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Teures BenzinViele Eifeler fahren zum Tanken über die deutsch-belgische Grenze

7 min
Autos stehen in vier Reihen an den Zapfsäulen.

Groß ist der Andrang beim Old Smuggler in Losheim, wo vier Tankplätze zur Verfügung stehen.

In Belgien sind die Bezinpreise deutlich günstiger als diesseits der Grenze. Viele Eifeler nutzen die Gelegenheit, bei einem Ausflug billig zu tanken. 

Es ist mächtig was los in Losheim. „Old Smuggler“ heißt das Ziel vieler deutscher Autofahrer, die auf der Suche nach günstigem Sprit über die Grenze ins Nachbarland pendeln. Immer wieder bildet sich eine lange Schlange, denn der Weg zur Ausfahrt aus dem Gelände führt an den beiden Zapfsäulen vorbei, so dass sich die, die auf der Jagd nach billigem Kaffee sind, und die, die billig tanken wollen, schon mal ins Gehege kommen.

Trotzdem ist die Stimmung entspannt an diesem Freitagmorgen, denn alle haben ein gemeinsames Ziel: einen vollen Tank. Und Verständnis dafür, dass die anderen auch gerne einen solchen hätten.

Es herrscht reger Betrieb

Obwohl sich die Preisdifferenz in den vergangenen Tagen immer weiter verringert hat, besteht gerade für Benzin auch in dieser Woche noch ein Preisunterschied von rund 30 Cent. Nicht zum ersten Mal locken die Preisunterschiede Sparfüchse in das Nachbarland: Schon während des Corona-Lockdowns waren die Spritpreise in Deutschland jenseits der Zwei-Euro-Grenze.

Auch damals ließen sich mit dem Besuch einer belgischen Tankstelle einige Euro sparen. Das ist jetzt nicht viel anders. Es herrscht reger Betrieb, auch weil denen, die hier noch nie waren, nicht bewusst ist, dass es hier zwei Tanksäulen mit jeweils zwei Tankplätzen und einem vier Meter langen Schlauch gibt.

Der Tankautomat ist für manchen eine Herausforderung

Erstaunen und Ratlosigkeit gibt es auch angesichts der Tatsache, dass hier keine Bedienung am Schalter sitzt, sondern per Automat bezahlt wird. Ein etwa mannshohes Schild, das detailliert über die Bedienung aufklärt, hängt unbeachtet an der Wand. Notfalls fragt man andere Fahrer.

Wer sich auskennt, hilft bei der Bedienung des Automaten: Karte rein, dann wird ein Betrag freigeschaltet und auf dem Konto reserviert. Danach wird der Tankplatz eingegeben, und die Zapfpistole ist freigeschaltet. Endgültig abgerechnet wird schließlich nur der tatsächlich getankte Betrag. Wer dem nicht traut, kann – zumindest am Automaten in Losheim – auch Bargeld eingeben, für das man anschließend tanken kann.

Falsche Tankplatznummer löst Verwirrung an den Zapfsäulen aus

Klingt machbar, aber auch dieses seit vielen Jahren erprobte System, hat seine Tücken, je nachdem, wer den Automat bedient. Plötzlich entsteht große Aufregung an der ersten Säule. Eine Frau beschwert sich, weil aus ihrer Zapfpistole kein Benzin kommt. Auch der Wohnmobilfahrer daneben protestiert, dass er nicht tanken könne.

Nicht einmal die vertauschten Zapfpistolen wieder an die richtige Stelle zu bringen, nützt etwas. Die Bedienung aus dem Café muss eingreifen und das Chaos wieder in Ordnung bringen. Schnell ist die Ursache gefunden: Jemand hatte die falsche Tankplatznummer in den Automaten eingegeben und damit den kompletten Ablauf durcheinandergebracht.

Die günstigen Kaffeepreise locken

Auch wenn von den Tankstellen auf der deutschen Seite unter der Hand verraten wird, dass die hohen Preise in Deutschland tatsächlich auf Kosten des Umsatzes gehen, hat sich zumindest an diesem Freitagmorgen niemand gezielt auf den Weg gemacht, um hier in Losheim zu tanken. Doch wenn man schon mal in der Gegend ist, ist es doch eine gute Idee, ein paar Liter Sprit zu einem erschwinglicheren Preis in den Tank zu füllen.

Wie bei Wilma Hein aus Schleiden, die mit ihrem Mann unterwegs ist. „Wir tanken hier regelmäßig“, sagt sie. Das verbänden sie dann auch mit einem Café-Besuch im „Old Smuggler“. Auch ein Mann aus Hillesheim nutzt den billigen Sprit. Ihn locke ansonsten immer der günstige Preis des Kaffees, den er hier hole. Aus Prüm, Losheim, Hellenthal kommen andere Autofahrer, die auf ihrem Weg hier Station machen. Ansgar Muthers aus Hallschlag ist Stammkunde an der Losheimer Tankstelle.

Das ist die beste Elektroförderung, die man sich denken kann.
Ansgar Muthers fährt selbst ein Auto, ist aber mit dem Benziner seiner Frau Stammkunde in Losheim

Obwohl eigentlich auch nicht, denn er selbst ist normalerweise elektrisch unterwegs. „Das ist die beste Elektroförderung, die man sich denken kann“, sagt er. In Losheim ist er mit dem Fahrzeug seiner Frau, das betankt werden soll. Gelegenheit macht Tankkunden, das gilt an diesem Vormittag in Losheim. Wer in der Gegend ist, kommt mal eben tanken. Was nicht nur für Privatleute gilt.

