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Rock am RingFans entsetzt über Gedränge vor Hauptbühne – Headliner für 2027 steht fest

6 min
Tausende Menschen stehen beim Festival „Rock am Ring“ vor einer Bühne am Nürburgring.

Etwa 90.000 Menschen waren bei Rock am Ring. Auf diesem Bild von Samstagabend ist nur ein Teil der Masse zu sehen.

Rock am Ring ist auch für viele Fans aus dem Kreis Euskirchen ein Muss. Doch in die Freude und Begeisterung mischten sich Frust und Sorge.

Es gibt Dinge, die gehören zu Rock am Ring einfach dazu – neben der Musik: dreckige Schuhe, eine gute Zeit, Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben. Vor allem am Freitag hatten zahlreiche Ringrocker Erlebnisse, die sie nicht in bester Erinnerung behalten werden. „So etwas habe ich bei Rock am Ring noch nie erlebt“, sagt Laura Weber. Schon am Nachmittag sei das Gefühl entstanden, dass zu viele Menschen auf zu engem Raum seien – vor allem in den Bereichen vor der Hauptbühne. Schon Stunden, bevor die Hauptacts des Abends wie Papa Roach und Linkin Park überhaupt auf der Bühne standen.

Nach längerer Wartezeit schafften es Weber, ihr Mann und dessen bester Freund (für beide war es eine Festivalpremiere) in den vorderen Bereich vor der Bühne. Die Freude darüber wich jedoch schnell der Ernüchterung. „Wir standen eingepfercht wie Tiere im Stall“, beschreibt die Roderterin die Situation. Die Enge sei so extrem gewesen, dass sie ihre Arme nicht mehr heben konnte. „So eng habe ich in meinem ganzen Leben noch nie auf einem Konzert oder Festival gestanden“, so Weber, die 2004 erstmals bei Rock am Ring war.

Fans beschreiben Situation als „kurz vor Loveparade 2.0“

Während des Auftritts von Architects verschärfte sich die Situation laut Weber. Die Gruppe wurde getrennt, eine Kommunikation per Handy war kaum noch möglich. Gleichzeitig habe man sich kaum innerhalb der Menge bewegen können. „Normalerweise erlebt man auf Festivals ein Gemeinschaftsgefühl, bei dem sich die Menschen gegenseitig helfen. Diesmal war davon wenig zu spüren“, sagt Weber.

Besucher rieten sogar dazu, sich über einen Wellenbrecher aus dem Zuschauerbereich heben zu lassen, um der Enge zu entkommen. Die Sorge vor einer Paniksituation sei bei einigen deutlich spürbar gewesen. Erst als sich Webers Ehemann durch die Menge gekämpft hatte und es ihm gelungen war, seine Gruppe aus dem Gedränge herauszuführen, entspannte sich die Lage wieder. Die Konzerte von Papa Roach und Linkin Park konnten entspannter verfolgt werden. Trotz der musikalischen Highlights hinterließ die Situation vor der Hauptbühne einen bitteren Beigeschmack. „Das hat meine Stimmung für den Tag definitiv getrübt“, so Weber.

Beim Crowdsurfing wird ein Fan beim Festival Rock am Ring von anderen auf Händen über die Menge getragen.

Crowdsurfing im Sonnenschein fürs perfekte Rock-am-Ring-Gefühl.

Rapper Marteria hält ein Pyro-Gerät in der Hand.

Eine Pyro-Show lieferte Rapper Marteria.

Eine Besucherin des Festivals Rock am Ring.

Der Platz auf den Schultern ermöglicht den besten Ausblick.

Als nach dem Auftritt von Linkin Park viele Besucher von der Hauptbühne zur zweitgrößten Bühne und dem Auftritt von Limp Bizkit wollten, kam es zu weiteren kritischen Situationen. „Es war kurz vor Loveparade 2.0“, schrieb eine Besucherin am Samstagmorgen auf dem offiziellen Social-Media-Account von Rock am Ring und erntete dafür viel Zustimmung. Begriffe wie „Horror“, „unverantwortlich“ oder „Organisation 0/10“ wurden zustimmend kommentiert.

Die Clique um Laura Weber bestätigt die Eindrücke: „Ich bin immer noch geschockt von diesen Menschenmassen. Alles war zu eng, alles war zu voll.“ Ähnlich äußert sich Sascha Völler aus Olef: „Es war so abartig voll, dass wir nicht mehr in den A-Block gekommen sind.“

Rock am Ring bietet den Fans aus dem Kreis Euskirchen viele Highlights

Auch Susanne und ihre Freundin waren überrascht, wie viele blaue Flecken sie sich am Freitag holten: „Und wir waren nicht im Moshpit.“ Ein Moshpit ist ein „Tanzkreis“, der sich bei Rockkonzerten gerne innerhalb der Menge bildet und in dem es etwas wilder zugeht. „Ich war vergangene Woche bei Metallica in Berlin mit 94.000 Besuchern. Das war entspannter“, sagt sie. Am Ring sei der Samstag wieder deutlich entspannter gewesen.

