Zwei Minister zu Gast in Heimbach: Die Sicherheit von Motorradfahrern stand beim Aktionstag zur Saisoneröffnung im Mittelpunkt.
Motorrad-VerkehrEllipsen sollen auch im Kreis Euskirchen für mehr Sicherheit sorgen

Wissenschaftlich erwiesen: Die Ellipsen auf der „Panoramastraße“ haben zu geringeren Kurvengeschwindigkeiten geführt. Deshalb wird der Versuch ausgeweitet.
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Eigentlich herrschte am Sonntagmorgen nicht das ideale Motorradwetter. Es war bedeckt, die Temperaturen nur ein paar Grad über dem Gefrierpunkt, am Vortag hatte es in den Höhenlagen noch geschneit. „Das ist Eifel-Wetter. Wenn Sie die Eifel schneefrei wollen, kommen Sie im Juni“, flachste denn auch der Dürener Landrat Dr. Ralf Nolten anlässlich der offiziellen Eröffnung der Motorradsaison durch die Initiative „Sicher im Straßenverkehr“.
Doch schnell wurde es ernst. Denn wie auch im Kreis Euskirchen war wenige Tage zuvor auch im Kreis Düren die Verkehrsunfallstatistik bekanntgegeben worden. Zwar habe es zum ersten Mal seit vielen Jahren 2025 keinen tödlich verunglückten Motorradfahrer gegeben, dafür sei aber die Zahl der Motorradunfälle mit Verletzten von 80 auf 95 gestiegen, so Nolten. So appellierte er an die Biker, nicht nur vorsichtig zu fahren, sondern auch auf die Kollegen einzuwirken, die vom Lärm her fast schon körperverletzend unterwegs seien. „Das hat mit dem Motorradfahren, wie wir es lieben und schätzen, wenig zu tun“, sagte der Dürener Landrat.
Unfallstatistik: Weniger getötete, aber mehr verletzte Motorradfahrer in NRW
Auch Innenminister Herbert Reul warf einen Blick auf die gerade vorgestellte landesweite Unfallbilanz. 45 Motorradfahrer seien im vergangenen Jahr in NRW gestorben. Das sei zwar ein Rückgang, aber die Zahl der Unfälle mit Verletzten sei auf 3500 gestiegen. Davon seien 35 Prozent Alleinunfälle. „Da war gar kein Druck, kein anderer beteiligt“, betonte Reul.

Anschauungsmaterial für Verkehrsminister Oliver Krischer und Innenminister Herbert Reul: Ein in einen schweren Unfall verwickeltes Motorrad, dessen Fahrer schwer verletzt wurde, wurde beim Aktionstag in Heimbach ausgestellt.
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Landrat Dr. Ralf Nolten (von links) und Heimbachs Bürgermeister Jochen Weiler begrüßten Verkehrsminister Oliver Krischer und Innenminister Herbert Reul in Heimbach.
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„Bikerinnen und Biker gehören zur Eifel“, sagte Verkehrsminister Oliver Krischer. Es sei für viele Menschen ein Teil der Freizeitgestaltung. Doch immer noch sei die Zahl der Verkehrstoten zu hoch. Deshalb arbeite das Ministerium an der „Vision Zero“. Das Ziel: Niemand solle mehr im Verkehr zu Schaden kommen. Dazu gehöre auch die Initiative „Sicher im Straßenverkehr“ und Aktionen wie die Saisoneröffnung in Heimbach, aber auch bauliche Maßnahmen wie die Abschirmung von Bäumen.
In Bad Münstereifel werden die Ellipsen noch dieses Jahr installiert
Eine besondere Maßnahme war 2023 auf der L218 zwischen Vossenack und Schmidt ergriffen worden, einer bei vielen Bikern als „Panoramastraße“ bekannten Route. „Als ich das erste Mal hörte, dass man Ellipsen auf die Straße malen will, was dazu führe, dass Motorradfahrende die Kurven sicherer nehmen, habe ich den Kopf geschüttelt“, bekannte Krischer. Doch der Erfolg sei messbar. Deshalb werde das Programm auch auf zwei Strecken im Kreis Euskirchen ausgeweitet.
Auch der Verkehrsversuch im Kreis Euskirchen wird wissenschaftlich begleitet.
In der Planung sei eine Stelle auf der B266 zwischen Vogelsang und Einruhr, teilte Christoph Rösler von Straßen NRW mit. Dort sei die Umsetzung für das nächste Jahr zu erwarten. Bereits in diesem Jahr werde eine Haarnadelkurve auf der Schleidtalstraße, der L234 von Bad Münstereifel in Richtung Waldkapelle „Decke Tönnes“, mit den Ellipsen versehen. „Auch das wird als Versuch wissenschaftlich begleitet“, kündigte der Minister an. Es müsste dabei vor allem die Griffigkeit der auf die Fahrbahn aufgebrachten Markierungen sichergestellt sein.
Im Anschluss an den Termin in Heimbach fuhren die beiden Landesminister auf die „Panoramastraße“, um den Verkehrsversuch mit den auf die Fahrbahn aufgebrachten Ellipsen persönlich in Augenschein zu nehmen.
Stadt Heimbach will Motorradfahrer nicht aus der Nordeifel verbannen
Mit Heimbach sei ein passender Ort für die Saisoneröffnung gewählt worden, sagte Bürgermeister Jochen Weiler. Seit mehr als einem Jahrhundert sei die Stadt ein touristisch geprägter Ort und ein touristisches Schwergewicht in der Nordeifel. Die Besucher seien mit dem Auto, der Bahn, dem Motorrad, aber auch mit dem Fahrrad unterwegs, und so werde es an den Wochenenden lebhaft auf den Straßen. Deshalb sei die Stadt Heimbach auch Gründungsmitglied der Initiative „Silent Rider“, wobei es nicht darum gehe, Motorradfahrer aus der Region zu verbannen. Doch die Bürger wünschten sich von den Motorradfahrern mehr Rücksichtnahme.
Viele verschiedene Akteure hatte die Initiative „Sicher im Straßenverkehr“, die die Saisoneröffnung organisiert hatte, mit nach Heimbach gebracht. Sie konnte mit dem Kreis Düren, der Stadt Heimbach und der Johanniter-Unfall-Hilfe gleich drei neue Mitglieder in ihren Reihen begrüßen und zählt damit 46 Kooperationspartner.

