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HitzewelleWarum Köln das Trinkwasser trotz Regenmangels nicht ausgeht

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Blick von den vertrockneten Poller Wiesen auf die Kranhäuser und den Kölner Dom.

Die wochenlange Trockenheit ist den Kölner Grünflächen, hier die Poller Wiesen, deutlich anzusehen.

Dass die Kölner auch bei größter Hitze nicht beim Wasserverbrauch sparen müssen, hat einen besonderen Grund.

Nach wochenlanger Trockenheit gab es am Donnerstag einige kurze Gewitter in Köln. Ein kleiner Lichtblick für die ausgedorrten Kölner Grünanlagen, die endlich etwas von dem ersehnten Nass aufnehmen konnten. Doch ergiebige Regenfälle sind vorerst nicht in Sicht – der Trockenstress für die Tier- und Pflanzenwelt geht also weiter.

Wasserknappheit ist für die Natur und die Landwirtschaft in diesem Sommer ein großes Problem. Dagegen müssen sich die Kölnerinnen und Kölner um ihr Trinkwasser keine Gedanken machen. Wie der Versorger Rheinenergie auf Anfrage bestätigt, müssen die Kunden auch in der momentanen Trockenphase weder beim häuslichen Wasserverbrauch sparen, noch droht ihnen ein Verbot für das Bewässern von Gärten oder das Befüllen von Pools. Während bereits zahlreiche Städte und Landkreise in Deutschland, darunter München, die Wasserentnahme reglementiert haben, teils unter Androhung hoher Bußgelder, herrscht in Köln bei diesem Thema eine große Gelassenheit. In der Domstadt ist es zurzeit nur verboten, Wasser aus Bächen zu entnehmen. Für Trinkwasser gibt es hingegen keine Einschränkungen. Grund dafür ist die besondere geologische Lage der Domstadt.

„Selbst wenn in diesem Jahr überhaupt kein Regen mehr fiele, wäre die Trinkwasserversorgung in Köln problemlos gesichert, und das für mehrere Jahre“, sagt Stefan Schiffmann, Leiter Ressourcensicherheit Wasser bei der Rheinenergie. Warum das so ist? „In der Kölner Bucht befindet sich ein riesiges natürliches Grundwasserreservoir, das im Durchschnitt etwa 920 Millionen Kubikmeter Wasser enthält und sich ständig erneuert.“ Davon entnehme die Rheinenergie rund 90 Millionen Kubikmeter pro Jahr, um die Städte Köln, Pulheim und Frechen mit Trinkwasser zu beliefern. „In etwa die gleiche Menge wird von Industriebetrieben über eigene Brunnen gefördert“, so Schiffmann. Im Schnitt werde also nur ein Fünftel der vorhandenen Wasserreserven genutzt.

Kölner Trinkwasserspeicher wird kontinuierlich aufgefüllt

Der Kölner Grundwasserschatz liege in 15 bis 30 Meter Tiefe und speise sich aus unterschiedlichen Quellen. Allein 77 Millionen Kubikmeter würden durchschnittlich jedes Jahr durch Niederschläge erneuert. „Die Kölner Bucht muss man sich vorstellen wie eine Schüssel, an deren tiefstem Punkt der Rhein liegt“, erläutert Schiffmann. Im Untergrund fließen hier mächtige Grundwasserströme aus dem westlichen und östlichen Umland zum Rhein und dann weiter in Richtung Norden. Auch aus dem Süden strömt mit dem Fluss beständig Grundwasser nach.

Das sorgt dafür, dass der Kölner Trinkwasserspeicher stetig aufgefüllt wird. Laut Schiffmann bewegt sich das Grundwasser im Untergrund mit einer Geschwindigkeit von rund einem Meter pro Tag. Dabei werde es durch Sande und Kiese auf natürliche Weise gefiltert. Die Rheinenergie  entnimmt Wasser an fünf Brunnen in Höhenhaus, Brück, Zündorf, Weiler und Hochkirchen, die Qualität wird an rund 1200 Beobachtungsstellen mit täglichen Proben überwacht. Zur Sicherheit werde das Trinkwasser noch mit Aktivkohlefiltern gereinigt.

