Eine wahre Odyssee liegt hinter der kleinen Lotte. Die Dackelmischlingshündin war im Stadtteil Heimersheim der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler entlaufen. Vier Wochen war die einjährige Hündin insgesamt unterwegs und legte auf ihrer Flucht Hunderte Kilometer zurück. Schließlich gelang es der Hundesuchhilfe „Saving Paws Vulkaneifel, Südeifel und Umgebung“, Lotte sicher einzufangen. Hunderte Kilometer von ihrem Zuhause entfernt, im belgischen St. Vith, endete die Suche. Es seien Wochen voller Gefahren, Angst, Ungewissheit und Strapazen gewesen, teilt „Saving Paws“ mit. Unterstützt wurde das Team von der Hundesuchhilfe Eifel in Monschau sowie aus Eupen.
Lottes Route durch Eifel und Ostbelgien
Lottes Weg führte unter anderem über Adenau und Barweiler sowie durch den Kreis Euskirchen mit Freilingen und Blankenheim. Weiter ging es über Büllingen, Mont Rigi, Malmedy, Weismes und einige weitere Orte. Als „Saving Paws“ nach drei Wochen eingeschaltet wurde, befand sich die Hündin bereits im belgischen Büllingen. Die für den Vierbeiner lebensbedrohliche Situation sollte endlich beendet werden. Die Hündin war immer wieder an Kreisverkehren gesehen worden, teilt Carina Niesen, Leiterin von „Saving Paws“, mit. Sogar auf einer belgischen Autobahn bei St. Vith sei sie gesehen worden, so Niesen: „Das ist nicht nur für den Hund gefährlich.“
Scheue Angsthündin mit ungewöhnlichen Methoden gesucht
Die lauffreudige, aber auch scheue Angsthündin machte es den Spezialisten nicht leicht. Eine Woche lang war die Hundesuchhilfe im Einsatz. Die schlaue Lotte erwies sich auf ihrer Odyssee zudem als äußerst misstrauisch und störempfindlich, betont der Verein. Das Team griff zu ungewöhnlichen Strategien: Es stellte „Mülleimer-Futterstellen“ auf, die wie entsorgte und zufällig gefundene Essensreste aussahen, darunter Pommes und Bratwurst. Über Livekameras ließen sich die Stellen beobachten. Doch die flinke Hündin machte sich schnell wieder auf den Weg. Mithilfe von Online-Aufrufen und Netzwerkarbeit seien zahlreiche Sichtungsmeldungen eingegangen, teilt der Verein weiter mit. Auf einem Firmengelände in St. Vith sollte die Reise nach Hunderten Kilometern schließlich enden.
Döner und „lange Liesel“: So landete Lotte in der Falle

Die Dackelmischlingshündin.
Copyright: Saving Paws
Dem Team war jedoch klar, dass klassische Lockmittel und Einfangversuche bei Lotte nicht ausreichen würden. Neben fünf Livekameras kam erstmals eine große, moderne Lebendfalle zum Einsatz. Wegen ihrer Länge von 2,30 Meter werde sie liebevoll „lange Liesel“ genannt. Das Lockmittel: frisch gebratener Döner. Da konnte die Hündin nicht widerstehen. Nur wenige Stunden später tauchte sie auf den Kameras auf. Der Döner lockte sie zielsicher in die Falle, und hinter ihr schloss sich dank Lichtschranke die Tür. „Als wir über die Livecams sahen, dass sie buchstäblich in der Falle saß, war das ein unbeschreiblicher Moment. Und genau für solche Augenblicke machen wir diese Arbeit: damit die Hunde ihre gefährliche Reise beenden und wieder in Sicherheit kommen“, so Niesen.
Geduld, Ausdauer und Erfahrung als Schlüssel
„Wenn ein Hund wie Lotte entläuft, so große Strecken zurücklegt und über Wochen nicht gesichert werden kann, ist das für alle Beteiligten eine große Belastung“, betont sie. Dem Team sei es wichtig gewesen, nichts zu überstürzen und einen Weg zu finden, Lotte unbeschadet zu sichern. Der Verein resümiert: Die Geschichte zeige, wie viel Geduld, Ausdauer und Erfahrung es braucht, um einen entlaufenen Hund wieder in Sicherheit zu bringen. „Angst und Misstrauen beim Hund sowie eine falsche Vorgehensweise bei Sicherungsversuchen können dazu führen, dass der Hund immer weiter flüchtet und sich einer direkten Annäherung entzieht.“
Ein Zuhause für immer in Bad Kreuznach
In Heimersheim sollte Lotte eigentlich vermittelt werden. Der Hund sei jedoch nach ein paar Stunden weggelaufen, so Niesen. Einen neuen Vermittlungsversuch wird es nach Angaben der Hundesuchhilfe nicht geben. Die ehemalige Pflegestelle in Bad Kreuznach soll ein Zuhause für immer sein. Noch in derselben Nacht wurde die Hündin dorthin gebracht. Die Freude sei auf beiden Seiten groß gewesen, betont der Verein. Bei allen Beteiligten seien Freudentränen geflossen. Der Hund habe sich in die Arme seines nun „Für-immer-Papas“ gestürzt, berichtet Niesen. „Das war herzergreifend. Gigantisch.“ Inzwischen weiche sie ihrem Herrchen nicht mehr von der Seite, berichtet die Leiterin weiter. „Ihr geht es super.“ Die Hundehilfe ist ein gemeinnütziger Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, entlaufene Hunde wieder nach Hause zu bringen. (eva)

