Beim Erntedankempfang ging es um die Hilfe der Landwirte bei den Vegetationsbränden, aber auch um die Sorgen angesichts der Ernteausfälle.
Zwischen Lob und SorgeErntedankempfang im Kreishaus Euskirchen: Dank an die Landwirte

Die Kreisbauernschaft lud zum Empfang ein.
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Der entscheidende Wortteil steckt im Wort Erntedank am Ende: „Wir danken für das, was wachsen und geerntet werden konnte. Und wir danken den Menschen, die diese Ernte möglich gemacht haben“, sagte Helmut Dahlem, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Euskirchen, anlässlich des traditionellen Erntedankempfangs im Sitzungssaal des Kreishauses und adressierte seine Worte an die Landwirte, deren Familien und Helfer.
Landrat lobte die Landwirte für Hilfe bei Vegetationsbränden
Der Hausherr, Landrat Markus Ramers, sprach aber noch weiteren Dank an die landwirtschaftlichen Betriebe aus. Denn Landwirte haben nicht nur nach der Flutkatastrophe 2021 kräftig mitangepackt, sondern auch in diesem Sommer bei zahlreichen Vegetationsbränden. Exemplarisch zählte Ramers Einsätze in Kirchheim, Zingsheim oder Weyer auf – und natürlich die großen Brände im Hürtgenwald und im Hohen Venn. „Der Sommer hatte es in sich“, so Ramers.
Dass sich diese Brände nicht weiter ausgebreitet hätten, habe auch an den Landwirten gelegen. „Sie haben schnell und instinktiv gehandelt: Mit dem Grubber Brandschneisen gezogen, mit ihren Fahrzeugen und Fässern Wasser an de Einsatzstellen gebracht. Das war keine Ausnahme, sondern hat sich zu einer gelebten, eingespielten Zusammenarbeit zwischen unseren Feuerwehren und Ihnen entwickelt.“ Das sei mehr als praktische Nachbarschaftshilfe. Das sei gelebte Solidarität, so der Landrat.
Belastungen und Sorgen in der Landwirtschaft
Aber der Sommer hatte es auch noch auf andere Art und Weise in sich, um bei den Worten des Kreisverwaltungschefs zu bleiben. Helmut Dahmen sprach deshalb auch die Belastungen an, die viele Betriebe an ihre Grenzen brächten. Blickt er zurück auf das Jahr, habe dieses gut begonnen. „Viele Bestände kamen gut aus dem Winter, die Kulturen entwickelten sich ordentlich“, sagte Dahmen. „Doch als der Regen ausblieb, die Hitze zunahm und die Böden austrockneten, wich die Zuversicht zunehmend der Sorge“, so der Kreisbauern-Vorsitzende weiter.
Schadensbegrenzung statt Spitzenerträge
Beim Getreide sei man in großen Teilen des Rheinlands mit einem blauen Auge davongekommen. Ernteergebnisse unterschieden sich je nach Region, Boden und Betrieb aber erheblich. Die Folgen bei Kartoffeln, Mais, Zuckerrüben und Gemüse, vor allem aber im Grünland, wiegten schwerer. „Wo Niederschläge ausblieben und keine Beregnung möglich war, ging es nicht mehr um Spitzenerträge, sondern um Schadensbegrenzung.“ Laut amtlichem Erntebericht beträgt das Minus 7,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Hinter jeder Ertragszahl stehen Menschen und Existenzen
Dahmen machte deutlich, dass hinter jeder Ertragszahl eine Familie und hinter jedem trockenen Acker und jeder vertrockneten Wiese Arbeit, Kapital und Erfahrung stünden. Kosten für Saatgut, Dünger, Pflanzenschutz, Diesel, Energie und Personal seien längst entstanden, eine ausgefallene Ernte lasse sich nicht im nächsten Monat ausgleichen. Gleichzeitig blieben die Erzeugerpreise volatil, sie schwanken also und sind riskant – und das bei gestiegenen Aufwendungen.
„Dürre und knappe Ernten kennt die Landwirtschaft. Und sie kann damit umgehen“, so Dahmen. Aber wenn schwache Erträge auf unzureichende Erlöse träfen, sei das dramatisch. Zwar habe Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer zinsverbilligte Liquiditätshilfen auf den Weg gebracht. „Es bleibt aber festzuhalten: Kredite ersetzen keine Ernte. Sie gleichen keine dauerhaft fehlenden Margen aus und sie dürfen nicht zu politischen Beruhigungspillen werden“, sagte Dahmen.
Die Trockenheit verschärfte auch die Lage der Tierhalter. Futtervorräte für den Winter reichten nicht aus. Reserven werden angegriffen oder teuer zugekauft. Warnungen durch die Betriebe habe es schon lange gegeben.
Er sieht die Politik in der Pflicht. Vorhaben blieben liegen und die Biogasbranche werde geschwächt. Photovoltaikanlagen gehörten auf Dächer und versiegelte Flächen anstatt auf fruchtbares Ackerland. „Wer den ländlichen Raum warten lässt, verspielt Vertrauen“, so der Kreisbauernchef. Deshalb sei es auch wichtig, Lösungen mit den Menschen im ländlichen Raum zu entwickeln und nicht über deren Köpfe hinweg. (ets)