Die Probefahrt im Alkoholsimulater überstand auch Innenminister Herbert Reul nicht unfallfrei.
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Beim Aktionstag war nicht nur die Polizei vertreten, die ihr ProViDa-Motorrad („Proof Video Data System“) und das Verkehrsunfallaufnahmeteam präsentierte, sondern zum Beispiel auch die Verkehrswacht und der Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr. Der hatte einen Fahrsimulator mitgebracht, der den Einfluss von Alkohol auf das Fahrvermögen simulierte. Innenminister Reul, der das Gerät gleich selbst ausprobierte, war erstaunt: Er beendete seinen Fahrversuch mit einer überfahrenen roten Ampel und einem daraus resultierenden Unfall.
Nur ein Bruchteil der Motorradfahrer absolviert ein Sicherheitstraining
„Wer mit Köpfchen fährt, trägt gute Schutzkleidung“, wandte sich Reul dann wieder an die Biker. Motorrad-Airbags als Selbstschutz könnten so zu einer Senkung tödlich verunglückter Motorradfahrer beitragen. „Der Airbag verhindert keinen Unfall. Er nützt nur, wenn der Unfall schon geschehen ist“, gab Michael Lenzen zu bedenken, Vorsitzender des Bundesverbandes der Motorradfahrer (BVDM). Auch seien Airbags unter den Motorradfahrern nicht sehr verbreitet, da stehe man noch am Anfang der Entwicklung.
Wichtig sei hingegen die Teilnahme an Sicherheitstrainings. „Motorradfahren ist komplexer als Autofahren“, betonte Lenzen. Mit solchen Trainings erreiche man aber leider nur ein bis drei Prozent der Biker. „Es gibt zu wenig Plätze und wenig preiswerte Angebote“, monierte er. Deshalb bilde sein Verband verstärkt eigene Trainer aus.
Die gestiegenen Unfallzahlen könnten zum einen mit den gestiegenen Zulassungszahlen begründet werden, die mit 5,1 Millionen Fahrzeugen einen Höchststand erreicht hätten. Zum anderen würden aber auch Ablenkungen durch Navis oder Sprechanlagen immer intensiver, die während der Fahrt bedient werden.
Künftig weniger Lärm durch Motorräder in der Eifel?
In Sachen Motorradlärm konnte Michael Lenzen vom Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) den betroffenen Anwohnern in der Eifel zumindest etwas Hoffnung machen: „Im Jahr 2025 haben sich die Zulassungsbedingungen geändert, so dass die Norm Euro 5+ nun verbindlich ist.“ Unter anderem werde bei der Geräuschmessung ein größerer Bereich abgedeckt. „Damit wurden Schlupflöcher geschlossen, die bislang die Verwendung von Auspuffklappen möglich machten“, so Lenzen.

Michael Lenzen, Vorsitzender des Bundesverbands der Motorradfahrer, weist auf geänderte Zulassungsbedingungen hin, durch die Schlupflöcher für Auspuffklappen an Motorrädern geschlossen wurden.
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Diese Änderung werde sich allerdings nicht kurzfristig bemerkbar machen. „Der Fahrzeugbestand in Deutschland ist recht alt“, sagte Lenzen: „Diese Motorräder sind alle noch nach den alten Normen zugelassen worden.“

