie wichtig es ist, die Signale des Gegenüber zu verstehen, zeige der Bericht eines Schulpädagogen, der ein Treffen mit einer Schülerin gehabt habe: „Das Mädchen hat ihm erzählt, dass alles in Ordnung sei, sie aber sich nicht ganz wohl fühle.“ Kurz, bevor sie sich dann habe verabschieden wollen, habe die Schülerin die innere Augenbrauenseite hochgezogen: „Das ist ein zuverlässiges Zeichen für Trauer.“ Als der Schulpädagoge sie darauf angesprochen habe, habe das Mädchen eingeräumt, dass ihre Eltern zu Hause oft Streit hätten und sie nicht wisse, was sie machen solle. Führungskräfte würden berichten, dass sie einen besseren Draht zu ihren Mitarbeitern hätten: „Das kann sich für das Unternehmen auch wirtschaftlich auszahlen.“ Baum unterstreicht aber: „Es geht darum, den anderen als Menschen zu sehen. Und nicht darum, ihn zu durchschauen oder zu manipulieren.“ Studien würden zeigen, dass Menschen mit einer hohen emotionalen Intelligenz schneller und höher in Unternehmen aufsteigen und glücklicher in Beziehungen sind, so der Akademieleiter.
87 Prozent der Deutschen leiden an Stress
Darüber hinaus geht es in den Seminaren auch darum, das Wohlbefinden der Menschen zu verbessern und die privaten und beruflichen Potenziale zu steigern. „87 Prozent der Deutschen leiden an Stress, beinahe jede dritte Ehe wird geschieden und jeder zweite deutsche Arbeitnehmer gibt an, dass er mit seinem Job unzufrieden ist“, so der 25-Jährige. Viele Menschen hätten Angst davor, am Ende des Lebens festzustellen, dass man nie wirklich gelebt habe. „Das wollen wir mit unserem Coaching verhindern.“
An die 2000 Menschen, so Baum, haben bislang an den Seminaren teilgenommen. Wer will, kann sich kostenlos für ein 90-minütiges Webseminar anmelden und dabei lernen, wie man versteckte Gefühle und Körpersprache lesen kann. Ein anschließendes zweitägiges Seminar inklusive einem zweistündigen Online-Training und einem 50-seitigen Skript kostet 490 Euro. Wer Interesse hat, kann sich auch zum Trainer ausbilden lassen.

Am Klavier spielt Maik Baum selbst komponierte Lieder im Rahmen seines neuen Projekts „Coaching in concert“.
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Aktuell arbeitet Baum an einem neuen Projekt, das den Titel „Coaching in concert“ trägt: „Dabei wird die Wirksamkeit des Coachings mit der Magie der Musik verbunden.“ Die Premiere findet am Freitag, 19. November, um 19 Uhr in der Volksbühne am Rudolfplatz statt. Die Veranstaltung ist mit rund 300 Besuchern schon ausverkauft. „Veränderungen im Gehirn brauchen eine emotionale Aktivierung. Nichts berührt uns so stark wie die Musik“, sagt Baum, der schon in seiner Schulzeit mit Klavier und Guitarre aufgetreten ist. „Wir verbinden Musik mit berührenden Geschichten und einigen Coachingeinlagen.“ Jeder Besucher erhalte am Eingang ein Coaching-Paket mit verschiedenen Materialien. Dazu gehöre auch eine bereits frankierte Postkarte mit dem Aufdruck: „Ich fang’ einfach damit an.“ Auf der Karte könne jeder Teilnehmer notieren, was er in seinem Leben verändern möchte. „Der Satz ist dann auch Bestandteil eines Lieds“, verrät Baum. Am Ende des Konzerts werden die Karten eingesammelt und einen Monat später versendet. „Wer also nach der Veranstaltung noch nicht sein Verhalten geändert hat, der tut es spätestens dann, wenn die Karte ankommt“, hofft Baum.



