Wer exotische Lebensmittel sucht, findet im City-Center Chorweiler bei „Der Schlesier“ eine große Auswahl an Spezialitäten aus Osteuropa.
Geschmack der HeimatPolnische Feinkost in Chorweiler – „Der Schlesier“ bietet Vielfalt aus Polen

„Der Schlesier“ im City-Center ist die älteste Filiale. Inzwischen gibt es fünf weitere.
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Wer gern neue kulinarische Erfahrungen macht, muss diese nicht unbedingt in der Ferne suchen. Auch in der Nachbarschaft gibt es manches zu entdecken. Die polnische Küche etwa bleibt hierzulande oft unter dem Radar, hat jedoch ebenfalls eine enorme Vielfalt zu bieten. Erahnen lässt sich das an den dichtgepackten Regalen von „Der Schlesier“ im City-Center, der eine breite Auswahl an Markenartikeln, Feinkost und Frischwaren aus Polen bietet.
Das Geschäft im Erdgeschoss des Einkaufszentrums, das dort seit 2000 zu finden ist, hat eine eher übersichtliche Ladenfläche, aber das Unternehmen selbst ist in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen: Fünf weitere Filialen gibt es inzwischen in der Region, so etwa in Porz, Solingen, Dormagen, und Leverkusen – der neueste Standort in Troisdorf wurde erst im Frühjahr dieses Jahres eröffnet.
Bulczak schließt Marktlücke für polnische Lebensmittel
Thaddäus Bulczak, der das Geschäft vor 27 Jahren gegründet hatte, hatte damals in der Nachfrage der polnischstämmigen Minderheit nach heimischen Lebensmitteln eine Marktlücke erkannt. „Produkte aus Polen waren in Deutschland lange Zeit schlicht nicht zu bekommen“, sagt er, „etwas wie meinen Laden gab es vorher einfach nicht.“ Die Teilung Europas verhinderte den Handel mit der Heimat lange Zeit, doch mit dem Ende des Ostblocks 1990 öffneten sich auch die Vertriebswege in das Nachbarland. Zusammen mit einem Partner betrieb Bulczak zunächst einen mobilen Verkaufswagen, bevor er sich, nun auf eigene Faust, nach einem Ladenlokal umsah und eines im City-Center fand.
Chorweiler sieht er als dankbares Pflaster, da viele Polnischstämmige hier aus seiner Heimatregion stammen – den Namen „Der Schlesier“ trägt sein Unternehmen nicht nur aus Marketinggründen. „In den 1970er und 1980er Jahren sind viele Menschen aus Oberschlesien ins Ruhrgebiet und nach Köln gezogen“, erinnert er sich. „Und innerhalb Kölns eben vor allem nach Chorweiler.“ Dementsprechend sprach sich sein Geschäft schnell in der polnischsprachigen Community auch über die Stadtgrenzen hinaus herum – die hohe Nachfrage in der weiteren Region ermutigte ihn bald, weitere Filialen in anderen Städten zu eröffnen.
Polnische Wurst und schlesische Spezialitäten
Der Fokus auf schlesische Spezialitäten zeigt sich dem Fachkundigen an der Wursttheke, die das Herzstück des Ladens bildet: Neben Klassikern wie Krakauer sind hier auch „Exoten“ wie Wacholderwurst, Glogauer und Tornauer Wurst, Zywiecwurst und Gospodarska im Angebot. Im Regal auf der gegenüberliegenden Seite finden sich Konserven und vor allem Einmachgläser in allen vorstellbaren Größen. Darin verschiedene Varianten Sauerkraut, eine große Auswahl an eingelegtem Gemüse sowie polnische Suppen und Eintöpfe wie Flaki, Fasolka oder auch Bulczaks Lieblingsgericht Żurek, eine schlesische Sauermehlsuppe.
In einer Tiefkühltruhe werden mehrere Sorten Pieroggen angeboten und direkt daneben findet sich eine Wand polnischer Süßwaren, die man sich wie am Büdchen in Papiertüten abfüllen und die Mischung selbst zusammenstellen kann. Auf dem obersten Regalbord ist schließlich eine Auswahl polnischen Wodkas zu finden, von dem Bulczak allerdings in den vergangenen Jahren deutlich weniger verkauft – was ihn freut: „Das heißt, die Leute trinken nicht mehr so viel, die Jungen übernehmen nicht mehr die Trinkgewohnheiten der Älteren.“
Seine Käuferschaft speist sich nicht nur aus der polnischen Community, auch Menschen aus anderen osteuropäischen Ländern schätzen die Auswahl im „Schlesier“. Gut zehn Prozent seiner Kundschaft sind Deutsche, schätzt Bulczak, doch das Gros bilden immer noch seine Landsleute.
„Polen suchen nach dem Geschmack der alten Heimat, und den findet man einfach nur bei tatsächlich in Polen gefertigten Produkten“, ist Bulczak überzeugt. Er erzählt von einem befreundeten, ebenfalls in Deutschland tätigen Metzger, der versucht hatte, selbst Krakauer Wurst herzustellen. „Er hat sich exakt ans originale polnische Rezept gehalten, aber es ist ihm trotzdem nicht gelungen: Alle, die sie probiert haben, waren der Meinung, dass sie anders schmeckt als in Polen“, sagt Bulczak. Warum das so ist, kann auch er nur vermuten. „In den Lebensmitteln in Deutschland ist einfach so viel Chemie drin, alle möglichen E-Farbstoffe und Ähnliches. In Polen ist Knoblauch unsere Chemie“, meint er und lacht.
Rezept: Barczc (Rote-Beete-Suppe)
Zutaten
1 kg frische Rote Bete
2 Liter Gemüsebrühe
2 Karotten
1 Zwiebel
2–3 Lorbeerblätter
3–4 Pimentkörner
2–3 EL Essig oder Zitronensaft
Frisch gemahlener Pfeffer
Salz, nach Geschmack Zucker
Zubereitung
Rote Bete waschen, schälen, würfeln oder in Streifen schneiden. Karotten schälen und in Scheiben schneiden, die Zwiebeln würfeln. Die Gemüsebrühe in einem großen Topf zum Kochen bringen und anschließend das Gemüse einschließlich der Roten Bete mit Piment und Lorbeerblättern hinzufügen. Bei mittlerer Hitze etwa 45 bis 60 Minuten köcheln lassen, bis die Rote Bete weich ist. Mit Essig, Salz, Pfeffer und evtl. Zucker abschmecken.