Für Dominik Schöpfer, seine Frau Janine und deren Clique war es ein entspanntes Wochenende. Aber auch der Torwart des SV Frauenberg sagt: „Bei Linkin Park standen gefühlt alle vor der Hauptbühne. Das war krass.“ Dennoch sei der Auftritt ein absolutes Highlight gewesen. „Rock am Ring ist für uns immer so ein kleines Treffen unter sehr guten Freunden“, so Schöpfer: „Wir haben sehr gute Menschen in unserem ersten Jahr dort kennengelernt, die sich ganz schnell zu einer Clique formiert haben. So verbindet der Ring für uns die Eifel und das Weserland.“

Sechs Fans feiern auf dem Festival.

Für die Clique um Dominik Schöpfer (r.) gehört Rock am Ring auch als Treffen guter Freunde einfach dazu.

Fans aus der Eifel feiern beim Festival „Rock am Ring“ auf den Nürburgring.

Bühnen-Hopping stand für Sascha Völler und seine Freunde vor allem am Sonntag an.

Die verbindende Wirkung von Rock am Ring und Camping kennt auch Sascha Völler: Bei ihrem Beerpong hat auch ein Australier mitgemacht. Donnerstags steht für ihn der Besuch bei seinen Kindern in deren Ring-Camp an. Und dieses Mal gab es, als sich die Gruppe während eines Gewitters in einer Unterführung unterstellen musste, da auch eine spontane Party.

Katharina Weber, Nina Schmitz, Ben Hermanns und Niels Decker hatten sich bereits am Mittwochnachmittag auf dem General Camping einquartiert. Das ist die klassischste Form des Campens bei Rock am Ring: Zelt, Luftmatratze, Schlafsack, Campingkocher, Dosenravioli, Wein aus dem Tetrapack. „Wir haben hier viele Bekannte wiedergetroffen. Das ist fast schon so ein Familiending“, sagt Ben Hermanns aus Zülpich. Die dänische Rockband Volbeat bekam das Quartett am Samstagabend aber nur über die riesigen Videowürfel zu sehen. Da sie vorher bei Rapper Marteria waren, mussten sie aufgrund des Bühnen-Hoppings weit vor der Hauptbühne stoppen und weit, sehr weit hinten Platz nehmen. Aber mit Blick auf die Ereignisse am Freitagabend sei das auch nicht so schlimm gewesen.

Veranstalter: Sicherheit hat jederzeit höchste Priorität

Der Veranstalter äußerte sich dazu am Samstagabend, ebenfalls via Social Media: „Die Sicherheit unserer Besucherinnen und Besucher hat bei Rock am Ring jederzeit höchste Priorität. Grundlage des Festivals ist ein umfassendes Sicherheits- und Besucherstromkonzept, das mit den zuständigen Behörden abgestimmt und von diesen genehmigt wurde.“

Nach einzelnen Auftritten könne es festivaltypisch zu verstärkten Besucherbewegungen kommen, wenn sich viele Menschen gleichzeitig zwischen den verschiedenen Bereichen bewegen. „Die zulässigen Besucherzahlen wurden dabei zu keinem Zeitpunkt überschritten“, so der Veranstalter.

Und weiter: „Es gab zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdungslage. Die Abläufe bewegten sich jederzeit innerhalb des vorgesehenen Festivalbetriebs. Einzelne Situationen in großen Menschenmengen können von Besucherinnen und Besuchern unterschiedlich wahrgenommen werden. Rückmeldungen nehmen wir ernst und werten sie kontinuierlich mit den zuständigen Behörden aus.“ Eine Anfrage dieser Zeitung zu den Ereignissen am Freitag blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.


Blink 182 ist Headliner 2027

Nach Rock am Ring ist vor Rock am Ring. Noch während des Festivals am Nürburgring gab der Veranstalter bekannt, wer der erste Headliner 2027 sein wird. Es ist Blink 182. Die Band aus San Diego hatte ihren Durchbruch im Jahr 1999 mit ihrem Album „Enema of the State“. Dadurch wurde die Band weltweit bekannt und zu einem der prägendsten Vertreter des Pop-Punks.

Weitere Bands für Rock am Ring 2027, das vom 4. bis 6. Juni stattfindet, wurden zunächst nicht genannt. Informationen zum Vorverkauf gibt es aber: Traditionell startet der kurz nach Ende des Festivals – am 9. Juni um 12 Uhr.