In der Katzenauffangstation in Kuchenheim ist ein Wohnhaus zum Paradies für Vierbeiner geworden. Auch in den Tierheimen in Mechernich und Kall ist viel zu tun.
Auffangstation für besondere TiereIn Kuchenheim bekommen Katzen eine zweite Chance

In Kuchenheim werden pro Jahr rund 350 Katzen gepflegt und betreut.
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Greta hat ihren ganz eigenen Gang. Wenn sie losläuft, schwankt ihr Körper, die Beine scheinen nicht immer genau das zu machen, was sie sollen. Sicher sieht das nicht aus. Für Greta allerdings ist es normal. Sie hat Ataxie. Eine neurologische Störung sorgt dafür, dass die Katze nicht in der Lage ist, ihre Bewegungen richtig zu koordinieren. Bei Katzen kann beispielsweise eine Infektion des Muttertiers während der Trächtigkeit die Ursache sein. Greta wird ihr Wackeln nicht mehr loswerden.
Die Kuchenheimerin Brigitte Harnack wird Greta vermutlich ebenfalls nicht mehr loswerden. Wobei „loswerden“ ohnehin das falsche Wort ist. Denn Katzen wie Greta sind genau jene Tiere, bei denen aus einer Auffangstation irgendwann ein dauerhaftes Zuhause wird. Eine Vermittlung wäre theoretisch denkbar, praktisch sind die Anforderungen aber hoch. Ein geeigneter Mensch müsste mit der Behinderung umgehen können und einen entsprechend gesicherten Außenbereich bieten. Also bleibt Greta in der Obhut des Vereins Tierschutz Euskirchen.
Aus einem Wohnhaus ist ein Paradies für Katzen geworden
Hinter einer der Türen im Katzenhaus in Kuchenheim leben Tiere, die mit Artgenossen nicht zurechtkommen. Andere sind aus den unterschiedlichsten Gründen abgegeben worden. Wieder andere sind eingefangen worden, weil sie keinen Besitzer haben. Und dann sind da noch die, die reflexartig ein „Oh, wie süß“ hervorrufen.
Wer vor dem Gebäude steht, würde kaum vermuten, was sich dahinter verbirgt. Die Katzenauffangstation des Tierschutz Euskirchen ist kein Tierheim. Sie befindet sich seit 2009 in einem Wohngebiet und wird von der Stadt geduldet.

Katzenauffangstation in Kuchenheim. Die 70-jährige Brigitte Harnack kümmert sich täglich um gut 20 Katzen. Dazu gehört auch die dreibeinige Katze „Captain Hook“.
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Wird nicht vermittelt: die gehandicapte Greta.
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In der Katzenauffangstation in Kuchenheim dreht sich alles um Vierbeiner.
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Harnack selbst lebt mit ihrem Mann im Anbau. Den größten Teil des Gebäudes hat sie den Tieren überlassen. Rund 20 Katzen können sich gleichzeitig im Haupthaus befinden. Hinzu kommen etwa 60 Tiere auf Pflegestellen. Mit weiteren Dauerpflegefällen nähert sich die Zahl der Katzen, für die der Verein gleichzeitig verantwortlich ist, zeitweise der 100er-Marke.
Im Laufe eines Jahres kommen rund 350 Tiere zusammen. Und jedes einzelne beginnt erst einmal in Quarantäne. Neuankömmlinge werden entfloht, entwurmt und tierärztlich untersucht. Erst wenn gesundheitlich alles abgeklärt ist, geht es weiter – in eines der Katzenzimmer oder zu einer Pflegestelle.
Etwa drei Viertel der Tiere, die beim Verein landen, sind keine eingefangenen Straßenkatzen, sondern Abgabetiere. Die Gründe dafür sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie bringen. Allergien gehören dazu, Umzüge, finanzielle Schwierigkeiten oder der Tod eines Besitzers. Manchmal ändern sich Lebensumstände so grundlegend, dass für die Katze kein Platz mehr zu sein scheint.
