Es wird jetzt ein bisschen unappetitlich, aber das bringt das Thema leider mit sich. Wer also jetzt nichts über Hundekot lesen möchte, sollte schnell weiterblättern. Ganz am Thema vorbei kommt man aber auch damit nicht, denn dafür ist das Problem viel zu offensichtlich. Mehr als zehn Millionen Hunde gibt es aktuell in Deutschland. Der Industrieverband Heimtierbedarf schätzt, dass in etwa jedem fünften Haushalt mindestens ein Hund lebt.
Problematisch sind mitunter die Hinterlassenschaften dieser Tiere – das weiß jeder, der schon einmal in einen Hundehaufen getreten ist. Obwohl sich auch in diesem Fall das eigentliche Problem am anderen Ende der Hundeleine befindet, nämlich beim Halter, der das Häufchen nicht vom Trottoir entfernt. Womit wir wieder beim Industrieverband Heimtierbedarf wären, denn der Fachhandel bietet bereits seit Ende der 80er-Jahre entsprechende Kunststofftütchen an, mit denen Herrchen und Frauchen das Corpus Delicti der fachgerechten Entsorgung zuführen können.
Beutel im Gebüsch und im Gully
„Und die besteht nicht darin, das gefüllte Tütchen einfach ins Gebüsch zu schmeißen“, macht Alexander Eskes, Erster Beigeordneter der Gemeinde Weilerswist, deutlich. Auch der Dahlemer Bürgermeister Jan Lembach beklagt, dass einzelne Hundebesitzer volle Beutel nicht mit nach Hause nehmen oder sie in öffentliche Mülleimer werfen, sondern sie in Gullis, öffentlichen Grünflächen, an Wegrändern und Seitengräben deponieren. „Das muss dann von unseren Mitarbeitern des Bauhofs entsorgt werden“, so Lembach.
Auch in den übrigen Kommunen im Kreis nehmen Klagen über die unsachgemäße Kotbeutelentsorgung zu. „Erst vergangene Woche habe ich meinen Kollegen Roland Manstein vom Bauhof bei der täglichen Runde zur Ortsreinigung begleitet, um mir ein Bild zu machen“, berichtet der Kaller Bürgermeister Emmanuel Kunz. Dazu gehöre es auch, die 24 Dogstations im Gemeindegebiet zu leeren. Gemeint sind Kotbeutelspender mit integriertem Sammelbehälter, wie sie inzwischen in nahezu allen Kommunen zu finden sind.
Mechernich: Spender sind keine Selbstbedienung
In der Stadt Mechernich hat die Verwaltung jetzt festgestellt, dass sich viele Hundehalter bei der Versorgung mit Kotbeuteln auf das Angebot der Stadt verlassen. „Es zeigt sich zunehmend, dass mit dem Angebot bisweilen eine Erwartung verbunden wird, die über den eigentlichen Zweck hinausgeht“, sagt der zuständige Fachbereichsleiter Mario Dittmann. Die Dogstations seien als Unterstützung für den konkreten Bedarf unterwegs gedacht: also für den Fall, dass einmal kein eigener Beutel zur Hand ist. Sie seien hingegen nicht als Selbstbedienungsangebot gedacht, von dem ein größerer Vorrat für zu Hause mitgenommen werden solle.

Mechernich betreibt 110 Spender.
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Eine Praxis, die auch in den übrigen Städten und Gemeinden im Kreis verbreitet zu sein scheint, wenn man auf die Zahlen schaut. In der Gemeinde Kall werden rund 75.000 Beutel pro Jahr ausgegeben. Deutlich weniger sind es im benachbarten Nettersheim, wo aber auch nur insgesamt fünf Spender in den beiden Hauptorten stehen. In Bad Münstereifel, wo es nur in der Kernstadt Dogstations gibt, liegt der Verbrauch bei 50.000 Stück, genauso viele, wie an den 30 Stationen der Gemeinde Dahlem abgegeben werden. An den zehn Stationen im Zülpicher Stadtgebiet liegt der Jahresverbrauch bei rund 60.000 Beuteln.
Andernorts fallen die Zahlen bedeutend größer aus: Rund 316.000 sind es an den 110 Stationen in der Stadt Mechernich, 325.000 in Weilerswist, Euskirchen kommt sogar auf einen Jahresverbrauch von 800.000 Beuteln, die allein mit rund 7000 Euro zu Buche schlagen.
Hohe Kosten für Leerung und Ersatz
Noch deutlich höher sind die Kosten für die Leerung der Kotbeutel-Sammelbehälter: „Im ganzen Stadtgebiet gibt es 37 Dog-Stationen. Die Entsorgung durch einen Dienstleister kostet im Jahr 25.200 Euro“, teilt die Euskirchener Stadtverwaltung mit. Zu diesen Kosten kommen noch die für den Ersatz wegen Vandalismus. Im Schnitt, so die Stadt weiter, müssen drei Dog-Stationen à 1000 Euro pro Jahr ersetzt werden.
Kosten, die nicht automatisch über die Hundesteuer gedeckt sind, denn diese sei als sogenannte Aufwandsteuer rechtlich nicht zweckgebunden, so die Stadt Mechernich: „Die Einnahmen fließen in den allgemeinen städtischen Haushalt und stehen damit für sämtliche kommunalen Aufgaben zur Verfügung.“ Die Hundesteuer sei also keine Gebühr, aus der sich ein Anspruch auf eine bestimmte Gegenleistung ableiten lasse, „etwa auf jederzeit verfügbare kostenlose Kotbeutel“. (thw)

