Stefanie Behling eröffnet in Kommern ein Ladenlokal mit Atelier. Ein wichtiges Thema bei ihrer Arbeit ist Nachhaltigkeit.
Neuer LadenAus Kommern kommt maßgeschneiderte Kleidung per Videocall

Stefanie Behling eröffnet in Kommern ein Ladenlokal.
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Stoffbahnen stapeln sich in einem Regal, auf dem Tresen stehen mit bunten Garnrollen verzierte Blumentöpfe, und an der Wand dahinter hängen Mode-Zeichnungen – wer Stefanie Behlings neues Maßatelier mit Laden und Werkstatt in der Mühlengasse betritt, taucht mit einem Mal ein in die Welt der Schneiderei. Seit 20 Jahren arbeitet Behling als Maßschneiderin und Modedesignerin. Gelernt hat sie ihr Handwerk auf der Düsseldorfer Kö. Ein etwas anderes Umfeld als die Mühlengasse in Kommern.
„Ich komme von hier“, sagt sie. Schon seit vielen Jahren habe sie ein Atelier bei sich am Haus. Anfang des Jahres habe sie die Möglichkeit erhalten, das Ladenlokal in der Mühlengasse zu übernehmen. „Und die habe ich dann gerne genutzt.“ Die ländliche Gegend tut der Kundschaft laut Behling aber keinen Abbruch. Ein Grund dafür: Sie arbeitet auch online.
Maßschneiderei, ohne im selben Raum zu sein – dass das funktioniere, habe sie eher unfreiwillig während der Corona-Pandemie herausgefunden. Kundenkontakt sei damals zeitweise völlig ausgeschlossen gewesen. Deshalb habe sie die Online-Beratung bei einer Kundin ausprobiert. „Da habe ich gemerkt: Das funktioniert ja richtig gut.“ Die Kundin oder der Kunde erhält Stoffproben und Anprobe-Stücke per Post, und die Beratung findet dann per Video-Call statt. „Dadurch kommen die Kunden mittlerweile aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz, Dänemark und Schweden.“
Kommerner Maßschneiderin macht auch Hochzeitskleider
Mit dem Ladenlokal soll jetzt noch etwas mehr analoge Kundschaft angelockt werden. Dabei funktioniert der Raum als Atelier und Showroom zugleich. Einzelne ausgewählte Stücke, die Behling hergestellt hat, kann man hier von der Stange kaufen oder sich eben anpassen lassen. Außerdem gibt es Schmuck, Tücher und auch bunte Karten und Tischuntersetzer im Sortiment. „Schöne Kleinigkeiten“, nennt Behling das.
Hochzeitskleider, Herrenanzüge, Hosen, T-Shirts, Blazer, Mäntel – alles kann man sich von Behling schneidern lassen. In einem Regal im Atelier liegen Stoffbahnen und Musterbücher, in denen sich ihre Kunden den in Farbe und Haptik passenden Stoff aussuchen können. Für sie als Modedesignerin am spannendsten seien die Aufträge, bei denen sie völlig freie Hand habe, berichtet Behling. Wenn beispielsweise eine Frau einfach einen Rock bestelle, Stil, Farbe und Stoff aber ihr überlasse.

