Abo

Intensiver Hitzesommer162 Flächen-, Wald- und Vegetationsbrände im Kreis Euskirchen

5 min
Das Bild zeigt Feuerwehrleute, die ein Feuer in einem Wald bekämpfen.

Einsatzkräfte kämpfen oft nicht nur gegen die Flammen, sondern auch mit dem Hitzestau in ihrer Schutzkleidung.

Die Hitze im Sommer stellte nicht nur die Feuerwehren im Kreis Euskirchen vor Herausforderungen - auch die medizinische Versorgung kam an ihr Limit.

Die Bilanz des Sommers fällt deutlich aus: Zwischen Januar und Ende August mussten die Feuerwehren im Kreis Euskirchen 162 Wald-, Flächen- und Vegetationsbrände bekämpfen. Allein 90 dieser Einsätze entfielen auf die Monate Juli und August.

Gleichzeitig meldeten die Krankenhäuser während der Hitzewelle Ende Juni erheblich mehr Patienten in ihren Notaufnahmen. Besonders häufig betroffen waren ältere Menschen. Das geht aus einer Stellungnahme der Kreisverwaltung zu einem gemeinsamen Antrag von CDU und SPD hervor. Die Fraktionen hatten ein Lagebild zum Hitzeschutz und zur Waldbrandvorsorge angefordert.

Die Brände

Nach Angaben der Kreisverwaltung registrierten die Feuerwehren 145 kleinere Flächen- und Vegetationsbrände mit einer Größe von bis zu 200 Quadratmetern sowie acht größere Feuer. Hinzu kamen sieben Waldbrände und zwei brennende Strohmieten. Der größte Flächenbrand erfasste rund vier Hektar, der größte Waldbrand etwa zwei Hektar. Für die 162 Einsätze wurden insgesamt 1351 Einsatzmittel alarmiert.

Darüber hinaus unterstützten Kräfte aus dem Kreis Euskirchen Feuerwehren im Rhein-Sieg-Kreis und im Kreis Düren. Beim mehrtägigen Waldbrand im Hürtgenwald waren unter anderem Löschzüge, Großtankfahrzeuge, Katastrophenschutzeinheiten, das Technische Hilfswerk sowie der in Mechernich stationierte Wasserförderzug des Landes im Einsatz.

Geeignete Schutzkleidung

Auch die Belastung der Einsatzkräfte rückte in den Fokus. Bei nahezu allen größeren Bränden habe es Feuerwehrleute gegeben, die unter Hitzeerschöpfung oder einem Hitzekollaps litten. Die Verwaltung hält deshalb leichte, speziell für Vegetationsbrände geeignete Schutzkleidung für erforderlich.

Geländegängige Fahrzeuge, Löschrucksäcke, Feuerpatschen und spezielles Waldbrandwerkzeug sollen ebenfalls an Bedeutung gewinnen.

Spezialausrüstung kommt

Das bestehende kreisweite Waldbrandkonzept befindet sich noch in der Umsetzung. Ein neuer Abrollbehälter mit Spezialausrüstung soll Ende September oder Anfang Oktober ausgeliefert werden.

Die dafür vorgesehene Kreiseinheit besteht aus Modulen für Brandbekämpfung, Wasserversorgung, Wassertransport und Wasserdepots. Dazu gehören unter anderem Tankfahrzeuge, mobile Faltbehälter und Großtankwagen. Drei weitere Abrollbehälter für Trink- und Löschwasser befinden sich in der Beschaffung.

Die Erfahrungen

Die großen Einsätze im Juli und August werden derzeit vom Kreisfeuerwehrverband und der Kreisverwaltung ausgewertet. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass feste Sammelräume für die Einsatzmodule eingerichtet und weitere Bereitstellungsflächen für lang andauernde Einsätze festgelegt werden sollen. Auch die Zusammenarbeit mit Landwirten, Speditionen, Logistikunternehmen und Maschinenverleihern soll verbindlicher geregelt werden. Dabei geht es unter anderem um Kommunikation, Versicherungsschutz und Kostenübernahmen.

Die Pläne

Auf den Prüfstand kommt zudem die technische Ausstattung. Der Kreis soll untersuchen, ob zwei hochgeländegängige Waldbrand-Tanklöschfahrzeuge angeschafft werden. Ein moderner Einsatzleitwagen und ein geländegängiger Gerätewagen für Informations- und Kommunikationstechnik befinden sich bereits in der Beschaffung.