Katzen werden nicht automatisch vermittelt
Daneben organisiert der Verein Fangaktionen unter anderem in Euskirchen, Zülpich und Weilerswist. Bei verwilderten Katzen bedeutet Tierschutz allerdings nicht automatisch Vermittlung. Die Tiere werden eingefangen, kastriert und medizinisch versorgt. Bleiben sie scheu und sind an ein Leben draußen gewöhnt, werden sie laut Harnack anschließend an kontrollierten Futterstellen wieder ausgesetzt. Zeigt sich dagegen, dass eine vermeintlich wilde Katze durchaus den Kontakt zum Menschen sucht, beginnt die Suche nach einem Zuhause.
Und das muss passen. Gerade bei jungen Katzen hat der Verein klare Vorstellungen. „Sie sollen möglichst nicht alleine vermittelt werden. Zwei junge Tiere können miteinander spielen, raufen und lernen“, erklärt Harnack. Auch die Aussicht auf späteren Freigang spiele bei der Vermittlung eine Rolle. Reine Wohnungshaltung ist der Katzen-Expertin zufolge nicht für jede Katze die richtige Lösung und kann zu Verhaltensproblemen führen.
Alle Kommentare bei Social Media ignoriere ich.
Dabei erlebt Harnack immer wieder, wie groß der Unterschied zwischen dem Wunsch nach einer Katze und dem tatsächlichen Zusammenleben sein kann. Ein niedliches Foto in den Sozialen Netzwerken genügt manchmal, und schon melden sich zahlreiche Interessenten. Doch eine Katze ist kein Produkt, das derjenige bekommt, der zuerst auf „Gefällt mir“ klickt. „Alle Kommentare bei Social Media ignoriere ich“, sagt sie. Wer sich wirklich für ein Tier interessiere, müsse sich über das Kontaktformular melden.
Die Vorstellung, dass ein Besucher einen Raum betritt, eine Katze auf ihn zuläuft und damit innerhalb weniger Sekunden entschieden ist, dass beide füreinander bestimmt sind, entspreche nur selten der Wirklichkeit, so Harnack. Gerade Tiere, die schon einiges erlebt haben, zeigen sich Fremden gegenüber häufig zunächst zurückhaltend. Deshalb rät sie zu mehreren Besuchen.
Das Rückgrat der Ehrenamtler sind die Pflegestellen
Zeit lassen. Beobachten. Kennenlernen. Und sollte sich später trotzdem herausstellen, dass es nicht funktioniert, gilt ein Versprechen: Eine vom Verein vermittelte Katze kann zurückkommen.
Das Rückgrat sind die Pflegestellen. Ohne diese Menschen wäre all das kaum möglich. Rund 35 Dauerpflegestellen bilden das Rückgrat des Systems. Insgesamt kann der Verein auf etwa 75 Pflegestellen im Kreis Euskirchen zurückgreifen.
Wer mitmachen möchte, wird allerdings nicht einfach mit einer Transportbox und einer Katze nach Hause geschickt. Interessenten bewerben sich, es gibt einen Hausbesuch und Mindestanforderungen. Ein separates Zimmer muss beispielsweise vorhanden sein.

Katzenfee aus Kuchenheim: Brigitte Harnack.
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Die Kosten übernimmt der Verein – für Futter und Streu ebenso wie für tierärztliche Behandlungen. Und manchmal passiert etwas, das im Tierschutz mit einer gewissen Portion Selbstironie als „Pflegestellenversagen“ bezeichnet wird: Die Katze sollte eigentlich nur vorübergehend bleiben. Doch aus Tagen werden Wochen, aus Versorgung wird Bindung – und irgendwann steht fest, dass das Tier überhaupt nicht mehr vermittelt werden soll.
Für Harnack ist es ein ambivalentes Ergebnis. Denn mit jeder Pflegefamilie, die ihre Katze behält, verliert der Verein womöglich einen Platz für das nächste Tier. Und das nächste kommt bestimmt.
Dass sich hinter der Auffangstation längst ein ausgeklügeltes Netzwerk verbirgt, zeigt sich auch dann, wenn eine Katze zum Tierarzt muss. Einen eigenen Tierarzt gibt es im Katzenhaus nicht. Aber eine Tierärztin des Vertrauens in Kall. Und für die Fahrten in die Eifel gibt es den „Pfötchen-Express“. So heißt die WhatsApp-Gruppe, über die Fahrten zur Praxis organisiert werden. Wer kann wann welches Tier wohin bringen? Vieles, was in einem großen Tierheim hauptamtlich organisiert werden könnte, muss hier ehrenamtlich aufgefangen werden.
