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Schiedsrichter engagiert sich bei AfDSportgericht des Fußballkreises Euskirchen tritt zurück

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Das Bild zeigt zwei Schiedsrichter im Gespräch. Im Hintergrund diskutieren Fußballer. Es geht um eine sportliche Entscheidung während des Bezirksligaspiels.

Steht aufgrund seiner Parteizugehörigkeit im Fokus: Schiedsrichter Noah Schmuck (vorne rechts). In dieser Szene tauscht sich Schmuck im März des vergangenen Jahres wegen einer rein sportlichen Spielsituation zwischen Dahlem-Schmidtheim und Nierfeld mit Schiri-Kollege Jörg Piana aus.

Fast das komplette Sportgericht des Fußballkreises ist zurückgetreten. Anlass ist das Engagement des Schiedsrichters Noah Schmuck für die AfD. Der Verband sieht keinen Handlungsspielraum.

Im Fußballkreis Euskirchen ist fast das komplette Kreissportgericht mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Lediglich Niklas Breuer ist noch dabei. Hintergrund für die Entscheidung der verdienten Ehrenamtler ist die AfD-Mitgliedschaft des Schiedsrichters Noah Schmuck.

Der Blankenheimer, der Beisitzer im AfD-Kreisvorstand ist, ist auch der Jungschiedsrichterbeauftragte im Schiedsrichterausschuss des Fußballkreises Euskirchen – und war zuletzt als vierter Offizieller beim Pokalfinale zwischen Zülpich und Bessenich in Ripsdorf im Einsatz.

Fußballkreis Euskirchen verweist auf den Fußballverband

Der Fußballkreis Euskirchen will zu den Vorgängen nicht Stellung nehmen und verweist auf den Fußball-Verband Mittelrhein (FVM). Die zurückgetretenen Sportrichter begründen ihren Schritt mit ihrem persönlichen Werteverständnis.

In einem Schreiben, das von den Sportrichtern Manuel Plützer, Andrea Pütz, Sebastian Bey, Robert Schnitzer und Gregor Teuber unterzeichnet wurde und der Redaktion vorliegt, heißt es, man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Teilweise seien die Unterzeichner seit fast 20 Jahren ehrenamtlich im Sportgericht tätig gewesen.

Sportrichter berufen sich Vielfalt, Toleranz und Respekt

Unter den aktuellen Umständen sei das Ehrenamt jedoch nicht mehr mit dem eigenen Werteverständnis vereinbar. Auslöser des Rücktritts sei die Tatsache, dass mit Noah Schmuck ein aktives Mitglied der AfD als Jungschiedsrichterbeauftragter eingesetzt werde. Dies halten die Sportrichter für nicht vereinbar mit den Grundwerten des organisierten Sports wie Vielfalt, Toleranz, Respekt und demokratischer Haltung.

Kritik üben sie auch am Kreisvorstand und am Kreisschiedsrichterausschuss. Weder der Vorsitzende des Schiedsrichterausschusses noch der Kreisvorstand hätten aus ihrer Sicht Maßnahmen ergriffen, um die Situation kritisch zu hinterfragen oder organisatorische Konsequenzen zu ziehen.

Nach Auffassung der Sportrichter hätte es beispielsweise Möglichkeiten gegeben, Schmuck andere Aufgaben zuzuweisen, damit er nicht im ständigen Kontakt mit Jungschiedsrichtern komme. Darüber hinaus werfen sie dem Fußball-Verband Mittelrhein vor, zu spät auf die rechtlichen Fragen reagiert zu haben. Bereits im März sei darüber diskutiert, ob man wegen eines möglichen Verlustes der Gemeinnützigkeit eine Auskunft des Finanzamtes einhole.

Eine verbindliche Prüfung sei jedoch erst Monate später eingeleitet worden (das Ergebnis steht noch aus). Das verstärke den Eindruck, dass eine klare Haltung fehle.

Wir lassen die Brandmauer nicht einreißen.
Hubert Jung, Ehrenvorsitzender des Fußballkreises Euskirchen

Dem kann Hubert Jung, Ehrenvorsitzender des Fußballkreises, nur beipflichten. „Wir lassen die Brandmauer nicht einreißen“, sagt Jung, der nach eigenen Angaben seinen Posten als Ehrenvorsitzender aktuell ruhen lässt. Dass der Verband so auf Zeit spiele und auch der Fußballkreis nicht aktiv werde, ist für Jung unverständlich.

