E-Scooter verärgern Passanten in der Euskirchener Innenstadt. Leerstände tragen nicht zu einer attraktiveren City bei. Und hinzu kommt die Sorge um Galeria. Trotz allem entwickelt sich die Innenstadt stetig weiter zum multifunktionalen Ort.
Angst um GaleriaDie Euskirchener Innenstadt trotzt Widrigkeiten und hat ein E-Scooter-Problem

In der Innenstadt ist das Fahren mit E-Scootern und Fahrrädern verboten.
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Container an Container. Aufgerissenes Pflaster, das notdürftig geflickt wurde. Völlig zerstörte Inneneinrichtungen. Auch Wochen nach der Flutkatastrophe hatte in der Euskirchener Innenstadt praktisch kein Geschäft geöffnet. Davon ist heute nichts mehr zu spüren. Klar, es gibt Leerstand. Und es gibt Fluktuation an der Neustraße, der Berliner Straße, Wilhelmstraße oder auch der Hochstraße. Doch das Leben pulsiert längst wieder. Nun bereitet allerdings die Nachricht, dass die Zukunft der Galeria (ehemals Kaufhof) ungewisser denn je ist, Sorge.
Das sagt die Stadt zur Situation in der Innenstadt
Die Euskirchener Innenstadt behauptet sich nach Angaben des städtischen Pressesprechers Tim Nolden „erfolgreich im Strukturwandel des Einzelhandels“. Mit einem ausgewogenen Mix aus inhabergeführten Geschäften, Filialisten und vertikalen Anbietern sei die Stadt im Vergleich mit ähnlichen Kommunen mit rund 60.000 Einwohnern solide aufgestellt.
Dies spiegele sich auch in der Leerstandsquote wider, die in der Fußgängerzone bei unter zehn Prozent liege, so Nolden. Vor allem der Bereich Gastronomie sei in den ersten beiden Quartalen stark gewachsen. Tatsächlich sind an der Berliner Straße zwei Cafés eröffnet worden. Am Klosterplatz ist anstelle des Mangal-Döners von Lukas Podolski ein neuer Schnellimbiss in Betrieb gegangen.
Da Handel stets Wandel bedeute, werde normale Fluktuation aktiv als Chance genutzt. Ziel sei es, das Zentrum zunehmend zu einem multifunktionalen Ort zu entwickeln, der Einkaufen, Gastronomie, Wohnen und Freizeit harmonisch miteinander verbindet. „Eine wichtige Rolle spielen dabei auch Grünflächen als Orte der Begegnung, der gesellschaftlichen Teilhabe sowie zur Verbesserung des Stadtklimas“, so Nolden.
Im Rahmen der Innenstadtsanierung nach der Flut wurden bereits einige Anforderungen einer klimaresilienten Innenstadtgestaltung umgesetzt. Dazu zählen Stadtbäume zur Verschattung sowie ein Trinkwasserbrunnen auf der Neustraße. Sitzgelegenheiten in der gesamten Fußgängerzone sorgen laut Nolden für Aufenthaltsqualität und bieten Passanten, Senioren und Familien die Möglichkeit zur Erholung und zum konsumfreien Verweilen.
Stadt Euskirchen nutzt mehrere Förderprogramme
Die Stadt Euskirchen arbeitet dem Pressesprecher zufolge darüber hinaus mit mehreren Förderprogrammen daran, die Euskirchener Innenstadt nachhaltig weiterzuentwickeln. Dazu zählt das Förderprogramm zur Sanierung von Fassaden, Freiflächen und Dächern sowie der Verfügungsfonds Innenstadt, der Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürgern Zuschüsse für innenstadtrelevante Projekte ermöglicht.
Spezielle Förderprogramme zur Unterstützung des Handels und der Gastronomie stehen ebenfalls zur Verfügung. Die Anträge auf Förderung sollten zeitnah gestellt werden, da die genannten Programme Ende des Jahres auslaufen.
E-Scooter in der Fußgängerzone sind ein Ärgernis
Für die einen sind sie ein praktisches Beförderungsmittel, für die anderen ein großes Ärgernis: E-Scooter. Der der Euskirchener Fußgängerzone beschert das Konflikte. E-Scooter sind ebenso wie Fahrräder in der Fußgängerzone verboten. Zumindest, wenn sie nicht geschoben werden. Entsprechend kontrollieren Polizei und Ordnungsamt regelmäßig, ob sich an das Verbot gehalten wird. Sehr zur Freude von Passanten. „Es ist gut, dass da endlich etwas gegen getan wird“, sagt Heinrich Schmitz.
Vor allem die E-Scooter seien eine Gefahr. Bei der jüngsten Kontrolle dauerte es tatsächlich nur wenige Augenblicke, bis ein E-Scooter-Fahrer gestoppt werden konnte. 15 Euro Strafe musste der junge Mann noch vor Ort bezahlen. Ein Senior, der mit seinem Rad auf der Berliner Straße unterwegs war, ärgerte sich. „Ich bin nicht gut zu Fuß. Ich kann nur mit dem Rad in die Stadt. So werde ich meiner Freiheit beraubt“, sagte er einem Beamten.
Die Euskirchener Polizei kündigte an, die Kontrollen zusammen mit dem Ordnungsamt fortzusetzen. „Natürlich sind auch bei uns schon Beschwerden über die Fahrten in der Fußgängerzone eingegangen“, sagt Franz Küpper, Pressesprecher der Euskirchener Polizei.
Die Neueröffnungen in der Euskirchener Innenstadt
Euskirchen hat eine Kneipe mehr. Markus Tews hat seit wenigen Tagen wieder den Annaturm geöffnet. „Das ist aus einer Überlegung kurz vor Weihnachten entstanden – auch, weil die Prinzengarde kein Standquartier hat“, sagt der Euskirchener, der selbst Mitglied des Karnevalsvereins ist. In den vergangenen Wochen habe er viel Zeit und Geld in die Kneipe am Annaturmplatz investiert.
So wurden die Zapfanlage und die Kühltechnik auf Vordermann gebracht. Wer Lust auf Kölsch, Longdrinks, Cola oder Kneipen-Snacks hat, der ist dienstags, donnerstags, freitags und samstags ab 17 Uhr im Annaturm genau richtig.

