Zum 40. Mal fand in Nettersheim-Zingsheim der Handwerkermarkt statt. Doch die Eifelvereins-Ortsgruppe kämpft mit Personalproblemen.
PersonalproblemeDem Handwerkermarkt in Zingsheim droht das Aus

Die drei von der Bastelgruppe Zingsheim sind Marga Lambertz (v.l.), Johanna Wollenweber und Doro Rosenbaum.
Copyright: Stephan Everling
Wunderbares Wetter, gute Organisation, viele hundert interessierte Besucher und ein angenehmes Ambiente auf der Wiese zwischen der Grundschule, der Turnhalle und dem Kindergarten zeichneten den Handwerkermarkt in Zingsheim aus. Der wurde in diesem Jahr zum 40. Mal veranstaltet. Doch trotz des guten Wetters ziehen über der Veranstaltung dunkle Wolken auf. Martina Breuer, Händlerin aus Dahnen, die zum zweiten Mal mit dabei war, fasste es so zusammen, wie es wohl jeder auf dem Markt unterschreiben würde: „Eine tolle Veranstaltung. Schade, dass es die letzte war.“
Wobei das endgültige Aus noch nicht verkündet ist. Doch Matthias Schmitz, Vorsitzender der Ortsgruppe Zingsheim des Eifelvereins, machte es deutlich. „Wir können es nicht mehr machen. Die Ortsgruppe muss sich dringend verjüngen und braucht einen neuen Vorstand“, sagte er. Seit einiger Zeit suche er bereits nach einem möglichen Nachfolger, doch bisher habe sich noch niemand dazu bereit erklärt. Er werde sich in der nächsten Jahreshauptversammlung auf jeden Fall nicht mehr zur Wahl stellen wollen.
Walter Bergsch ist eines der Zugpferde des Handwerkermarkts
Was nicht ohne Folgen für den Markt bleiben würde. Denn vom ersten Jahr an war der Handwerkermarkt eine Veranstaltung der Zingsheimer Ortsgruppe. Angefangen hat alles im Jahr 1985, als der Verein sein 50-jähriges Bestehen feierte und den Zingsheimern etwas Besonderes bieten wollte. Also lud der damalige Vorsitzende Willi Spelter auf sein Privatgrundstück ein, wo der erste Markt gefeiert wurde. Unter anderem habe Wilma Hermanns selbst gebackenes Steinofenbrot angeboten und Gertrud Nettersheim Handschuhe geknüpft, war damals in der Lokalzeitung zu lesen.

Originelle Dinge aus Holz fertigt Claudia Meyer aus Zingsheim.
Copyright: Stephan Everling

Ein Aufleben der Tradition von Bienenwachstüchern zur Aufbewahrung von Lebensmitteln fördert Martina Breuer aus Dahnen mit ihrem Angebot.
Copyright: Stephan Everling
Bereits im nächsten Jahr wurde der Markt aus Platzgründen auf die Wiese an der Sporthalle verlegt. Als immer mehr Aussteller dazukamen, wurde der Markt auch auf das Außengelände erweitert. Auf Willi Spelter als Organisator folgte Eddy Brenner, und seit 2010 kümmert sich Matthias Schmitz in vorderster Front. Rund 30 Helfer, nicht nur aus Reihen der Ortsgruppe, unterstützten Auf- und Abbau des Marktes.
Eines der Zugpferde war Walter Bergsch, der sein Schreinerhandwerk ohne elektrisches Werkzeug mit alten Handwerkzeugen ausführte. Er zeigte unter anderem, wie mit Beitel und Säge hölzerne Speichenräder angefertigt oder auch ausgebessert werden können. Immer wieder musste er dabei den interessierten Besuchern Rede und Antwort stehen. Schöne Dinge aus Holz, manuell angefertigt, bildeten einen der Schwerpunkte des Marktes. Glatt poliert, mit lustigen Sprüchen oder dekorativen Materialien versehen, wurden sie angeboten. Doch auch Schmuck oder Gartenaccessoires waren zu sehen.
Positiv gestimmte Besucher und viele handgemachte Dinge
Eine eigene Kollektion hat sich Claudia Meyer aus Zingsheim erarbeitet. Sie hatte an ihrem Stand verschiedene Angebote wie ein Tischspiel, bei dem unregelmäßig geschnittene Holzstücke so hoch wie möglich aufeinandergestellt werden müssen. „Wer den höchsten Turm baut, gewinnt“, erklärte sie die Spielregeln. Ein Highlight für Raucher sei aber die hölzerne Zigarettenschachtel, die die Rauchwaren vor dem Zusammendrücken bewahre. Und noch mehr: „Meine Zigarettenschachtel ist hundertprozentig ohne Schockbilder“, pries sie das Objekt augenzwinkernd an.
Mit ihren Bienenwachstüchern hat sich Martina Breuer aus Dahnen ein Geschäft aufgebaut. „Ich habe im Radio einen Beitrag über diese alte Methode gehört, Nahrungsmittel aufzubewahren. Und war fasziniert“, sagte sie. Daher habe sie sich Tücher besorgt und angefangen, diese mit Wachs zu tränken. Ein Verfahren dafür zu entwickeln, sei aufwendig gewesen. In Packungen zu mehreren Tüchern in unterschiedlichen Größen standen die Waren zum Verkauf bereit. „Der Markt ist supertoll, die Besucher sind immer positiv gestimmt“, lobte auch sie.
Interessant fand auch ein Ehepaar, das aus Hümmel gekommen war, den Markt. „Ich finde es schön, dass hier so viele handgemachte Dinge zu finden sind“, sagte der Mann. Sie seien länger nicht mehr hier gewesen, hätten sich aber jetzt noch mal zu einem Besuch entschlossen.