Stoffbahnen stapeln sich in einem Regal des neuen Ladens.
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Selbst die Blumendeko passt zur Atelier-Atmosphäre.
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Fragt man die Mode-Expertin nach den aktuellen Trends, muss diese allerdings abwinken. „Mit Trends habe ich zwei Probleme“, sagt sie. Zum einen seien diese oft schnelllebig. Was heute in ist, kann morgen schon wieder out sein. Und das widerspreche komplett ihrer Arbeitsweise. „Kleidung, die bleibt“, das sei das Motto, nachdem sie arbeiten wolle. Der zweite Grund, warum sie sich gegen Trends sträubt: „Mir ist es total wichtig, dass das Kleidungsstück der Trägerin zu 100 Prozent passt.“ Dieser Anspruch sei nicht immer mit dem neuesten Trend vereinbar.
Grundsätzlich beobachte sie in ihrem Umfeld und ihrer Kundschaft, dass die Menschen wieder weniger Kleidung kaufen, Sachen auswählen, die man über Jahre tragen kann. „Das ist ein Trend, den ich gerne sehe“, sagt sie. Nachhaltigkeit ist ihr wichtig. Vor allem bei den Materialien, die sie selbst verarbeitet. „Ich achte sehr darauf, was das ist, wo es herkommt, wie das produziert wird“, betont sie.
Ein Kleid liegt preislich zwischen 700 und 800 Euro
Die bewusst ausgewählten Stoffe, die Zeit für Beratung und Anpassung und das Handwerk an sich – das alles schlägt sich im Preis von Behlings Stücken nieder. Grundsätzlich hänge der immer sehr mit dem Preis des ausgewählten Stoffes zusammen, betont die Maßschneiderin. Ungefähr jedoch koste ein Kleid bei ihr zwischen 700 und 800 Euro, der Preis für einen maßgeschneiderten Blazer beginnt bei etwa 1000 Euro. Preise, die eher nach Düsseldorfer Kö als Kommerner Mühlengasse klingen.

Eine kleine Kollektion kann man im neuen Laden schon anprobieren.
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Stefanie Behling näht gerne an der alten Nähmaschine ihrer Mutter.
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Doch Behling ist der Meinung, dass ihre Kunden damit auf lange Sicht Geld sparen. Ein hochwertig produzierter Blazer könne Jahrzehnte halten und benötige vielleicht nach zehn Jahren nur ein neues Futter. Das sei bei vielen Fast-Fashion-Artikeln heute anders. Und falls nun einer denkt: „Bei den Preisen, da versuch’ ich es lieber selbst“ – für den hat Behling auch etwas im Angebot: Nähkurse. Kleidung selbst zu nähen sei inzwischen wieder sehr beliebt, sagt sie. So beliebt, dass Behling mit einfachen Nähtipps sogar im Fernsehen zu sehen ist. Für die ZDF-Sendung „Volle Kanne“ zeichne sie immer mal wieder Beiträge auf, berichtet sie.
Zu ihren Kursen kommen hauptsächlich Frauen. Das Alter spiele aber keine Rolle, so Behling. 18 bis mehr als 70 Jahre alt seien ihre Teilnehmerinnen. Und auch Behlings Kinder nähen. Ihr Sohn (10) und ihre Tochter (12) haben beide eine Nähmaschine. Und das passt auch zum Nachhaltigkeitsansatz der Maßschneiderin.
Genauso wie die Maschinen in Behlings Werkstatt. Sie arbeite nach wie vor mit denselben Näh-und Bügelmaschinen, die sie sich vor 20 Jahren zugelegt habe, berichtet sie. Und dann ist da noch die alte Singer-Nähmaschine von ihrer Mutter. Sie sei auch Schneiderin gewesen, die kunstvolle Tretmaschine habe sie aber nur als Dekoration genutzt.
Im vergangenen Jahr hat Behling das alte Schätzchen restauriert und dabei herausgefunden, dass die Nähmaschine etwa 120 Jahre alt ist. Und sie funktioniert noch heute. „Sie näht ganz fantastisch“, schwärmt Behling. Weil sie nebenbei auch optisch etwas hermacht, steht die Nähmaschine direkt am Fenster des neuen Ladenlokals und trägt einen Großteil zur Atelier-Atmosphäre bei, die jeden Gast empfängt, der durch die Tür eintritt.
Laden-Eröffnung in Kommern am Samstag

So sieht er aus, der neue Laden in der Mühlengasse.
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Das neue Maßatelier mit Laden und Werkstatt von Stefanie Behling in der Mühlengasse 4 öffnet am heutigen Samstag von 11 bis 18 Uhr zum ersten Mal seine Türen. Besucherinnen und Besucher können dort nicht nur Behling und ihr Handwerk kennenlernen, sondern auch Stücke aus einer kleinen Kollektion anprobieren. Künftig soll das Ladenlokal donnerstags und freitags sowie jeden ersten Samstag im Monat geöffnet haben. An allen anderen Tagen kann man bei Behling einen Termin buchen.

