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KonjunkturberichtUnternehmen im Kreis Euskirchen sind wenig optimistisch

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Auf der Baustelle eines großen Gebäudes sind Arbeiter unterwegs.

In der Baubranche sieht es derzeit noch etwas besser aus als in anderen Branchen. Allerdings fürchten die Unternehmen auch hier schlechtere Zeiten.

Der Trend geht weiter abwärts. Der Konjunkturbericht der IHK spiegelt eine düstere Stimmung bei den Unternehmen im Kreis Euskirchen wider.   

Nicht immer ist das, was nach einer guten Nachricht klingt, auch wirklich positiv. Der Fachkräftemangel ist nicht mehr das größte Problem der Unternehmen. Aber nicht, weil plötzlich von irgendwoher die hoch qualifizierten Arbeitnehmer aufgetaucht wären, sondern weil die Arbeitslosenquote so hoch ist wie seit 2016 nicht mehr. Das ist eine der Erkenntnisse aus dem Konjunkturbericht, den die IHK Aachen vorgelegt hat. Dafür hat sie mehr als 1000 Unternehmen aus dem Kreis Euskirchen, der Städteregion Aachen und den Kreisen Düren und Heinsberg befragt. 361 haben geantwortet, das entspricht einer Rücklaufquote von 35 Prozent.

Wie sieht es aktuell aus?

Die Konjunktur verharrt im Dauertief, vermeldet die IHK. Im Vergleich zu den schon negativen Ergebnissen der Herbstumfrage ist es noch mal bergab gegangen. 25 Prozent der Befragten sind mit der Geschäftslage zufrieden, 28 Prozent berichten von schlechten Geschäften. Das ergibt einen Saldo vom -3 Punkten. Zum Vergleich: Der langjährige Durchschnitt lag bei +22,6 Punkten.

Wie sind die Erwartungen?

Schon seit vier Jahren liegt der Saldo der Geschäftserwartungen nicht mehr im positiven Bereich. Ein Fünftel der Befragten rechnet mit besseren Geschäften, ebenso viele erwarten eine Verschlechterung. Die meisten gehen davon aus, dass alles bleibt, wie es ist: nämlich auf niedrigem Niveau. Nur bei der Industrie sind die Erwartungen zum dritten Mal in Folge gestiegen. 

Wie sieht es mit den Erträgen aus?

Knapp gesagt: schlecht. Seit die Erträge erfasst werden – also seit 1997 – gab es noch nie eine so lange Durststrecke. Der Saldo ist zum elften Mal in Folge negativ. 25 Prozent der Unternehmen melden sinkende Erträge, nur 18 Prozent steigende. Entsprechend will nur ein Fünftel mehr als bisher investieren, etwas mehr plant Kürzungen. 

Welche Auswirkungen hat der Mindestlohn?

Laut IHK belasten die Arbeitskosten die Wirtschaft immer mehr. 59 Prozent der Befragten sehen darin das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung. Genauso groß ist die Sorge, dass die Inlandsnachfrage nachlassen könnte. 56 Prozent der befragten Unternehmen nennen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als zentrales Risiko.

Geht es denn auch irgendwo aufwärts?

Tatsächlich. Die Lage im Baugewerbe hat sich verbessert. 44 Prozent der Befragten melden gute Geschäfte, 15 Prozent schlechte. Allerdings sind die Aussichten schlecht. Nur 5 Prozent rechnen für die kommenden Monate mit besseren Geschäften, 30 Prozent mit schlechteren. 20 Prozent der Firmen haben Kurzarbeit angemeldet, was allerdings teilweise auch am Wetter liegt.

Wie ist die Lage im Kreis Euskirchen?

Mindestens durchwachsen. Jedenfalls hat sich die Lage nach Einschätzung der Betriebe seit dem vergangenen Herbst weiter verschlechtert. Die Unternehmen im Kreis Euskirchen machen ungefähr ein Fünftel der Firmen im Kammerbezirk aus. 26 Prozent sind mit ihrer Geschäftslage zufrieden, 38 Prozent nicht – auch hier ein deutlich negativer Saldo. Immerhin: Die Mehrzahl der Befragten rechnet mit einer positiven Entwicklung. 24 Prozent prognostizieren bessere Geschäfte in den kommenden Monaten, 19 Prozent sind skeptisch.


Geschäftsführer der IHK übt scharfe Kritik an der Bundesregierung

„Wo ist der wirtschaftspolitische Kompass dieser Bundesregierung?“, fragt Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen mit Blick auf die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage. Das Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz sei seit neun Monaten im Amt und habe noch keine substanziellen wirtschaftspolitischen Impulse gesetzt, lautet seine deutliche Kritik an der aktuellen Regierungskoalition. In die gleiche Kerbe schlägt Stefan Kehr, Vorsitzender des IHK-Ausschusses für Industrie und Technologie: „Wir brauchen eine Haltung für die Wirtschaft, nicht gegen die Wirtschaft.“

Die Standortbedingungen für die deutschen Unternehmen müssten wettbewerbsfähig gestaltet werden. Seine Forderungen: deutlich weniger Bürokratie, schnellere Abläufe und Genehmigungen in der Verwaltung sowie verlässliche Entscheidungen in der Energie- und Steuerpolitik. Auch wenn bei der Industrie die Geschäftserwartungen zum dritten Mal in Folge gestiegen seien, könne man noch nicht sagen, ob aus dem kleinen Lichtblick ein handfester Aufschwung werde.

Dazu brauche es Veränderungswillen im Land. Das, was bislang aus Berlin komme, sei entschieden zu wenig, kritisiert Kehr: „Es ist wirtschaftlich und fiskalisch verantwortungslos und damit auch nicht generationengerecht.“ Michael F. Bayer sagt: „Die Zeit der Ankündigungen muss ein Ende haben, unsere Wirtschaft braucht jetzt endlich Taten.“