Kosten von mehr als 200.000 Euro pro Jahr für die Katzen
Und die medizinische Versorgung ist einer der größten Kostenfaktoren. Mehr als 200.000 Euro gibt der Verein nach eigenen Angaben pro Jahr aus. Allein 130.000 bis 150.000 Euro entfallen laut Harnack auf Tierarztkosten. Das Geld stammt überwiegend aus Spenden. Unterstützung kommt unter anderem von Stiftungen und Unternehmen, hinzukommen beispielsweise Spendenboxen in Drogeriemärkten.
Hinter den nüchternen Zahlen stecken Impfungen und Kastrationen, Medikamente und Operationen. Und immer wieder Tiere, bei denen niemand danach fragt, ob sich eine teure Behandlung wirtschaftlich „lohnt“.
Manche Schicksale führen weit über den Kreis Euskirchen hinaus. In Kuchenheim leben auch Tiere aus Kriegsgebieten – beispielsweise aus der Ukraine. Katzen, die Verletzungen mitbringen, bei denen es keine einfache medizinische Lösung gibt. Für Harnack und ihre Mitstreiter bedeutet das: Lösungen suchen. Manchmal über Monate. Und manchmal akzeptieren, dass ein Tier dauerhaft besondere Hilfe benötigen wird. So wie Greta.
Das Ziel ist ein gutes Leben für die Vierbeiner
Das Ziel ist dann nicht mehr unbedingt die Vermittlung. Das Ziel ist ein gutes Leben. Zur Arbeit der 70-Jährigen gehört allerdings auch eine Seite, die sich nicht auf Fotos niedlicher Katzen in Sozialen Netzwerken zeigen lässt. „Wenn ein Tier stirbt, dessen Leben eigentlich gerade erst begonnen hat, bleibt das nicht einfach im Katzenzimmer zurück“, so Harnack. Auch nach vielen Jahren Tierschutz stumpfe man nicht vollständig ab.
Vielleicht darf man das auch nicht. Denn so anstrengend Krankheiten, Todesfälle und finanzielle Sorgen sind: Nicht selten sind es nach Harnacks Erfahrung die Menschen, die den Ehrenamtlichen besonders viel Kraft abverlangen. Gedankenlosigkeit bei der Abgabe eines Tieres gehört dazu. Ebenso unrealistische Erwartungen oder Kommentare in Sozialen Netzwerken von Menschen, die einen Fall beurteilen, ohne seine Hintergründe zu kennen.
Die Auffangstation in Kuchenheim gibt es seit 2009
Und trotzdem geht es weiter. Seit 2009 gibt es die Auffangstation. Die Immobilie wurde gezielt dafür erworben. Aus dem Badezimmer ist ein Alles-in-einem-Raum geworden. Zwei Waschmaschinen, Katzenkörbe, Spielzeug, Katzenstreu – das alles steht auf der Badewanne, die mit einem dicken Brett umfunktioniert worden ist.
Harnack sucht immer wieder nach jemandem, der ihre Verantwortung eines Tages übernehmen könnte. Gefunden hat sie bislang niemanden. Vielleicht liegt das daran, dass hier nicht einfach ein Ehrenamt zu vergeben ist. Es geht um ein Haus voller Katzen. Um Dutzende Pflegestellen. Um Tierarztfahrten und Fangaktionen. Um Spenden und Vermittlungen. Um Tiere, die kommen und wieder gehen.
Und um diejenigen, die bleiben. Greta zum Beispiel. Sie wackelt weiter durchs Leben. Vielleicht nicht besonders elegant und ganz sicher nicht so, wie eine gesunde Katze es tun würde. Aber sie tut es an einem Ort, an dem das vollkommen in Ordnung ist.
So ist die Situation in Mechernich und Kall
Rund 30 Katzen, etwa 40 Kaninchen und kaum noch Platz für weitere Hunde: Im Kreis-Tierheim in Mechernich ist die Lage angespannt. „Es ist bald nicht mehr zu schaffen“, sagt Tierheimleiter Reiner Bauer. Von den derzeit rund 30 Katzen seien lediglich acht vermittelbar. Gleichzeitig nehme die Zahl freilebender Katzen zu.
