Drei Chihuahuas wurden an Karneval auf einem Wanderparkplatz bei Stotzheim ausgesetzt.
Tierschützer entsetztHunde mit Herzfehler an Euskirchener Wanderparkplatz ausgesetzt

Insgesamt drei Chihuahuas wurden in Stotzheim ausgesezt.
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Drei Chihuahuas sind am Dienstagabend gegen 20.40 Uhr in Stotzheim gefunden worden. Die Hunde waren in einer Transportbox auf einem Wanderparkplatz ausgesetzt worden, die Temperaturen lagen zu dem Zeitpunkt um den Gefrierpunkt.
„Erstmal sind das schlechte Menschen“, sagt Rainer Bauer. Der Vorsitzende des Tierschutzvereins Mechernich hat kein Verständnis für das Verhalten der Besitzer der Hunde. Dabei gehe es nicht um ein Kavaliersdelikt. „Das ist eine Straftat“, betont Bauer.
Menschen setzen Haustiere häufig aus Kostengründen aus
Der Tierschutzverein kümmert sich im Tierheim in Mechernich aktuell um die zwei Hündinnen und den Rüden. Alle drei Hunde sind etwa zehn Jahre alt, ihre Zähne sind in schlechtem Zustand, die Gelenke bereiten Probleme. Darüber hinaus sei bei zweien nun auch ein Herzfehler festgestellt worden, der die Nahrungsaufnahme erheblich erschwere, berichtet Elke Mutschall vom Tierschutzverein.
Auch sie hat absolut kein Verständnis für das Verhalten der Besitzer, kennt aber viele Gründe, warum Halter ihre Tiere loswerden wollen. „Pro Tag habe ich fünf bis zehn Anrufe von Menschen, die ihre Tiere abgeben wollen“, sagt Mutschall. Ein häufiger Grund, dass die Menschen ihre Tiere nicht behalten können oder wollen, seien die hohen Kosten. Futter, Tierarztbesuche, Pflege – all das sei immer teurer geworden. Dann gebe da auch noch die Halter, die es versäumten, ihre Hunde zu erziehen. „Und wenn die Tiere dann nicht so funktionieren, wie sie funktionieren sollen, müssen sie sofort weg“, berichtet sie weiter.

Drei Chihuahuas wurden in Stotzheim ausgesezt.
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Im Tierheim Mechernich werden die ausgesetzten Hunde aktuell versorgt. Abgegeben werden sollen sie nur zusammen.
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Schnelle Hilfe ist in diesen Fällen im Tierheim nicht zu erwarten. Denn man könne keine Tiere aus Privathaushalten aufnehmen, dazu fehlten schlicht die finanziellen Mittel, betont Bauer. Der Verein hat genug damit zu tun, sogenannte Fundtiere oder von den Behörden beschlagnahmte Tiere zu versorgen. Auch werden im Tierheim Haustiere übergangsweise aufgenommen, zum Beispiel, wenn die Besitzer ins Krankenhaus müssen und es niemanden gibt, der sich kümmern kann. Aktuell plant Bauer deshalb den Bau eines neuen Hundehauses auf dem Gelände des Tierheims in Mechernich.
Kaninchen und Hähne werden am häufigsten ausgesetzt
Dennoch bemühe der Verein sich auch, Privatleuten zu helfen, etwa bei der Vermittlung an neue Besitzer oder mit finanzieller Unterstützung beim Futterkauf, betont Bauer. Nur gehe das eben vielen nicht schnell und nicht weit genug.
Am häufigsten werden im Kreis laut Bauer und Mutschall Kaninchen oder Hähne ausgesetzt. Doch auch diese könne man nicht einfach der Wildnis überlassen. „Das sind reine Haustiere, die kennen das ja gar nicht“, betont Bauer. Ein Fall wie der aus Stotzheim mit gleich drei ausgesetzten Hunden begegne den Mechernicher Tierschützern hingegen seltener.
Bauer ist überzeugt, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden können. Der Tierschutzverein hat Fotos der Hunde auf Facebook veröffentlicht und eine Belohnung von 500 Euro ausgelobt. Seitdem seien viele konkrete Hinweise eingegangen. „Die Belohnung hat aber keiner beansprucht“, so Bauer. Auch die Polizei bestätigt auf Nachfrage, dass nach dem Eingang von verschiedenen Hinweisen nun gegen konkrete Personen ermittelt werde.
Drei Chihuahuas aus Stotzheim suchen ein neues Zuhause
Bauer hofft, dass die Verantwortlichen bestraft werden. „Leider urteilen die Richter nicht immer so, wie wir das wollen“, sagt er. Für das Aussetzen von Tieren könne eine Gefängnisstrafe verhängt werden, in vielen Fällen aber werden laut Bauer nur Geld- oder Bewährungsstrafen ausgesprochen.
Klar ist schon jetzt: Die Hunde brauchen ein neues Zuhause. Ideal seien sie bei einem Rentner mit ausreichenden finanziellen Mitteln aufgehoben, sagt Bauer. Da die drei Hunde sehr aneinanderhängen, wird ein neues Herrchen oder Frauchen für alle drei gesucht. Bei diesen Voraussetzungen und angesichts des gesundheitlichen Zustands der Hunde werde es vermutlich schwer, jemanden zu finden, sagt Mutschall. Dennoch wollen die Tierschützer es versuchen.
Grundsätzlich bitten Bauer und Mutschall darum, sich die Anschaffung eines neuen Haustiers gut zu überlegen. Vor allem für die Kosten und die Betreuung sollte es einen Plan geben. Und natürlich müsse man sich über die Tiere und ihre Erziehung informieren. Damit nicht noch mehr Tiere das gleiche Schicksal erleiden wie die drei Chihuahuas aus Stotzheim.