Auch Firmenfahrzeuge wie das eines Einzelhändlers aus der Region werden hier betankt. Doch extra dorthin zu fahren, das lohne sich nicht, sagt der Chef des Unternehmens, der in der Zeitung nicht genannt werden will. Aber wenn seine Fahrer in der Nähe der Grenze unterwegs seien, dann könnten sie auch eben mal nach Belgien fahren, um dort ihren Tank zu füllen.

Das macht auch der Fahrer einer Euskirchener Spedition, der an der Shell-Tankstelle bei Büllingen seinen 40-Tonner betankt. Aber Extratouren würden er und seine Kollegen auch nicht machen. „Wir tanken dort, wo wir gerade sind“, sagt er. Der Preis spiele da keine Rolle. Jetzt gerade würde zum Beispiel ein Kollege seinen Lkw in Kommern betanken. „Tanken müssen wir, wir können ja nicht reinpinkeln“, scherzt er.

Hier, an dieser malerisch gelegenen Tankstelle, und auch an der Gulf-Station in Richtung Bütgenbach, ist es ruhig. Deutsche Kunden kommen seltener hier vorbei. Von Schleiden aus sind es rund 30 Kilometer, das relativiert die Ersparnis und macht Extratouren unattraktiv. Doch verbunden mit einer Wanderung im Hohen Venn oder einem Restaurantbesuch sieht das schon gleich wieder ganz anders aus.


Spritpreise in Belgien und Luxemburg sind günstiger

Grenznahe Tankstellen in Ostbelgien sind Old Smuggler in Losheim, direkt am Grenzübergang an der B265, eine Gulf-Tankstelle an der N632 von Büllingen nach Bütgenbach, eine Shell-Tankstelle an der N692 von Büllingen nach St. Vith sowie Rauw an der N647 von Elsenborn in Richtung Camp Elsenborn. Alle vier arbeiten per Bezahlautomat und haben damit rund um die Uhr Benzin und Diesel verfügbar. LPG ist in Elsenborn samstags bis montags von 9 bis 13 Uhr sowie dienstags bis freitags von 9 bis 18 Uhr verfügbar.

Die Benzinpreise in Belgien bilden sich nicht am freien Markt, sondern es wird an jedem Werktag ein Maximalpreis durch die Generaldirektion Energie des Wirtschaftsministeriums errechnet. Die Tankstellenbetreiber können unterhalb dieses Preises bleiben, dürfen ihn aber nicht überschreiten, was zum Beispiel höhere Preise an den Autobahnen verhindert. Sie dürfen aber auch nicht den Einkaufspreis unterschreiten.

Auch der Wechselkurs hat Einfluss

Der Preis errechnet sich aus dem Dollarpreis für bereits raffiniertes Benzin am Markt in Rotterdam im Durchschnitt der vergangenen drei Tage, so dass auch der Wechselkurs mit dem Euro Einfluss erlangt. Dazu kommen eine Brutto-Vertriebsmarge sowie Abgaben und Steuern. Diese Abgaben, Akzise genannt, können flexibel gestaltet werden.

An einer Straße steht ein rotes Schild, auf dem Benzinpreise angezeigt werden.

Günstiger als in Deutschland sind die Benzinpreise direkt auf der anderen Seite der Grenze, wie hier am Freitag in Losheim.

Darüber hinaus wurde in der Ukraine-Krise, als die Öllieferungen aus Russland wegfielen, ein Gesetz erlassen, dass das Einfrieren des Benzinpreises möglich macht. Genau das sei in den letzten Wochen passiert, sagt Michael Balter vom Old Smuggler in Losheim. „ Der Benzinpreis wurde sofort eingefroren, auf Kosten der Margen der Lieferanten. Ansonsten wäre er um neun Cent höher.“

Bemerkenswert sei dabei, dass dieses System von allen Marktteilnehmern akzeptiert werde, obwohl ihr Verdienst begrenzt werde. Sein Umsatz habe sich deutlich erhöht, so sehr, dass es zeitweise schwierig sei, die Produkte rechtzeitig zu bekommen. Einige Tankstellen seien in den vergangenen Tagen bereits auf dem Trockenen gewesen, da die Logistik nicht auf eine derartige Nachfrage eingerichtet sei.

Der Steuersatz in Luxemburg ist niedriger als der in Deutschland

Auch in Luxemburg, bekannt für günstigen Sprit, wird ein Maximalpreis vom Staat festgesetzt, so dass im Land kaum Preisunterschiede festzustellen sind. Außerdem ist der Steuersatz in Luxemburg rund 20 Cent pro Liter niedriger als in Deutschland. Die Mitnahme von billigem Sprit hat aber auch bei freiem Warenverkehr innerhalb der EU ihre Grenzen.

Neben einem vollen Tank sei es gestattet, auch noch gefüllte Zusatzbehälter mit einem Gesamtvolumen von 20 Litern über die Grenze nach Deutschland zu bringen, so Elke Willsch, Pressesprecherin des Hauptzollamts Aachen. Spezielle Kontrollen der Tanktouristen würden zur Zeit allerdings nicht durchgeführt, sagt sie. Das geschehe im Rahmen der allgemeinen Überwachung des Warenverkehrs. In den vergangenen Wochen seien auch keine Verstöße bei Tankfahrten festgestellt worden.