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Ambulante PflegeEnde der Diakonie-Station Euskirchen: Fast alle Betroffenen versorgt

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Die Diakonie-Station an der Ecke Roitzheimer Straße/An der Vogelrute.

Das Aus für die Euskirchener Pflegestation der Diakonie hatte für große Aufregung gesorgt.

Fast alle bisherigen Kunden und Kundinnen der Diakonie haben einen neuen Pflegedienst gefunden. Am 3. März diskutiert der Gesundheitsausschuss.

Nachdem im Januar bekannt geworden war, dass der ambulante Pflegedienst der Diakonie seine Tätigkeit im Kreis Euskirchen einstellen wird, stand zunächst im Raum, dass die Versorgung von 399 Pflegebedürftigen nicht mehr gesichert sein könnte. Inzwischen zeichnet sich eine deutliche Entspannung ab – doch noch ist nicht jeder Fall gelöst.

Nach Angaben der Kreisverwaltung sind, Stand 24. Februar, nicht 399, sondern rund 330 Menschen tatsächlich vom Aus der ambulanten Pflege der Diakonie in Euskirchen betroffen. Bei etwa 70 der ursprünglich genannten Verträge handelte es sich lediglich um Notrufvereinbarungen.

Diakonie Bonn hat die Vermittlungder Pflegebedürftigen koordiniert

Bis auf zwei Personen, von denen bisher keine Rückmeldung vorliegt, wurde die Versorgung aller Betroffenen von anderen Pflegediensten übernommen. Das geht aus einer Vorlage für den Kreis-Gesundheitsausschuss hervor, der am Dienstag, 3. März, ab 17 Uhr im Kreishaus tagt. Die Stellungnahme der Verwaltung nimmt auf eine Anfrage der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen Bezug. Der Kreis habe in engem Kontakt mit der Diakonie Bonn gestanden, die die Vermittlung koordiniert und dazu Kontakt zu sämtlichen Trägern ambulanter Pflege im Kreis aufgenommen habe.

Bekannt wurde zudem, dass der Pflegedienst Vivant, Tochter der Kreiskrankenhaus Mechernich GmbH, den Bereich Weilerswist künftig nicht mehr anfahren wird. Die entsprechenden Kündigungen wurden zum 28. Februar 2026 ausgesprochen. In der Stellungnahme des Kreises heißt es dazu, dass nach Auskunft des Geschäftsführers des Kreiskrankenhauses, zu dessen Trägern der Kreis gehört, die Gremien der Klinik nicht in die Entscheidung eingebunden gewesen seien, da es sich um „laufendes Geschäft“ handele.

Der Gesundheitsausschuss des Kreises Euskirchen berät am Dienstag

Die Kreisverwaltung betont in der Ausschussvorlage, dass die aktuelle Änderung eine Fortführung der Umstrukturierung darstelle, die mit der Verlegung der Sozialstation von Weilerswist nach Euskirchen begonnen habe. Durch die neuen Fahrtrouten könne es laut Verwaltung möglich werden, „dass der ein oder andere Pflegebedürftige mehr angefahren werden kann als zuvor“.

Auf die Frage, wie der Kreis Euskirchen künftig frühzeitiger über drohende Zusammenbrüche von Pflegediensten informiert werden könne, verweist die Verwaltung auf gesetzliche Grenzen.

Frühwarnsysteme lassen sich auf Kreisebene kaum umsetzen

Nach Paragraf 9 Absatz 3 des Wohn- und Teilhabegesetzes NRW (WTG) müssen Träger eine beabsichtigte, teilweise oder vollständige, Einstellung ihres Angebots unverzüglich anzeigen. Eine weitergehende Verpflichtung, etwa zur frühzeitigen Information über wirtschaftliche Schwierigkeiten, besteht nicht. Auch die sogenannte WTG-Behörde hat – anders als im stationären Bereich – keine Zuständigkeit für Qualitätssicherung oder Aufsicht in der ambulanten Pflege. Frühwarnsysteme lassen sich damit auf Kreisebene kaum umsetzen.

Auch ohne direkte Zuständigkeit hat der Kreis nach eigenen Angaben „aktiv bei der Vermittlung unterstützt“. Die Mitarbeiter nahmen demnach nach Bekanntwerden der Kündigungen sofort Kontakt zur Diakonie Bonn auf und stellten eine Übersicht aller ambulanten Pflegedienste im Kreis zur Verfügung.

Das Personal dürfte der entscheidende Faktor sein

Zudem stehe der Kreis mit einem Träger in Verbindung, der noch im März ein neues ambulantes Pflegeangebot in Euskirchen starten möchte. Dabei handelt es sich nach Informationen dieser Zeitung um das Marien-Hospital in Euskirchen, das wieder einen ambulanten Pflegedienst aufbauen möchte. Konkrete Einflussmöglichkeiten habe man jedoch nicht, so die Verwaltung. Auch mit einem größeren Pflegedienst im Kreis werden laut Kreis Gespräche über mögliche Kapazitäten geführt – doch auch hier dürfte das Personal der entscheidende Faktor sein.

Betroffene können sich laut Kreis weiterhin an das Zentrale Informationsbüro Pflege der Kreisverwaltung wenden, das bei der Suche nach freien Anbietern unterstütze.

Langfristig sieht die Kreisverwaltung den anhaltenden Fachkräftemangel als Hauptursache der Probleme. Zur Verbesserung der Situation wurde ein Projekt zur Rekrutierung ausländischer Pflegekräfte gestartet, das bisher der Verwaltung zufolge jedoch von ambulanten Diensten kaum genutzt wurde. Daneben setzt der Kreis auf Werbemaßnahmen für den Pflegeberuf, etwa ein Speeddating für Pflegekräfte, die in den Beruf zurückkehren möchten, und einen Imagefilm zur Pflegeausbildung.

Andrea Hillebrand von der Diakonie Bonn sagt: „Mit den Mitarbeitenden sind wir in Gesprächen. Hier steht noch nicht für alle fest, wie es weitergeht. Insbesondere die Pflegefachkräfte haben neue Arbeitsplätze gefunden. Mit den verbleibenden Mitarbeitenden suchen wir individuell nach Lösungen.“