Bislang konnte nur eine Pandemie das Kneipenfestival Nightgroove in Euskirchen aufhalten. 2020 und 2021 war es wegen der strengen Corona-Auflagen nicht möglich, zur beginnenden Virenzeit auf engstem Raum mit anderen Party zu machen. Doch jetzt zieht Veranstalter Michael Barkhausen aus anderen Gründen den Stecker: Der Nightgroove 2026, der am 7. November stattfinden sollte, ist abgesagt. Die 20. Auflage, die im vergangenen Jahr gefeiert wurde, soll aber nicht die letzte gewesen sein.
Ein Festival mit simplem Motto
Rückblick ins Jahr 2004: Erstmals findet in Euskirchen das Kneipenfestival Nightgroove statt. 3000 Musikfans strömen von Spielstätte zu Spielstätte. Das Motto ist und bleibt simpel: Einmal wird gezahlt, dann kommt man überall rein. Wenn der Platz in den Kneipen, Bistros und Cafés es zulässt. Wichtig auch: Es war für jeden Geschmack was dabei, von Rock und Pop über Blues und Beat bis hin zu Samba und anderen Klängen. Abwechslung garantierten also nicht nur die Künstler, sondern auch die Örtlichkeiten: Vom großen City-Forum über das Park-Café Kramer bis hin zum Bistro Mario.
Pandemie und Flut haben Euskirchen verändert
Schon allein an dieser Aufzählung wird klar, woran es in Euskirchen hapert: Alle drei genannten Spielstätten gibt es nicht mehr. Denn es gab nicht nur die pandemiebedingte Pause 2020 und 2021. Im Juli 2021 kam auch die Flutkatastrophe. Beides zusammen hat Euskirchen nachhaltig verändert.
Wegbrechende Kneipenkultur
„Das ist ein grundsätzliches strukturelles Problem. Wir haben nicht mehr die Möglichkeiten, weiterzumachen“, sagt Nightgroove-Chef Michael Barkhausen. Die lokale Kneipenkultur breche weg, nicht nur in Euskirchen. Für die Kreisstadt zählt er auf: „Das City-Forum, das Haus Grober, das Basta, da ist einiges an Spielstätten weggefallen und nicht mehr ausgeglichen worden.“ Und auch die Gastronomie an sich habe sich verändert. Es gebe immer mehr reine Speisegastronomie.
Steigende Kosten, sinkende Gästezahlen und Sponsoren
Hinzu kämen ständig steigende Kosten. Um 50 Prozent seien diese seit der Pandemie gestiegen. Und auch der Vorverkauf sei immer schleppender gelaufen; Gäste entschieden sich seit der Pandemie gerne spontan. Das Risiko, nur auf die Abendkasse zu setzen, sei groß. Wenn dann das Wetter nicht mitspiele, blieben die Leute zu Hause.
Generell seien die Gästezahlen rückläufig. „Eigentlich müssten wir die Eintrittspreise von 20 auf 30 Euro erhöhen. Aber die Freizeitbudgets werden immer kleiner“, so Barkhausen. Und die Besucher kommen ja nicht allein, sondern oft sind es Paare, und die wollten ja auch noch etwas trinken oder essen. Die Kosten abgedeckt hatten bislang die Sponsoren. Doch auch bei denen sitzt das Geld nicht mehr so locker. Zwar seien in Euskirchen einige Unterstützer sehr treu. Dafür sei die Getränkeindustrie als Geldgeber komplett weggebrochen.
Das Publikum altert mit
Auffallend für Barkhausen: Zwar habe der Nightgroove über die Jahre eine Fanbasis gewonnen. Aber es kommt kein jüngeres Publikum nach. Die Besucher sind mit der Veranstaltung, die 2004 zum ersten Mal in Euskirchen stattfand, gealtert. Den Anschluss an die neue Publikumsgeneration zu finden, sei eine Herausforderung. Der Anschluss von Euskirchen an die Bahn nach Köln (wenn sie denn am Wochenende fährt) sei Fluch und Segen zugleich, weil es die jüngeren Leute eher nach Köln ziehe als nach Euskirchen.
Aufgeben kommt für den Veranstalter nicht infrage
Aber aufgeben will Michael Barkhausen den Nightgroove nicht. Im November will er sich mit der Euskirchener Verwaltung und dem Stadtmarketingverein zusammensetzen. Eine Minimallösung soll es nicht geben. „Das ist nicht das, was den Nightgroove ausmacht“, sagt der Veranstalter. Und er ist guter Dinge, dass es weitergehen wird. Das Interesse sei schließlich noch vorhanden. Und Michael Barkhausen ist davon überzeugt: „Solche Veranstaltungen halten eine Stadt lebendig.“
Alternativprogramm: Casino-Night mit zwei Bands
Ganz ohne Livemusik soll es am Samstag, 7. November, dann doch nicht bleiben. Deshalb hat der Vorstand des Kultur- und Fördervereins Casino die Idee, ab 19.30 Uhr eine Casino-Night zu veranstalten. Musikalische Gäste sind die Blue Mary Big Band und ZetB. Die Big Band hat ein Coverprogramm mit Klassikern aus Soul, Rock und Swing zusammengestellt, das die ganze Bandbreite ihres Könnens zeigen soll. Das Beste aus der Rockmusik präsentiert anschließend die seit 1994 existierende Band ZetB.
Beide Formationen unterstützen sich musikalisch
Das Besondere an diesem Abend: Beide Formationen werden sich musikalisch unterstützen. Einzelne Musikerinnen und Musiker werden bei den Auftritten der jeweils anderen Gruppe mitwirken. „Damit wird der Abend zugleich zu einem gemeinsamen Projekt zweier Bands, die auf unterschiedliche Weise für die Vielfalt und Qualität der Euskirchener Musikszene stehen“, heißt es vonseiten des Casino-Vereins. Das passe auch zur Botschaft der Veranstaltung: Auch wenn Nightgroove in diesem Jahr pausiert, ist die Musik in Euskirchen alles andere als verstummt. Man wolle zeigen, wie viel musikalisches Potenzial in der Region stecke.
Preise, Einlass und Vorverkauf
Damit möglichst viele Musikbegeisterte dabei sein können, haben die Veranstalter die Eintrittspreise bewusst niedrig gehalten. Karten kosten im Vorverkauf zwölf Euro, an der Abendkasse 15 Euro. Kinder bis einschließlich 13 Jahre haben freien Eintritt. Einlass ins Alte Casino (Kaplan-Kellermann-Straße 1) ist um 18.30 Uhr. Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf beim SVE-Kundencenter in Euskirchen, in der Leserei in Bad Münstereifel, beim Casinoverein sowie online über Ticket Regional.
www.ticket-regional.de/
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