Markus „Mucki“ Tews hat in Euskirchen die Kneipe zum Annaturm übernommen. Eigentlich als Hobby, aber in den vergangenen Woche ist viel Leidenschaft in die Gaststätte geflossen.
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Es ist noch gar nicht so lange her, dass das Tapas-Restaurant „Callito“ am Platz am Gardebrunnen geschlossen hat, schon gibt es an derselben Stelle ein neues Restaurant: das mexikanische Restaurant „Sabores“.
Im ehemaligen McDonald’s am Euskirchener Bahnhof ist ebenfalls wieder Leben eingekehrt. Dort hat das Burger-Restaurant „B!tes“ eröffnet. Schon seit zwei Wochen hat am Klosterplatz der „ARI Imbiss“ eröffnet. Viel umgebaut werden musste nicht, denn er ist in die ehemaligen Räume des Mangal-Döners eingezogen. Neu eröffnen wird in naher Zukunft das „Beit Jiddoh“ an der Wilhelmstraße. Das libanesische Restaurant wird dort eröffnen, wo zuvor „Big Burger Baguettes“ beheimatet war.
Das Tin-Inn-Hotel an der Thomas-Eßer-Straße hat Richtfest gefeiert. Der Technik-Container für das Hotel, das komplett aus Überseecontainern besteht, ist geliefert worden. Einen Eröffnungstermin gibt es aber noch nicht.
Die Schließungen in der Euskirchener Innenstadt
Wer Spaß am Spielen und Bauen mit Klemmbausteinen hat, der war knapp zwei Jahre beim „Stein-Otter“ an der Wilhelmstraße genau richtig. Zum 8. August schließen Lisa Wenkemann und Kai Spessart ihren Laden.
Bereits geschlossen hat das „Café Mathilda“ an der Hochstraße im ehemaligen Rialto. Das Café musste nach Angaben der Betreiberin aus gesundheitlichen Gründen schließen. Es war erst im September 2025 eröffnet worden.
Ein reines Sportgeschäft sucht man in der Euskirchener Innenstadt wieder vergebens. Für die Sportzone im ehemaligen „Sandys“ am Platz am Gardebrunnen hat es bereits vor einigen Wochen den Abpfiff gegeben. Nicht direkt in der Innenstadt, aber an der Kommerner Straße gab es das Musik-Fachgeschäft „Piano Becker“. Der Experte rund um Musikinstrumente hat sein Geschäft aufgegeben.
Auch das Autohaus „Moll“ an der Mainstraße gibt es nicht mehr. Die Hallen und Verkaufsflächen sind leergeräumt. Service wird dort ebenfalls nicht mehr angeboten.
Weitere Sitzgelegenheiten für den Klostergarten sollen kommen
Auch auf dem zentral gelegenen Euskirchener Klostergarten findet stetig Wandel statt. Jüngst führte die Stadt Euskirchen dort das einmonatige „Reallabor“ durch, bei dem gemeinsam mit der Euskirchener Bevölkerung Pläne für die neue Nutzung und Gestaltung der Örtlichkeiten erarbeitet wurden.
Teil der Initiative waren auch Holzmöbel die, teils durch die Stadt erworben, zum größten Teil jedoch angemietet waren. Sie machten den Klosterplatz bis Anfang Juli zu einem beliebten Treffpunkt für Jugendliche, Arbeitende während der Mittagspause und Leute, die in der Einkaufsstraße bummelten.

Diese Sitzgelegenheit im Euskirchener Klostergarten wurde wieder abgebaut.
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Leider wurde nun ein Großteil der Möbel abgebaut, auch wenn mit der aktiven Umgestaltung des Klostergartens voraussichtlich erst Ende 2027 begonnen werden kann. Laut der Stadt Euskirchen hätte das Mieten der Möbel bis Ende September etwa 8500 Euro monatlich gekostet.
In den kommenden Wochen sollen der Stadt zufolge zusätzliche, im Eigenbau hergestellte Sitzgelegenheiten temporär auf der Fläche platziert werden. Bis eine langfristige Gestaltung des Klosterplatzes umgesetzt werden kann, müssen sich die Euskirchener allerdings noch etwas gedulden. (chp)


