Der Arbeitskreis Drüber und Drunter feiert 40-jähriges Bestehen. Um Boden und Wasser zu schützen, setzen die Landwirte auf viel neue Technik.
40 Jahre „Drüber und Drunter“Drohne und KI helfen Landwirten beim Pflanzenschutz

Mit den Bildern und Daten, die die Drohne aufgenommen hat, arbeitet die Spezialspritze am Trecker.
Copyright: René Denzer
Auf dem Hof von Bernd Bulich steht ein kleiner Grubber. Ein vielseitiges Gerät aus Eisen zur Bodenbearbeitung. Mit Zinken wird der Boden aufgelockert, das fördert die Belüftung, Ernterückstände werden eingearbeitet und der Acker wird für die nächste Aussaat vorbereitet. „Das Gerät ist von 1930, es ist noch nicht ganz hundert Jahre alt. Ein bisschen Eisen wurde vom Pferd gezogen“, sagt Bernd Bulich. Er ist Landwirt in Porz-Libur. Grubber gibt es heute zwar auch noch, doch kommen in der Landwirtschaft noch ganz andere Dinge zum Einsatz. „Satelliten, Drohnen, Spektralkameras – wir entwickeln uns rasant weiter“, sagt Bulich. „Die Landwirtschaft ist ein Zweig in der Wirtschaft mit sehr, sehr großen Entwicklungssprüngen.“

Landwirt Georg Capellmann (l.) und Jona Hinze (r.), Produktspezialist für Präzisionslandwirtschaft bei der Firma Greving.
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Wie die aussehen, zeigt Landwirt Georg Capellmann ein paar hundert Meter von Bulichs Hof in Libur entfernt. Auf dem Acker, sind schon kleine, zarte Maispflanzen zu sehen. Allerdings hier und da auch Beikraut. Das sehen Landwirte nicht wirklich gerne. Es entzieht Nutzpflanzen auf dem Feld Ressourcen wie Wasser, Licht und Nährstoffe. Das Beikraut – oder umgangssprachlich Unkraut – zu entfernen, war immer Teil der Arbeit von Landwirten.
Drohne, KI, GPS: Pflanzenschutz nur punktgenau
Hier kommen Pflanzenschutzmittel ins Spiel. Mit einer Spritze wird dieses auf dem Feld verteilt. Hier hat sich die Technik über die Jahre enorm entwickelt. Einzeldüsenschaltung, GPS-Technik oder wie im Fall von Georg Capellmann Drohne und Künstliche Intelligenz (KI). An der Technik hat Jona Hinze mitgearbeitet. Er ist Produktspezialist für Präzisionslandwirtschaft bei der Firma Greving. Mit der Drohne wird über das Maisfeld geflogen. Dabei werden Bilder gemacht und ausgewertet. Eine KI hilft bei der Bestimmung der Pflanzen. So entsteht eine digitale Karte, auf der Unkrautstellen zu sehen sind. Die Daten bekommt der Landwirt. Die werden an die Spezial-Spritze von Capellmann übermittelt. Fährt er nun mit Trecker und Spritze über das Feld, wird automatisch nur da Pflanzenschutzmittel gespritzt, wo die Unkrautstellen sind. Das soll den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und den damit verbundenen Kosten minimieren und den Boden und auch das Grundwasser weniger belasten.

Bernd Bulich ist Landwirt in Porz-Libur und Vorsitzender des Arbeitskreises Drüber und Drunter.
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Weniger Belastung für Boden und Wasser – das hat sich der Arbeitskreis Drüber und Drunter auf die Fahnen geschrieben. Georg Capellmann ist Mitglied, Bernd Bulich gar der Vorsitzende. Mitgegründet haben den Arbeitskreis ihre Väter. 40 Jahre ist das her. „Wir sind 1985 entstanden“, sagt Peter Capellmann. Damals habe es einen Nitrat-Gehalt von 96 Milligramm pro Liter Wasser gegeben. „Das war damals schon über dem Grenzwert“, erinnert sich Peter Capellmann. Ein hoher Nitratwert kann Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Nitrat wird im Körper zu Nitrit umgewandelt. Das wiederum ist gesundheitsschädlich und kann unter anderem bei Säuglingen zu Sauerstoffmangel, der sogenannten Blausucht, und bei Erwachsenen laut Studien zu einem erhöhten Krebsrisiko führen.
Arbeitskreis senkt Nitratwerte: Brunnen unter 20 Milligramm
Diskutiert wurde damals, dass 1989 der Grenzwert auf 50 Milligramm abgesenkt werden sollte. „Damit war klar, dass wir dann ein Wasserproblem haben“, sagt Peter Capellmann. Damit es nicht dazu kommt, wurde der Arbeitskreis 1986 gegründet. Dessen Mitglieder haben Ursachenforschung betrieben, Verfahren und Techniken ausprobiert und umgesetzt. „Heute haben alle Brunnen unter 20 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser“, sagt Capellmann. Nicht ohne Stolz. Denn nach wie vor gilt der Richtwert von 50 Milligramm. „Wir sind eine der erfolgreichsten Kooperationen, die es in der Bundesrepublik gibt.“

An der Spezialspritze können die Düsen einzeln gesteuert werden.
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Von Anfang an sind im Arbeitskreis Wasserversorgungsunternehmen aus der Region mit im Boot. Heute sind es neben den rund 40 Landwirten die Rhein-Energie Köln sowie die Stadtwerke Niederkassel und Troisdorf. Das Gebiet der Gewässerschutzkooperation erstreckt sich rechtsrheinisch entlang des Rheins. Es reicht von der Stadtgrenze zu Leverkusen im Norden bis zur Sieg im Süden. „Zusammen mit den Wasserversorgern können wir tolle Versuche machen, die der Landwirt alleine nicht anstellen kann“, sagt Bernd Bulich. Der Arbeitskreis sei immer früh dabei, wenn es gilt, neue Technik auszuprobieren.
Dabei spielt Geld immer eine Rolle. Alleine für die Digitalisierung hat Bulich 100.000 Euro investiert. Auch Georg Capellmann hat tief in die Tasche gegriffen. Seine neue Spritze, die nur an den Stellen sprüht, wo die Drohne und die KI Unkrautstellen ausgemacht haben, kostet rund 150.000 Euro. Umweltgerechter wirtschaften, können nur gesunde landwirtschaftliche Betriebe, betont Bulich.
Verantwortungsvolle Landwirte schauen nicht nur auf eine gute Ernte im nächsten Jahr, sagt Peter Capellmann. „Sondern wir schauen weiter in die Zukunft: Wie sieht es in zehn oder 20 Jahren aus?“ So habe es der Arbeitskreis Drüber und Drunter seit jeher getan. „Wir sind immer innovativ gewesen und wir müssen sehen, dass wir innovativ bleiben. Dann bringen wir Wasserwirtschaft und Landwirtschaft nach vorn und wir bieten das beste Trinkwasser, was Sie kriegen können.“
Anlässlich seines 40-jährigen Bestehens lädt der Arbeitskreis Drüber und Drunter am Sonntag, 31. Mai, zu einem Fest auf dem Spargelhof Wermes, Wahner Straße 100, in Porz-Zündorf ein. Los geht es um 11 Uhr.
Im Mittelpunkt des Festes soll eine Kinder-Erlebnisrally mit Stationen wie Sackhüpfen, Kirschkernweitspucken, Eierlaufen und der Herstellung von eigenem Müsli stehen. Ferner können Besucherinnen und Besucher live erleben, wie Küken schlüpfen. Das Fest greift zugleich Themen wie Landwirtschaft, Gewässerschutz und Umweltbildung auf.
