Die Zahl der Kurzzeitvermietungen im Kreis Euskirchen über Anbieter ist so hoch wie nie, aber der Anteil liegt deutlich unter dem NRW-Niveau.
TourismusBuchungsplattformen spielen im Kreis Euskirchen eine immer größere Rolle

Die Zahl der Gesamtübernachtungen im Kreis Euskirchen steigt, die Touristenzahlen entwickeln sich positiv.
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Sind die Zahlen für Gästeübernachtungen durch Kurzzeitvermietungen über Buchungsplattformen im Kreis Euskirchen, die der Landesbetrieb IT.NRW kürzlich veröffentlicht hat, nun gut oder schlecht? Betrachtet man nur den Vergleich zwischen den Jahren 2024 und 2025, kann man nur zu dem Schluss kommen, dass sie katastrophal sind. Von knapp 212.000 Übernachtungen sind sie auf fast 65.000 Euro gesunken.
Betrachtet man sie aber über die gesamte Dauer seit 2018, dürfen die Betreiber von Ferienwohnungen und -häusern sehr zufrieden sein, denn es handelt sich, wenn man den Ausreißer des Jahres 2024 außer Acht lässt, um die höchste Zahl an Übernachtungen, die über Plattformen gebucht wurden.
Das deckt sich mit den Betrachtungen in ganz Nordrhein-Westfalen, wo nach einer Absenkung in den Pandemie-Jahren 2020 und 2021 (hier kam auch noch die Flutkatastrophe hinzu) der Trend stetig steigt und im vergangenen Jahr 8,1 Millionen Übernachtungen durch Kurzzeitvermietungen durch Buchungsplattformen verzeichnet wurden.
Anstieg der Zahlen um 269 Prozent in sieben Jahren
„Es ist ein klarer, kontinuierlicher Wachstumstrend erkennbar. Von knapp 18.000 Übernachtungen 2018 auf rund 65.000 in 2025“, sagt Patrick Schmidder, Geschäftsführer der Nordeifel Tourismus GmbH (NET). Der Anstieg von 269 Prozent in sieben Jahren sei „ein deutliches Signal, dass Plattformvermietungen im Kreis Euskirchen strukturell an Bedeutung gewinnen“, so Schmidder.
Aber selbst der Tourismus-Experte kann nur vermuten, warum es 2024 diesen extremen Ausreißer, in dem sich die absoluten Zahlen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verfünffachten, gegeben hat. Vor allen Dingen, weil die Gesamtübernachtungszahlen im Kreis Euskirchen nur um 3,2 Prozent gestiegen waren, die der Kurzzeitvermietungen hingegen um 377 Prozent. „Das deutet stark auf einen statistischen oder methodischen Effekt hin, nicht auf einen echten touristischen Boom“, so Schmidder.

Patrick Schmidder
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Für die wahrscheinlichste Erklärung hält er eine Änderung bei den Datenlieferanten. So beruhe die Statistik von Eurostat, dem Statistischen Amt der Europäischen Union, auf freiwilligen Meldungen der Plattformen Airbnb, Booking.com, Expedia und TripAdvisor. Letzterer meldete 2024 letztmalig. „Es ist gut möglich, dass dabei rückwirkende oder kumulierte Daten eingeflossen sind. Oder dass Booking.com oder Expedia ihre Erfassungsmethodik geändert haben“ so Schmidder, der darauf verweist, dass IT.NRW selbst von einer „experimentellen Statistik“ spreche. Hotellerie und Campingplätze werden im Übrigen in dieser Statistik nicht erfasst.
Die Fußball-EM 2024 dürfte auch einen Effekt gehabt haben
Denkbar sei aber auch, dass ein größerer Anbieter, etwas ein Ferienpark oder eine Ferienhaussiedlung, 2024 Objekte gelistet habe, die bisher nicht erfasst worden seien.
Und dann war da ja auch noch die Fußball-Europameisterschaft mit vier NRW-Spielorten in Köln, Düsseldorf, Dortmund und Gelsenkirchen. „Der Kreis Euskirchen liegt in Pendeldistanz zu Köln und könnte als Ausweichquartier genutzt worden sein“, sagt Schmidder, meint aber auch: „Dieser Effekt erklärt keinen fünffachen Anstieg.“ Es bleibt also mysteriös.
Anders, als die Gesamtübernachtungszahlen, die eine offensichtliche Sprache sprechen. Das Jahr 2025 übertraf sogar das Vor-Corona-Jahr 2019 mit seinen 892.784 Übernachtungen, bevor die Zahl durch die Pandemie auf 526.233 im Jahr 2020 abstürzte und dann zusätzlich durch die Flut 2021 bei 462.653 lag. Doch seit 2022 geht es kontinuierlich bergauf bis zum Höchstwert von 939.023 Übernachtungen. Dabei handelt es sich laut Patrick Schmidder um den höchsten jemals erfassten Wert. „Der Gesamttourismus entwickelt sich stabil und positiv“, sagt der NET-Geschäftsführer.
In NRW entfallen 15 Prozent der Buchungen auf Plattformen
Auch die Betriebe im Kreis Euskirchen werden digitaler. Der Anteil der Plattformbuchungen über die genannten Anbieter lag in den Jahren 2018 bis 2023 bei 2,1 bis 5,2 Prozent der Gesamtübernachtungszahlen. 2025 lag er bei 6,9 Prozent. Den Ausreißer 2024 klammert Schmidder bewusst aus, weil dieser keinem „normalen“ Wert entspreche.
Bezogen auf das gesamte Bundesland sind die knapp sieben Prozent aber sehr gering, denn bei 55 Millionen Gesamtübernachtungen in NRW entfallen 8,1 Millionen auf Plattform-Buchungen, das entspricht zwischen 14 und 15 Prozent. „Das deutet auf den ländlich-naturnahen Charakter der Region“, erklärt Schmidder den geringen Anteil im Kreis Euskirchen. Es gebe weniger urbane Kurzzeitreisende, dafür mehr klassische Ferienwohnungen und Ferienhäuser.
„Die Kurzzeitvermietung wächst im Kreis Euskirchen strukturell und kontinuierlich. Das ist ein gesunder Trend“, so Schmidder. Den Ausreißer 2024 solle man nicht als touristisches Signal überinterpretieren.
Das sind die Zahlen für den Kreis Euskirchen
Gesamtübernachtungszahlen laut Nordeifel Tourismus GmbH:
- 2019: 892.784 (+5,8 %)
- 2020: 526.233 (-41 %)
- 2021: 462.653 (-12,1 %)
- 2022: 855.764 (+85 %)
- 2023: 860.172 (+0,5 %)
- 2024: 887.897 (+3,2 %)
- 2025: 949.023 (+5,8 %).
Anzahl der Gästeübernachtungen durch Kurzzeitvermietung (davon aus dem Ausland):
- 2018: 17.603 (9.383)
- 2019: 28.426 (13.746)
- 2020: 24.020 (12.375)
- 2021: 24.258 (10.253)
- 2022: 35.901 (16.491)
- 2023: 44.386 (23.223)
- 2024: 211.808 (85.882)
- 2025: 64.921 (33.545)
Die Zahlen basieren laut IT.NRW auf Datenlieferungen der Buchungsplattformen Airbnb, Booking, Expedia Group und TripAdvisor an Eurostat.