Der Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) weist diesen Vorwurf indirekt zurück. In einer ausführlichen Stellungnahme auf Anfrage dieser Redaktion erklärt der Verband, dass er und der Fußballkreis Euskirchen sich bereits seit mehr als einem Jahr mit den Auswirkungen von Parteimitgliedschaften auf Funktionen innerhalb des Verbandes beschäftigen. Dabei würden sowohl die Wertehaltung des Verbands als auch die geltenden rechtlichen und satzungsrechtlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt.

Keine Amtsenthebung allein aufgrund der Mitgliedschaft in einer Partei

Der FVM betont zugleich seine klare Haltung gegen Gewalt, Diskriminierung und Extremismus. Als Sportfachverband sei er jedoch gesetzlich und satzungsrechtlich zur parteipolitischen Neutralität verpflichtet. Eine Amtsenthebung allein aufgrund der Mitgliedschaft in einer demokratisch zugelassenen und nicht verbotenen Partei sei derzeit rechtlich nicht möglich.

Zudem bestünden erhebliche Zweifel, ob entsprechende Maßnahmen überhaupt zulässig wären. Entscheidungen über Ämter müssten auf einer belastbaren rechtlichen Grundlage beruhen. Vor diesem Hintergrund habe der Fußballkreis Euskirchen einen Antrag auf Änderung der Verbandssatzung eingebracht. Der Beirat des FVM habe beschlossen, diesen der zuständigen Landesfinanzbehörde zur rechtlichen Prüfung vorzulegen. Bis zu einer Stellungnahme der Finanzverwaltung wurden die Beratungen vertagt. Erst danach soll über mögliche Änderungen entschieden werden.

Politik gehört ins Parlament, nicht auf den Fußballplatz.
Noah Schmuck, Schiedsrichter und AfD-Mitglied

Noah Schmuck weist im Gespräch mit der Redaktion darauf hin, dass seine Parteimitgliedschaft keinen Einfluss auf seine Tätigkeit als Schiedsrichter habe. Seit seiner Kandidatur für den Kreistag und seinem Eintritt in die AfD sei er aber politischem Druck ausgesetzt gewesen. Persönliche Gespräche mit ihm hat es nach seinen Angaben nicht gegeben.

Ebenso wenig seien ihm extremistische oder sonstige beanstandbare Äußerungen oder Handlungen vorgeworfen worden. „Der Rücktritt erfolgte offenbar allein aufgrund meiner AfD-Mitgliedschaft. Das ist eine klare Vermischung von Politik und Sport, die ich für falsch halte“, erklärt Schmuck.

Sportgerichte und Ehrenämter im Fußball sollten parteipolitisch neutral sein und sich ausschließlich an sportlichen sowie satzungsgemäßen Kriterien orientieren. „Politik gehört ins Parlament, nicht auf den Fußballplatz“, so Schmuck.

Kreissportgericht trotz Rücktritte handlungsfähig

Er hoffe, dass künftig wieder der Sport im Mittelpunkt stehe. Nach Informationen dieser Zeitung liegen dem Fußballkreis Euskirchen weder von Eltern noch von Spielern oder Vereinen Beschwerden über Noah Schmuck in seiner Tätigkeit als Schiedsrichter oder Funktionsträger vor.

Doris Mager, Vorsitzende des Fußballkreises Euskirchen, betont, dass die Arbeit des Kreissportgerichts trotz der Rücktritte zunächst gesichert sei. Neue Verfahren würden weiterhin regulär an das Kreissportgericht abgegeben und dort bearbeitet. Parallel arbeite der Fußballkreis daran, eine neue Kammer zusammenzustellen. Wie schnell dies gelinge, sei derzeit jedoch noch offen.

Gleichzeitig werden nach Angaben der Kreisvorsitzenden Übergangslösungen geprüft, falls kurzfristig eine Neubesetzung erforderlich werde. Akuter Handlungsbedarf besteht nach Angaben Magers derzeit allerdings nicht: Offene Verfahren gibt es momentan keine.

Nun hofft der Fußballkreis, dass auch in der laufenden Vorbereitung auf die kommende Spielzeit mit den zahlreichen Freundschaftsspielen zunächst keine neuen Fälle hinzukommen.