Bis zum 4. Juni muss das finale Konzept stehen. Am 26. September entscheidet der DOSB, welche deutsche Stadt international ins Rennen geht.
Positiver BürgerentscheidKöln und NRW dürfen weiter von Olympia träumen – jetzt gibt es viel zu tun

So stellen sich die Olympia-Planer den olympischen Marathon am Kölner Dom vor. (Visualisierung)
Copyright: Köln-Rhein-Ruhr
Es gibt sie schon, erste Bilder vom olympischen Marathon am Kölner Dom oder von Turnwettbewerben in der Lanxess-Arena. Es sind Visualisierungen der Düsseldorfer Olympia-Planer mit einem Publikum, das Unmengen internationaler Flaggen schwingt. In diesem Ausmaß ist das bei realen olympischen Wettbewerben nie zu sehen. Aber noch wird ja auch nur geträumt. Seit Sonntagabend und dem „Ja“ der Menschen in Köln und der Region zur Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele etwas intensiver als vorher. Aber bis die Sommerspiele tatsächlich an Rhein und Ruhr kommen könnten, ist es noch ein weiter Weg.
Bereits im Februar hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) den vier deutschen Olympia-Interessenten Köln-Rhein-Ruhr, München, Berlin und Hamburg einen 26 Seiten langen Fragenkatalog zugestellt. Der ist so etwas wie die Anleitung für ein umfassendes Bewerbungsschreiben und soll dafür sorgen, dass es möglichst objektiv zugeht bei der Auswahl des deutschen Bewerbers. Stephan Brause, Leiter des Ressorts Olympiabewerbung beim DOSB, stellte kürzlich in einer Sondersitzung des Kölner Sportausschusses recht deutlich klar: „Wir suchen einen Bewerber, der international gewinnen kann.“ Seit München 1972 habe sich Deutschland siebenmal beworben und sei siebenmal gescheitert. Diesmal will der DOSB dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ein Angebot machen, das es nicht ablehnen kann.
Für Köln-Rhein-Ruhr folgt jetzt die weit schwierigere Kür
Für Köln und die Region waren die positiven Ratsbürgerentscheide daher nur so etwas wie die Pflicht – um im sportlichen Bild zu bleiben. Ohne diesen ersten Erfolg wäre der Olympia-Traum geplatzt. Aber wirklich geschafft ist noch nichts. Was fehlt, ist die weit schwierigere Kür. Dafür braucht es das schillerndste Kostüm, die mitreißendste Musik, die ausgefeilteste Choreografie. In diesem Fall: das beste Konzept.
Alle Fäden aus Köln und der Region in Sachen Olympia laufen in der Düsseldorfer Staatskanzlei zusammen, dort wird seit Monaten am Konzept für die NRW-Bewerbung gefeilt. Diese hatte im vergangenen Dezember neuen Schwung bekommen, als Köln zur „Leading City“ erkoren wurde. Nicht ganz unschuldig daran dürfte Kölns im November neu angetretener Oberbürgermeister Torsten Burmester gewesen sein. Er war zuvor Vorstandsvorsitzender des DOSB gewesen und hatte schon im Wahlkampf keine Zweifel daran gelassen, dass er sich Olympische Spiele für Köln wünscht.

Kommen die Olympischen Spiele tatsächlich nach NRW, sollen in der Kölner Lanxess-Arena die Turnwettbewerbe stattfinden. (Visualisierung)
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Nordrhein-Westfalens Olympiapläne, 2016 vom Kölner Sportmanager Michael Mronz erstmals aufgebracht, setzen seit jeher auf die vielen im Land bereits vorhandenen Sportstätten. Es fehlen lediglich die Herzstücke Olympischer Spiele: ein Leichtathletikstadion und Unterkünfte für die Athletinnen und Athleten in Form eines Olympischen Dorfes. Diese sollen temporär auf einer Fläche im Kölner Norden entstehen, die für den neuen Stadtteil Kreuzfeld vorgesehen ist. Dazu gibt es bislang aber nur sehr vage Visualisierungen. Jetzt müssen exaktere Pläne her, sowohl optisch als auch finanziell.
Außerdem sind in Köln die Lanxess-Arena für die Turnwettbewerbe und das Rhein-Energie-Stadion für Fußball und Rugby eingeplant. Im aktuell im Bau befindlichen neuen Velodrom sollen die Bahnrad-Wettkämpfe stattfinden, am Fühlinger See das Marathon-Schwimmen, auf der Rund-um-Köln-Strecke der Straßenradsport. Der Marathon soll auf die Köln-Marathon-Strecke, die Jahnwiesen und die Poller Wiesen sind für das Bogenschießen und der Sportpark Müngersdorf für ein temporäres Tennis-Stadion eingeplant. In Leverkusen soll Fußball und in Pulheim Golf gespielt werden, in Monheim würde ein Park für die Skateboard-Wettbewerbe entstehen.
