Heimatverbundenheit darf nach Ansicht der Sozialdemokraten im Kreis Euskirchen nicht an einer festen Einwohnerzahl scheitern.
EU, SLE, ZÜMehr Heimat auf Nummernschildern – auch für kleinere Kommunen im Kreis Euskirchen

Neben „EU“ und „SLE“ könnte es bald auch „ZÜ“ oder „MEC“ auf den Nummernschildern geben.
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Die SPD im Kreis Euskirchen macht Druck für mehr kommunale Freiheit bei Kfz-Kennzeichen. Zwar begrüßen die Sozialdemokraten die Pläne, neue Ortskennzeichen zu ermöglichen – die vorgesehene Mindestgröße von 20.000 Einwohnern stößt jedoch auf deutliche Kritik.
„Heimatgefühl lässt sich nicht an Einwohnerzahlen festmachen“, sagt Fraktionsvorsitzender Thilo Waasem. Gerade im ländlichen Raum sei die Identifikation mit dem eigenen Wohnort oft besonders stark ausgeprägt – unabhängig von dessen Größe. Orte wie Bad Münstereifel, Blankenheim, Dahlem, Hellenthal, Kall, Nettersheim, Schleiden oder Weilerswist seien beste Beispiele dafür. „Dort gibt es genauso Menschen, die ihre Verbundenheit zeigen wollen. Diese Heimatverbundenheit ist keine zweiter Klasse“, betont Waasem.
Rückendeckung gibt es vom Städte- und Gemeindebund NRW
Rückendeckung gibt es vom Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen. Dort wird die geplante Neuregelung grundsätzlich als Chance gesehen, lokale Identität sichtbarer zu machen und die Bindung der Bürgerinnen und Bürger an ihren Wohnort zu stärken.
Die Kreis-SPD hält die diskutierte Einwohnergrenze dennoch für nicht überzeugend. Gerade kleinere Kommunen lebten oft besonders stark von einem ausgeprägten Gemeinschaftsgefühl. Dieses müsse sich auch im Alltag widerspiegeln können – etwa auf dem Nummernschild.
Natürlich wissen wir, dass unsere Kommunen viele wichtige Aufgaben zu bewältigen haben. Aber gerade deshalb sollte man auch Maßnahmen unterstützen, die nichts kosten und dennoch ein Stück Heimatgefühl stärken können.
Gleichzeitig betonen Partei und Kreistagsfraktion, dass die Städte und Gemeinden derzeit vor großen Herausforderungen stehen. Die Einführung neuer Kennzeichen sei daher sicher nicht das drängendste Thema. Dennoch handele es sich um eine Maßnahme, die ohne großen finanziellen Aufwand umgesetzt werden könne und eine positive Wirkung entfalten würde.
Wiedereinführung des SLE-Kennzeichens als positives Beispiel
„Natürlich wissen wir, dass unsere Kommunen viele wichtige Aufgaben zu bewältigen haben. Aber gerade deshalb sollte man auch Maßnahmen unterstützen, die nichts kosten und dennoch ein Stück Heimatgefühl stärken können“, erklärte die Kreisvorsitzende Annegret Lewak im Gespräch mit dieser Zeitung.
Als praktisches Beispiel führt die SPD die Wiedereinführung des früheren SLE-Kennzeichens an. Dieses sei im Kreis Euskirchen von vielen Bürgerinnen und Bürgern gut angenommen worden und habe sogar zusätzliche Einnahmen generiert. „Viele Menschen haben sich ganz bewusst dafür entschieden, weil es ein Stück regionaler Identität darstellt“, so Waasem.
Die SPD-Kreistagsfraktion und die Kreispartei sprechen sich daher dafür aus, die Debatte über neue kommunale Kennzeichen breiter zu führen und die bisherigen Pläne nachzubessern. Die zentrale Botschaft: Heimatverbundenheit dürfe nicht an einer festen Einwohnerzahl scheitern.
In Zülpich wurde schon vor einem Jahr über „ZÜ“ gesprochen
Ganz neu ist der Vorstoß der SPD nicht. Bereits im Januar 2025 befasste sich die Politik in Zülpich mit dem denkbaren Nummernschild „ZÜ“ für die Bürgerinnen und Bürger der Römerstadt. Da Zülpich mehr als 20.000 Einwohner hat, könnte die Diskussion dort wieder Fahrt aufnehmen. Grundsätzlich habe die Verwaltung andere und wichtigere Dinge zu tun, als sich mit einem stadteigenen Kennzeichen zu befassen, teilte Sprecher Torten Beulen im Januar des vergangenen Jahres mit.
Aber das Ganze sei für die Stadt Zülpich weder mit Kosten noch mit Arbeit verbunden. Zusätzlich sehe die Verwaltung Vorteile in Sachen Marketing. „Wichtig für uns ist, dass das ZÜ-Kennzeichen für die Bürger kein Muss wäre, sondern bestenfalls neben EU und SLE eine weitere Option. Ein ZÜ ist kein Muss, fürs Lokalkolorit wäre es aber nice to have.“

