Abo

Nach 40 Jahren VorlaufLangel bekommt einen Supermarkt und Sozialwohnungen

4 min
Eine Frau und ein Mann stehen vor einem Rohbau.

Das Unternehmer-Ehepaar Peter und Ursula Brings steht auf dem ehemaligen Deponiegelände an der Mühle, wo nach Jahrzehnten des Ringens ein Supermarkt, eine Bäckerei und Wohnungen gebaut werden. 

An der Mühle entstehen nach jahrzehntelangem Ringen ein Supermarkt, eine Bäckerei und geförderte Wohnungen, auch für Menschen mit Einschränkungen. 

Am nördlichen Ortseingang von Langel sollen in knapp zwei Jahren ein Aldi-Markt, eine Filiale der Troisdorfer Bäckerei Heisters samt Café und sozial geförderte Wohnungen fertiggestellt werden. Die Aditon KG, eine Familiengesellschaft der Brings Gruppe mit Sitz in Bornheim, lud anlässlich der Fertigstellung des Rohbaus  zu einer kleinen Feier in das Gebäude. Es soll zusammen mit dem Riegelbau auf dem Grundstück An der Mühle demnächst gut 2600 Quadratmeter Wohnfläche und 1600 Quadratmeter Gewerbefläche bieten.

Vertreter von Aldi, vom Bauunternehmen und aus der Politik sind zur Feier im Rohbau in Porz-Langel gekommen

Familienunternehmer Peter Brings und seine Frau Ursula dankten den engagierten Unterstützerinnen und Unterstützern, ohne die es auf dem seit den 1980er Jahren brachliegenden Gelände keinen Bau gegeben hätte. Anne Henk-Hollstein, Dieter Redlin und Lutz Tempel von der örtlichen Politik, den ehemaligen Kölner Baudezernenten Markus Greitemann, Bauunternehmer Wolfgang Jung-Köppl und Bauleiter Stefan Schmitz hob er lobend hervor. Auch mit den künftigen Mietparteien habe es von Beginn des Projektes an eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gegeben. Aldi, vertreten durch Harald Peters als Leiter der Filialentwicklung, Peter Scharfe von der Alexianer Krankenhaus Porz GmbH sowie Johannes und Andrea Deimann von der Bäckerei Heisters hätten mit dem Bauherrn zusammen viel Energie ins Projekt gesteckt und einen langen Atem bewiesen.

Männer und Frauen stehen nebeneinander an einer Wand, an der Baupläne befestigt sind. Zwei Männer stehen an einem Stehtisch. Sie befinden sich in einem Rohbau.

Bei kaum einem anderen Projekt waren so dicke Bretter zu bohren, waren sich Gäste aus Politik, Verwaltung, Investor und künftige Mieter beim kleinen Fest im ersten fertiggestellten Rohbau einig.

Der war für dieses als problematisch geltende Grundstück tatsächlich nötig. Brings verwies auf die lange und verwickelte Planungsgeschichte für das Areal, auf dem bis in die 1960er Jahre Kies abgebaut wurde, das dann mit Müll und Bauschutt verfüllt wurde und für das es einen alten  Bebauungsplan gab. Der sah den Bau von Eigenheimen vor, was unter anderem wegen Bedenken hinsichtlich des Untergrundes nicht zustande kam. 2014 sei erstmals die Ansiedlung eines Lebensmittelversorgers ins Gespräch gekommen – der südlichste Kölner Stadtteil am Rhein hat seinen Einwohnern in dieser Hinsicht bisher nichts zu bieten.

Vor 40 Jahren begannen Planungen zur Nachnutzung des Kiesgrubengeländes in Porz-Langel

Anne Henk-Hollstein, langjährige CDU-Politikerin in Bezirksvertretung und Rat, erinnerte sich, schon zu Beginn ihrer politischen Arbeit vor 40 Jahren mit Planungen für das Areal befasst gewesen zu sein. Dass Peter Brings mit der Erstellung eines Vorhaben- und Erschließungsplans der Stadt die Arbeit für eine Bebauungsplanänderung abgenommen habe, sei der Schlüssel zum Erfolg gewesen. Mit dem Unternehmer waren sie und die Gäste aus Politik und Verwaltung sich einig, „selten so dicke Bretter wie bei dieser Planung gebohrt“ zu haben.

Nachdem der Rat den Bebauungsplan 2024 beschlossen hatte, waren aufwendige Erkundungs- und Bodenuntersuchungen wegen der früheren Deponienutzung notwendig. Glücklicherweise, so Peter Brings, wurden keine gefährlichen Stoffe im Boden gefunden. Mit moderner Technologie wurde der Baugrund vorbereitet. So wurden fast 500 sogenannte Rüttelstopfpfähle in den Deponieboden gepresst, es wurden Drainage-Schichten und lastverteilende Betonpolster angelegt und zum Teil der Boden ausgetauscht. Der eigentliche Baubeginn war im November 2025, seither gingen die Bauarbeiten zügig voran. Die Rohbaufertigstellung für das Riegelgebäude soll noch in diesem Jahr erfolgen.

Harald Peters (Aldi) gab das Lob für den langen Atem an den Unternehmer zurück und stellte eine nicht sehr großflächige, aber mit dem kompletten Sortiment ausgestattete Filiale des Discounters an diesem Standort in Aussicht. Johannes Deimann (Heisters) freut sich darauf, mit Bäckerei und Café nach Langel zurückzukehren. Die Firma hat bis zum vorigen Jahr eine kleine Filiale nahe der Kirche betrieben. Peter Scharfe, Regionalgeschäftsführer der Alexianer Köln/Rhein-Sieg, zeigt sich erfreut über den Standort. Hier sollen zwei ambulant betreute Wohngruppen und so genannte Trainingswohnungen angemietet werden, für die es im Porzer Süden einen erheblichen Bedarf gebe. 

Wohnraum in Porz-Langel wird zu 100 Prozent öffentlich gefördert

Sämtlicher Wohnraum wird im Rahmen des öffentlich geförderten Wohnungsbaus des Landes NRW errichtet. Die insgesamt 31 Wohnungen stehen damit Mietern mit einem Wohnberechtigungsschein zur Verfügung. Der Schwerpunkt liegt auf kompakten Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen. Die gesamte Wohnanlage wird barrierefrei ausgeführt und mit Aufzügen ausgestattet. Durch Erdwärmetechnik, Photovoltaikanlagen, Retentionsanlagen für Niederschlagswasser, Dachbegrünung und viele Bäume und Pflanzen wird ein Null-Energie-Standard erreicht. Sämtliche zur Beheizung und Brauchwassererwärmung benötigte Energie wird im Jahresmittel aus regenerativen Quellen gewonnen.

Die Kombination aus Wohnen, Nahversorgung und ergänzenden Gewerbeflächen soll einen lebendigen und gut integrierten Standort schaffen. „Viele Menschen in Langel können Dinge des täglichen Bedarfs dann endlich wieder fußläufig oder per Rad besorgen“, erwartet Brings. Für eine bessere Versorgung haben sich seit Jahren auch der Bürgerverein und der Ortsring Langel, vertreten durch Georg Melchers und Klaudia Odenthal, ausgesprochen. Die Fertigstellung der gesamten Anlage ist für Mitte 2028 vorgesehen.