Die Möbelindustrie steckt in der Krise, die Umsätze sinken. Indes will Ikea Billy- und Kallax-Regale billiger machen. Ende Oktober starten die Möbelmessen IDD Cologne und Orgatec in Köln.
Wegen China-ExportenMöbelindustrie fordert Schutzzölle

Köln ist mit mehreren Möbelmessen ein Zentrum der Industrie. Die Branche leidet unter billigen Importen aus Asien.
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Angesichts einer wachsenden Konkurrenz aus China fordert die deutsche Möbelindustrie Schutzzölle von der Europäischen Union. „Wir spüren in Deutschland in der Möbelbranche eine wachsende Importquote, 60 Prozent der Möbel sind aus dem Ausland. Besonders aus China sehen wir eine extreme Steigerung“, sagte Jan Kurth, Geschäftsführer der Verbände der deutschen Möbelindustrie, bei der Jahres-Wirtschaftspressekonferenz in der Messe Köln.
„Beim Blick nach China sollten wir nicht naiv sein: Dort werden Produktion und Export staatlich gelenkt und subventioniert“, sagte der Verbandsgeschäftsführer. Die aktuelle Schwemme von chinesischer Importware sei kein Zufall und unter anderem auf eine massiv unterbewertete chinesische Währung zurückzuführen. Kurth forderte daher auf EU-Ebene „eine Diskussion um die Einführung allgemeiner Schutzzölle“.
Es gebe schon konkrete Gespräche mit Politikern über die Erhebung eines solchen Schutzzolls. Es gehe bei diesen protektionistischen Maßnahmen um die „Sicherung des industriellen Kerns“. Nicht nur Deutschland, auch andere europäische Länder hätten eine bedeutende Möbelwirtschaft, die es zu schützen gelte. Wie die möglichen Schutzzölle gestaltet werden, etwa auf Möbel oder auch auf Vorprodukte, und in welcher Höhe führte Kurth auf Nachfrage nicht näher aus.
Kunden reisen lieber und verschieben Möbelkauf
Steigende Verbraucherpreise und mehr Ausgaben für Freizeit schaden der Möbelbranche: Kunden halten sich beim Möbelkauf zurück. Im ersten Halbjahr erzielten die Möbelhersteller nominal 2,7 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahreszeitraum, wie Kurth unter Berufung auf vorläufige amtliche Zahlen berichtete. Insgesamt lag der Umsatz bei 7,7 Milliarden Euro. Immerhin stiegen die Erlöse bei Küchenmöbeln um ein Prozent.
VDM-Geschäftsführer Jan Kurth verwies auf ein schwieriges Umfeld. Neben steigenden Material-, Energie- und Lohnkosten belaste das weiter schwache Konsumklima die Branche. Ein immer größerer Teil der Kaufkraft fließe in Reisen und Freizeit. Hinzu kämen ein stockender Wohnungsbau und wachsender internationaler Wettbewerbsdruck.
Während der Trend bei Küchen positiv ist, sanken die Umsätze in den übrigen Kategorien, am stärksten bei Polstermöbeln (minus zehn Prozent). Besonders schwach lief das Geschäft auf dem Heimatmarkt, das um 4,1 Prozent schrumpfte. Auch beim Auftragseingang zeigt sich ein geteiltes Bild: Bei Küchenmöbeln wurden zwischen Januar und Juni 0,9 Prozent mehr Aufträge verzeichnet als im Vorjahreszeitraum, bei Polstermöbeln dagegen 10,5 Prozent weniger. Kurth rechnet dieses Jahr nicht mit einer spürbaren Belebung.
„Verbraucher verschieben größere Anschaffungen“
Die Möbelindustrie steckt seit längerem in der Flaute. 2025 sanken die Erlöse zum dritten Mal in Folge auf den niedrigsten Stand seit 2009. Allein zwischen 2023 und 2026 hat die Branche rund ein Fünftel (20 Prozent) ihres Umsatzes eingebüßt. In der Branche wird das auch darauf zurückgeführt, dass Haushalte in der Pandemie Käufe vorzogen und der Bedarf vielerorts gedeckt sei.
„Die Verbraucher kaufen seltener und verschieben größere Anschaffungen“, sagt Philipp Hoog von der Handelsberatung BBE. Hohe Ausgaben für Lebensmittel, Energie und Gesundheit sowie Sorgen vor weiteren Preissteigerungen dämpften die Bereitschaft, Geld für Einrichtung auszugeben. Geopolitische Unsicherheit verstärke die Zurückhaltung. Dabei waren Möbel und Leuchten im Juli sogar minimal günstiger (0,5 Prozent) als ein Jahr zuvor.
Der schwedische Einrichtungskonzern Ikea hat Preissenkungen für mehr als 1500 Produkte in seinen Häusern in Europa angekündigt. „Wir haben uns langfristig dazu verpflichtet, die Preise für unsere Kunden zu senken“, sagte der Chef der Inter Ikea Group, Jakub Jankowski, am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Die Inter Ikea Group - die Holding, unter deren Dach Ikea steht - werde dafür 1,2 Milliarden Euro aufwenden. Die Preise würden ab Dienstag reduziert, darunter für Billy- und Kallax-Regale oder Küchenutensilien.
Ende Oktober finden in Köln die Möbelmessen Orgatec und die IDD Cologne statt. Im Januar folgt die B2B-Messe IMM Cologne.
