Die Stadt Bad Münstereifel und die Gemeinde Hellenthal müssen mit dem Salz haushalten. Einige Straßen sollen nicht gestreut werden.
WinterdienstBad Münstereifel und Hellenthal schlagen beim Streusalz Alarm

In manchen Kommunen im Kreis Euskirchen wird das Streusalz knapp – Nachschub ist geordert.
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Die Stadt Bad Münstereifel und die Gemeinde Hellenthal stellen ihre Bürger kurz vor dem Wochenende, für das Schneefälle und Temperaturen im zweistelligen Minusbereich angekündigt werden, darauf ein, dass nur noch die wichtigsten Straßen gestreut werden können.
Das zu Beginn der Wintersaison mit 450 Tonnen prall gefüllte Streusalzlager in Bad Münstereifel leert sich rapide. 80 Tonnen sind noch vorhanden, die nun mit Granulat gemischt werden. Zwar hat der Bauhof laut Stadt frühzeitig eine Nachbestellung von 216 Tonnen (das entspricht acht Lkw-Zügen) veranlasst. Doch Lieferengpässe beim Streusalz erschweren die Beschaffung. Normalerweise helfen bei leeren Salzlagern unbürokratisch die Nachbarkommunen aus. Die sind allerdings selbst betroffen.
Bis zu 35 Tonnen Streusalz werden täglich im Stadtgebiet verbraucht
Die Witterungsbedingungen der vergangenen Tage mit Temperaturen rund um den Gefrierpunkt und kälter haben ein permanentes Streuen erforderlich gemacht. Bis zu 35 Tonnen Streusalz täglich wurden im Bad Münstereifeler Stadtgebiet verbraucht. Der Bauhof hofft, dass das bestellte Salz schnell verfügbar ist. Eine erste Lieferung ist für spätestens Montag angekündigt. Um aber zu verhindern, dass der Salzvorrat komplett zur Neige geht, wird der Winterdienst vorerst eingeschränkt durchgeführt.
„Wir bitten um Verständnis für die Situation“, sagt Bürgermeister Sebastian Glatzel. Bürger sollen ausreichend Zeit für ihre Wege einplanen und vorsichtig fahren. Der Bauhof sei mit der Bewältigung des Winterdienstes ausgelastet und soll nur in wichtigen, dringenden Fällen kontaktiert werden, bittet Glatzel. Die Bauhofmitarbeiter werden in Früh- und Spätschicht aufgeteilt. Wer aufgrund der Rotation frei hat, kann bei Ausfällen von Kollegen trotzdem eingesetzt werden. Pro Schicht sind fünf Fahrzeuge, darunter auch das eines externen Dienstleisters, im Einsatz, um die 57 Dörfer und Weiler entlang der 220 Straßenkilometer anzufahren.
Straßen in Bad Münstereifel in vier Streubezirke unterteilt
Die Kurstadt hat die Straßen in vier Streubezirke aufgeteilt und innerhalb dieser Bezirke in zwei Kategorien eingestuft. In der Kategorie 1 sind alle verkehrswichtigen und zugleich gefährlichen Straßen von örtlicher und überörtlicher Bedeutung. Diese Straßen werden im maschinellen Winterdienst vorrangig bedient. Sie werden geräumt und gestreut. Dabei handelt es sich um Straßen, die für den ÖPNV, die Feuerwehr und den Rettungsdienst wichtig sind. Sie müssen täglich von 7 bis 20 Uhr (sonntags von 9 bis 20 Uhr) geräumt und gestreut sein.
Auch überregionale Straßen (Kreis- und Landesstraßen), Gemeindeverbindungsstraßen, Ortsdurchfahrten, Industriestraßen, Schulbusstrecken und öffentliche Parkplätze fallen in diese Kategorie. Straßen der Kategorie 2 werden zwar weiterhin von Schnee geräumt, Streusalz wird aber sparsam eingesetzt.
Wir haben Lagerkapazitäten für rund 100 Tonnen Salz.
Auch die Gemeinde Kall ist von den bundesweiten Engpässen beim Streusalz betroffen. Für Freitag wurde jedoch eine Lieferung angekündigt, sodass der Kaller Bauhof zuversichtlich in das bevorstehende Winterwochenende blickt. „Wir haben Lagerkapazitäten für rund 100 Tonnen Salz“, erklärt der stellvertretende Bauhofleiter Florian Marx. Wie in anderen Kommunen, wird auch in Kall während der Winterdienstsaison regelmäßig Streusalz nachbestellt. Normalerweise trifft das Streugut binnen 48 Stunden ein. Aufgrund der derzeitigen Knappheit müssen die Lieferanten allerdings priorisieren. „Flughäfen und Autobahnmeistereien werden derzeit bevorzugt beliefert“, so Marx. Sollte es in Kall zu Engpässen kommen, werden vorrangig Steilstrecken, Busrouten sowie Gehwege und Treppen gesichert.

Der Kreis Euskirchen ist für rund 320 Kilometer Straßen zuständig. Das Salzlager auf dem Areal des Abfallwirtschaftszentrums in Strempt ist in den vergangenen Tagen leerer geworden.
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Auch der Bauhof des Kreises Euskirchen, zuständig für rund 320 Kilometer Kreisstraßen, spürt nach Angaben von Wolfgang Andres, Pressesprecher des Kreises, die Auswirkungen der bundesweiten Lieferschwierigkeiten. Seit Beginn der Wintersaison Anfang November wurden bereits etwa 800 Tonnen Salz verbraucht – die Vorräte gehen Andres zufolge zur Neige.
Der Kreis Euskirchen rechnet mit 600 Tonnen neuem Salz
Eine Nachbestellung sei bereits erfolgt, für die kommende Woche seien rund 600 Tonnen Nachschub angekündigt. Für die nächsten Tage ist dennoch genügend Streumaterial vorhanden – auch dank der Unterstützung benachbarter Bauhöfe. Im Salzsilo lagern in guten Zeiten bis zu 1000 Tonnen Streusalz, daneben steht ein Tank mit 45.000 Litern Sole – einer Salz-Wasser-Mischung. „Wir fahren mit Feuchtsalz: 70 Prozent trockenes Salz, 30 Prozent Sole. Das haftet besser auf der Straße und wirkt schneller“, sagt Eva Heinen, stellvertretende Leiterin des Kreis-Bauhofs.
Im Notfall könnte wohl der Bauhof in Blankenheim unterstützen. „Bei uns ist alles im grünen Bereich“, berichtet Bürgermeisterin Jennifer Meuren: „Die Salzlagerhalle ist noch gut gefüllt, sie ist zum Glück sehr groß.“ Auch in Mechernich geht man entspannt ins Wochenende. Obwohl man anderen Kommunen mit Salz ausgeholfen habe, sei das Lager noch gut gefüllt, heißt es aus dem Rathaus: „Überhaupt kein Grund zu Panik.“ Man habe auch schon nachbestellt. Bis zum Eintreffen der Lieferung reiche der jetzige Vorrat aber definitiv.
Die Stadt Euskirchen gibt ebenfalls Entwarnung. Nach Angaben von Tim Nolden, Pressesprecher der Stadt, ist „genug Salz vorhanden“.

