Auch wenn der Euskirchener Stadtrat am Dienstag wie erwartet keine Entscheidung über die Zukunft des Euskirchener Stadttheaters getroffen hat, wurden einige Standpunkte der Fraktionen deutlich. Eine Aufwertung der Alten Tuchfabrik zwischen Euskirchen und Euenheim zur Interimsspielstätte lehnen die Politiker ab. Und auch die „schnelle Lösung“ für die Sanierung des Theaters, die zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen würde, wurde kritisch gesehen. Dann doch lieber ordentlich, und zwar mit Sanierung der Sanitäreinrichtungen, was im Endeffekt nur ein Jahr länger dauern soll.
Doch der Reihe nach: Am Wochenende hatte die Verwaltung ihre Ratsvorlage zur Zukunft des Theaters den Politikern zur Verfügung gestellt. Bis zur Sitzung am Dienstag war die Zeit zu knapp für die Fraktionen, um darüber ausreichend zu beraten. Das hatte die Verwaltung bereits vermutet, weshalb sie vorschlug, dass bis zur Ratssitzung im Dezember interfraktionell darüber ausführlich beraten werden solle. Das wurde vom Rat schließlich auch beschlossen.
Drei Entwürfe
Drei Varianten hatte die Verwaltung ausgearbeitet. Eine sieht die Sanierung des Theaters im Gesamtpaket mit dem Emil-Fischer-Gymnasium vor, dessen Aula das Theater ist. Damit Euskirchen aber eine Theaterspielstätte vorweisen kann, hätten dazu 1,5 Millionen Euro netto in die Alte Tuchfabrik investiert werden sollen. Neun bis zwölf Monate würde die Umbauzeit dauern. In den beiden anderen vorgeschlagenen Varianten würde die Sanierung des Theaters der des Gymnasiums vorgezogen. Einmal würden die Sanitäranlagen mitsaniert (6,21 Millionen brutto, Dauer: drei bis vier Jahre), einmal nicht (4,33 Millionen Euro brutto, Dauer: zwei bis drei Jahre). Als Untervariante soll außerdem geklärt werden, ob das Stadttheater überhaupt wieder eine Theaterspielstätte werden soll oder ob es nur noch als Schulaula dienen soll. Das würde, bei Variante zwei, die die Sanitärsanierung vorsieht, zu einer Bruttoersparnis von rund 570.000 Euro führen, wie die Stadt vorgerechnet hatte.
Die Grünen brachten sogar noch eine weitere Option ins Spiel: eine vorübergehende mobile Lösung. „Wir dachten da nicht an einen Musical Dome, sondern eher an Roncalli oder den Weihnachtszirkus“, beschrieb Dr. Simone Galliat die Dimension. Wie Bürgermeister Sacha Reichelt (CDU) im öffentlichen Teil der Sitzung ausführte, habe man tatsächlich auch in der Verwaltung über diese Option nachgedacht, sie aber aus „guten Gründen“ verworfen. Auf diese ging die Verwaltungsspitze im nichtöffentlichen Teil näher ein. Wie die Stadt auf Anfrage mitteilte, sei diese Option zu teuer und zu zeitintensiv. Allein das Finden eines geeigneten Standorts und das Einholen aller erforderlichen Genehmigungen würden dauern, so die Stadt. Da man außerdem nur in eine Lösung für wenige Jahre investieren würde, fehle der Ertrag.
Sorge, dass die Sanierung des Emil-Fischer-Gymnasiums sich dadurch nach hinten verschieben könne
Neben ihrem Vorschlag äußerte Galliat aber vor allen Dingen viele Fragen, die im Laufe der interfraktionellen Beratungen geklärt werden sollten. Ihre größte Sorge bestand darin, dass die Sanierung des Emil-Fischer-Gymnasiums sich dadurch nach hinten verschieben könne. Die Antwort war auch von Interesse für zahlreiche Zuschauer, denn ein Sozialwissenschaftskursus der Schule war bei der Ratssitzung zu Gast. Bezüglich der Sorge, dass sich die Gymnasiums-Sanierung nach hinten verschieben könnte, konnte Kämmerer René Strotkötter sie aber ein wenig beruhigen. Galliat befürchtet aber auch, dass es schwierig sein könnte, Gäste und Veranstalter nach langer Pause wieder an den Theaterstandort Euskirchen zurückzuführen, wenn die Stadt nun aus den Kulturkalendern verschwinde.
Für die CDU stehen die Aspekte Schnelligkeit, Kosten und Sanierungsaufwand im Vordergrund. „So schnell wie möglich“, so Klaus Voussem, solle die Sanierung erfolgen. „Zwei bis drei Jahre ist lang, aber ehrlich für das Theater und den Schulbetrieb“, so Voussem weiter. Der vorübergehende Wechsel in die Tuchfabrik sei „charmant, aber teuer“.
Charme erkannte Arne Spitz (FDP) darin nicht. „Die erste Lösung ist sehr hanebüchen“, sagte er. Der Architekt sieht vor allen Dingen Probleme mit dem Brandschutz, wenn neben dem Wohnraum noch eine weitere Halle genutzt werden solle. Aber auch die Bestuhlung sei schwierig. Für ihn und die FDP gibt es nur eine mögliche Variante: die Vollsanierung.
Auch Anne Decker (Die Linke) sprach sich gegen eine Übergangslösung aus. Sie teilte Galliats Sorgen, dass sich die Sanierung des Gymnasiums nach hinten schieben könnte. Sie kam auch auf die von der Stadt angeführte Möglichkeit, das Stadttheater als Spielstätte aufzugeben und es als reine Schulaula zu nutzen, zu sprechen. Um darüber zu entscheiden, fehlte es ihr aber an Zahlen, wie oft das Theater als Spielstätte und als Aula genutzt wurde. Außerdem wolle sie die Meinung der Schule zu dem Thema hören.
Die SPD zeigte sich insgesamt verhalten zu den drei Varianten, bevorzuge aber die Variante der losgelösten Sanierung des Theaters vom Gymnasium, wie Marianne Haller sagte. Wissen wollte sie, ob bei der Sanierung der Schule noch Anpassungen am dann bereits fertiggestellten Theater zu befürchten seien. Davon geht Strotkötter derzeit allerdings nicht aus.
Eine weitere Frage konnte ihr der Technische Beigeordnete Wolfgang Honecker beantworten. Holler fragte, ob für das City-Forum aufsteigende Stuhlreihen geplant seien. Ein „aufsteigendes Gestühl“, wie es in der Fachsprache heißt, werde es dort aber nicht geben. Dafür allerdings eine variable Bühne. (ets)