Mehr als 80 Tiere habe das Tierheim in diesem Jahr bereits kastriert. Nahezu täglich erreichten die Einrichtung Anrufe oder E-Mails von Menschen, die ihre Tiere abgeben wollten. Hinzu komme ein weiteres Problem: Kaninchen würden derzeit verstärkt ausgesetzt und seien häufig trächtig. Rund 40 Kleintiere befinden sich laut Bauer aktuell im Tierheim.
Hunde könne die Einrichtung kaum noch aufnehmen. Bei ihnen handele es sich häufig um beschlagnahmte und schwer vermittelbare Tiere. Bauer fordert mehr Unterstützung von Kreis und Behörden. Ein Neubau stehe an, die Kosten könne der Verein aber nicht allein tragen. „Geht das so weiter, ist eine Schließung des Tierheims nicht ausgeschlossen.“
Der Tierschutzverein Kall betreut derzeit 21 Katzen. 14 befinden sich im Tierheim oder auf dem Gelände, fünf weitere leben auf Pflegestellen. Nur zwei Katzen sind aktuell zur Vermittlung freigegeben, fünf weitere werden darauf vorbereitet. Der Verein nimmt seit mehr als zehn Jahren überwiegend Abgabekatzen auf. Für Fundkatzen ist er nicht zuständig, da kein Fundtiervertrag mit dem Kreis Euskirchen besteht.
Die Katzenschutzverordnung im Kreis Euskirchen
Wer seine Katze im Kreis Euskirchen nach draußen lässt, muss sich an klare Regeln halten. Bereits seit März 2018 gilt kreisweit eine Katzenschutzverordnung. Sie schreibt für Freigängerkatzen nicht nur die Kastration vor. Die Tiere müssen zudem eindeutig gekennzeichnet und registriert sein.
Hintergrund der Regelung ist vor allem die wachsende Zahl freilebender Katzen. Dabei handelt es sich häufig um Tiere, die keinen Halter haben und weitgehend auf sich allein gestellt sind. Unkastrierte Hauskatzen mit Freigang können zusätzlich zur Vermehrung dieser Population beitragen. Genau hier setzt die Verordnung an.
Die Vorgaben gelten sowohl für weibliche als auch für männliche Katzen, sofern sie unkontrollierten Freigang erhalten. Die Tiere müssen fortpflanzungsunfähig gemacht werden. Darüber hinaus ist eine dauerhafte Kennzeichnung vorgeschrieben. Diese kann durch einen Mikrochip oder eine Tätowierung erfolgen und muss von einem Tierarzt vorgenommen werden.
Verstöße können mit Bußgeld geahndet werden
Mit der Kennzeichnung allein ist es allerdings nicht getan. Die entsprechende Nummer muss gemeinsam mit den Daten des Halters in einem Haustierregister hinterlegt werden. Dafür kommen beispielsweise die Register Tasso oder Findefix infrage. Auf diese Weise lässt sich ein aufgefundenes Tier seinem Besitzer zuordnen.
Anders als Katzenschutzverordnungen in manchen anderen Regionen beschränkt sich die Regelung im Kreis Euskirchen der Verwaltung zufolge nicht auf einzelne Städte, Gemeinden oder besonders betroffene Gebiete. Sie gilt im gesamten Kreisgebiet.
Wer sich nicht an die Vorgaben der Katzenschutzverordnung hält, muss mit Konsequenzen rechnen. Verstöße können als Ordnungswidrigkeit geahndet und mit einem Bußgeld belegt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen kann zudem angeordnet werden, dass ein Tier kastriert und gekennzeichnet wird. Die dabei entstehenden Kosten können dem Halter auferlegt werden.
Die Regelung richtet sich damit ausdrücklich auch an Katzenhalter, deren Tiere nur zeitweise draußen unterwegs sind. Entscheidend ist, ob die Katze unkontrollierten Freigang hat. Eine reine Wohnungskatze fällt dagegen nicht unter die Kastrationspflicht.