Eine zentrale Rolle spielen Drohnen und Luftbilder. Sie ermöglichen es, Brandgrenzen, Ausbreitungsrichtungen und gefährdete Siedlungen frühzeitig zu erkennen. Bei Bränden in schwer zugänglichem Gelände können Hubschrauber oder Löschflugzeuge eingesetzt werden. Fliegen Hubschrauber über dem Einsatzgebiet, dürfen Drohnen wegen der Kollisionsgefahr allerdings nicht gleichzeitig aufsteigen.

Hitzewelle im Juni belastete medizinische Versorgung

Handlungsbedarf sieht die Verwaltung nicht nur beim Brandschutz. Die Hitzewelle Ende Juni habe auch die medizinische Versorgung zeitweise stark belastet. Das Marien-Hospital Euskirchen berichtete laut Kreisverwaltung über eine deutlich höhere Auslastung seiner Zentralen Notaufnahme und mehr hitzebedingte Erkrankungen.

Auch das Kreiskrankenhaus Mechernich verzeichnete ein erheblich gestiegenes Patientenaufkommen. Behandelt wurden sowohl direkte Folgen der Hitze als auch Verschlechterungen bestehender Erkrankungen. Zeitweise führten die vielen Einlieferungen durch den Rettungsdienst zu Verzögerungen. Weniger dringende Fälle mussten länger warten. Die Belastungsspitzen konnten laut Verwaltung jedoch jeweils zeitnah bewältigt werden.

Die Hitzewarnungen

Im Sommer 2026 galt im Kreis erstmals über mehrere Tage eine Hitzewarnung der Stufe zwei des Deutschen Wetterdienstes. Diese wird bei einer gefühlten Temperatur von mindestens 38 Grad ausgesprochen. Nach Einschätzung des Gesundheitsamtes ist das Gesundheitssystem bislang nicht ausreichend auf länger andauernde und intensivere Hitzeperioden eingestellt.

Schon heute seien während sommerlicher Hitze mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Fälle von Flüssigkeitsmangel festzustellen, vor allem bei älteren Menschen. Zusätzliche Probleme bereiten Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt und sich der Körper nicht ausreichend erholen kann. Die Zahl solcher Nächte könnte nach Angaben der Verwaltung von derzeit bis zu fünf auf bis zu 20 im Jahr 2100 steigen.

Der Hitzeaktionsplan

Eine erste Fassung des Hitzeaktionsplans für den Kreis Euskirchen und seine Kommunen ist mittlerweile fertiggestellt und soll auf der Internetseite des Kreises veröffentlicht werden. Der Plan versteht sich als fortlaufend zu aktualisierendes Dokument. Eine überarbeitete Version 2.0 ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen.

Zu den ersten konkreten Maßnahmen gehören sogenannte Hitzewarner. Die Aufkleber besitzen eine temperaturempfindliche Folie, die sich bei einer Raumtemperatur von mindestens 28 Grad von Schwarz zu Rot verfärbt und den Hinweis „Achtung Hitze“ zeigt. Sie sollen möglichst in öffentlichen Gebäuden und ambulanten Pflegeeinrichtungen angebracht werden. Gedacht sind sie vor allem für ältere, alleinlebende Menschen und Kinder, aber auch für Pflegekräfte und Beschäftigte.

Das Hitze-Info-Portal

Auch bei der Risikokommunikation geht der Kreis neue Wege. Es gibt ein neues Hitze-Info-Portal auf der Internetseite des Kreises sowie Informationsveranstaltungen und Schulungen des Gesundheitsamtes. Mitarbeitende von Pflege- und Betreuungseinrichtungen sollen dabei zu Multiplikatoren ausgebildet werden. Gemeinsam mit Einrichtungen wird an einem leicht verständlichen Informationsangebot für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung gearbeitet.

Bei akuten Warnlagen will der Kreis über Facebook und Instagram, Radio Euskirchen und Radio 700 sowie über Bildschirme im öffentlichen Nahverkehr und im Kreishaus informieren. Die Erfahrungen dieses Sommers sollen nun in eine ämterübergreifende Prioritätenliste einfließen. Erste Maßnahmen sollen im Sommer 2027 greifen. Langfristig geht es um Verschattung und Begrünung von Gebäuden.