Wie das finale Konzept für Köln-Rhein-Ruhr am Ende genau aussieht, steht aber erst am 4. Juni fest. Dann muss es dem DOSB vorliegen. Bis dahin sind Änderungen möglich. Es gilt, die DOSB Mitgliederversammlung für sich einzunehmen. Das Gremium kommt am 26. September in Baden-Baden zusammen, um sich für einen Olympia-Bewerber zu entscheiden. Mit diesem will man dann das IOC überzeugen, die Spiele 2036, 2040 oder 2044 nach Deutschland zu vergeben.
Wann das IOC die Ausrichtung der Spiele vergibt, ist bislang völlig unklar
Wann sich das IOC entscheidet, ist bislang völlig unklar. Das könnte bereits 2027 passieren, oder auch erst 2029. In welchem Jahr Deutschland zum Zug kommen könnte, hängt wiederum davon ab, wann das IOC wieder Olympische Spiele in Europa veranstalten möchte. Auch dazu gibt es bisher keinerlei Informationen. Die Verantwortlichen beim DOSB wollen bereit sein, wann immer es soweit ist, und dann ein besseres Angebot haben als die bisher bekannten europäischen Mitbewerber: die Türkei mit Istanbul und Ungarn mit Budapest.
Zunächst entscheidend für Köln-Rhein-Ruhr ist also, die DOSB-Mitgliederversammlung für das NRW-Konzept zu begeistern. Sie ist das oberste Beschlussorgan des DOSB und setzt sich aus Vertretern der 16 Landessportbünde, der 68 nationalen Spitzenverbände der verschiedenen Sportarten, der 17 Verbände mit besonderen Aufgaben (etwa im Behindertensport oder beim Sport für bestimmte Zielgruppen), den persönlichen Mitgliedern und dem DOSB-Präsidium inklusive Michael Mronz zusammen. Der Kölner ist inzwischen IOC-Mitglied.
Nun soll es nicht so laufen, dass NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und Kölns OB Torsten Burmester (SPD) wie auch immer um Zuspruch buhlen und dabei besser sein müssen als etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Auch wenn Burmester gern vorträgt, dass es ihm ein persönliches Anliegen wäre, Söder eins auszuwischen, soll es möglichst objektiv zugehen bei diesem nationalen Wettstreit, den der DOSB durchaus begrüßt. „Wettbewerb gehört zum Sport dazu, der Wettbewerb holt aus allen Bewerbern das Beste heraus“, sagte Stephan Brause bei seinem Besuch im Kölner Sportausschuss: „Das NRW-Konzept ist deutlich besser geworden. Am Anfang hätte es keine Chance gehabt, aber jetzt könnte es – nach allem, was ich bisher weiß – sicherlich sehr gut funktionieren.“
Evaluierungskommission des DOSB kann eine Wahlempfehlung für den nationalen Entscheid abgeben
Zur Beurteilung hat der DOSB eine Evaluierungskommission gebildet. Dieser gehören als stimmberechtigte Mitglieder an: DOSB-Präsident Thomas Weikert, der DOSB-Vorstandsvorsitzende Otto Fricke, die Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, Christiane Schenderlein (CDU), die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Josephine Ortleb (SPD), die Präsidentin des Deutschen Segler-Verbandes, Mona Küppers, und der Präsident des Deutschen Basketball Bundes, Ingo Weiss. Beisitzende ohne Stimmrecht sind: IOC-Athletenvertreterin Kim Bui, der Präsident des Landessportverbandes Baden-Württemberg, Jürgen Scholz, und der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Behindertensportverbands, Idriss Gonschinska. Am Ende kann die Kommission eine Wahlempfehlung für die außerordentliche Mitgliederversammlung aussprechen. Muss sie aber nicht. Diese wäre für die stimmberechtigten Mitglieder auch nicht bindend.
Für die finalen Konzepte der vier Bewerber und die Beantwortungen des Fragenkatalogs werden Punkte vergeben in den Kategorien „Internationale Wettbewerbsfähigkeit & nationale Akzeptanz“ sowie „Sportfachliche & operative Eignung“. Für die Bereiche „Vision & Legacy“ sowie „Kosten & Finanzierung“ gibt es eine Prüfung auf Plausibilität und Machbarkeit. Die erste der vielen, vielen Fragen des DOSB an die Bewerber lautet: „Was macht Ihre Spiele besonders?“ Dazu sagte Kölns OB Torsten Burmester am Sonntag: „Wir können 14 Millionen Tickets verkaufen und damit eine größere Teilhabe erreichen als bei jeder anderen Bewerbung.“ Zudem sei die Atmosphäre zwischen Rheinland und Ruhrgebiet etwas ganz Besonderes: „Das offene Köln, das die Besucherinnen und Besucher herzt und international wahrgenommen wird, das Rheinland mit seiner Herzlichkeit und dazu das Ruhrgebiet mit seiner Vergangenheit und der Transformation in die Moderne.“