Das Kölner Leitungswasser ist reich an den Mineralien Kalzium und Magnesium. Mit einem Kubikmeterpreis von aktuell 1,29 Euro plus 1,76 Euro Abwassergebühr – zusammen rund 3 Cent pro Liter – ist es im Vergleich zu Mineralwasser extrem preiswert. Wer viel davon verwendet, um seinen Garten zu gießen, braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, denn dieses Wasser gelangt über Versickerung und Verdunstung wieder in den natürlichen Kreislauf.

Zurzeit ist der Wasserverbrauch in Köln sehr hoch. „Am Freitag, 26. Juni, einem Tag mit fast 40 Grad Temperatur, hatten wir eine Rekordabgabe von 327.873 Kubikmetern Trinkwasser in 24 Stunden“, berichtet Rheinenergie-Sprecher Christoph Preuß. Normalerweise liege der Verbrauch in Köln im Schnitt bei rund 235.000 Kubikmetern Trinkwasser pro Tag.

Geruchsbelastung im Kanalnetz wird vollautomatisch bekämpft

Auch bei den Stadtentwässerungsbetrieben (Steb) ist die Lage entspannt. „Trotz der anhaltenden Trockenphase läuft der Betrieb im Kölner Kanalnetz absolut regelkonform“, berichtet Steb-Sprecherin Birgit Konopatzki. Aktuell gebe es „weder eine erhöhte Anzahl an Geruchsmeldungen aus der Bevölkerung noch sonstige Auffälligkeiten bei der Geruchsentwicklung im Stadtgebiet“.

Unangenehme Gerüche aus dem Kanal können insbesondere in den Sommermonaten bei anhaltender Trockenheit entstehen. Ursache: Wenn in Köln kaum Regen fällt, enthalten die Mischwasserkanäle, in denen sowohl Abwasser als auch Regenwasser transportiert wird, deutlich weniger Wasser. „Dadurch fließt das Abwasser langsamer und es kommt zu verstärkten Ablagerungen“, so Konopatzki. Biologische Prozesse führten dann zur Bildung von Schwefelwasserstoff, der für den unangenehmen Geruch verantwortlich sei. Diese Geruchsentwicklung werde von den Steb mit Hilfe von Messsonden vollautomatisch rund um die Uhr überwacht. Bei Bedarf, insbesondere im Sommer, setze man einen Geruchshemmer ein, um die Entstehung von Schwefelwasserstoff zu verhindern. Das dabei verwendete Mittel werde präzise dosiert, „um die Werte zuverlässig unter der Geruchsschwelle zu halten“.

Mehrere Bäche in Köln sind bereits komplett versiegt

Dass es beim Trinkwasser in Köln auf absehbare Zeit keine Probleme geben wird, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Natur schon jetzt stark unter dem Wassermangel leidet. Von den 24 Fließgewässern in Köln sind einige bereits komplett trockengefallen, darunter der Flehbach/Faulbach, Selbach, Giesbach und Kurtenwaldbach. In kritischem Zustand ist laut Steb der Frankenforstbach (Eggerbach/Bruchbach), der nur noch sehr wenig Wasser führt. Es sei damit zu rechnen, dass er in den nächsten Tagen ebenfalls trockenfällt.

Kurzfristige Hilfsmaßnahmen wie das künstliche Einleiten von Wasser seien „nicht zielführend, da das Wasser in den ausgetrockneten Bachbetten extrem schnell versickert und verdunstet“, so Konopatzki. Um den Gewässern dauerhaft zu helfen, setze man auf langfristige Maßnahmen wie die Renaturierung der Bäche und die Anlage schattiger Uferrandstreifen zur Verhinderung der Erwärmung.

Unter Hitzestress geraten dieser Tage auch die Kölner Parkweiher. Mit steigender Wassertemperatur sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser deutlich. Das stresst Fische und macht sie anfälliger für Krankheiten. „Die Steb steuern hier, wo nötig, durch den Einbau zusätzlicher Belüfter zur Sauerstoffanreicherung gegen“, erklärt Konopatzki. Um die hohe Verdunstung auszugleichen und das Wasser lokal abzukühlen, werde an den Zuläufen die Frischwassermenge erhöht. Ein weiteres Problem ist das starke Wachstum von Wasserpflanzen. Sie werden mit Mähbooten und teilweise in Handarbeit entfernt. Wenn die Hitze anhält, steigt zudem das Risiko, dass sich giftige Bakterien ausbreiten. „Die Gewässer werden daher intensiv kontrolliert“, betont die Steb-Sprecherin. Bislang gebe es aber keine größeren Probleme.