Hinter dem witzigen Namen „Grüne Neune“ verbirgt sich ein junges Unternehmen von Lisa und Markus Schäfer. Sie betreiben einen Bauernhof in Vlatten.
„Grüne Neune“Landwirtspaar aus Heimbach-Vlatten baut Wein in Bio-Qualität an

Zwischen den Reihen der Reben im Weinberg bei Berg sind Blühstreifen angelegt.
Copyright: Ulla Jürgensonn
In einer halben Stunde soll der Hofladen eröffnen. Doch noch fehlt die Tischplatte auf den zwei Böcken, die Weinflaschen sind auch noch nicht eingeräumt. Lisa Schäfer wirkt bemerkenswert entspannt. Sie hängt Lampen auf, die kleine Tochter in einer Trage vor dem Bauch, der Sohn rangiert mit dem Rädchen im Trubel. Und erklärt vergnügt: „Deshalb heißt unser Projekt ja Grüne Neune: Weil man hier mehrmals am Tag ausrufen möchte: Ach du grüne Neune!“

Auf dem Muschelkalkboden gedeihen die Trauben gut. Angebaut werden Sorten, die resistent gegen Pilze sind und deshalb kaum gespritzt werden müssen.
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Die Hinterwälder Rinder stehen Tag und Nacht auf der Weide.
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Grüne Neune ist mehr als ein witziger Name und ein junges Unternehmen: Es ist ein Herzensanliegen von Lisa und Markus Schäfer. Sie wollen neue Wege gehen, und das am liebsten gemeinsam mit anderen. „Die Grüne Neune soll nichts Elitäres sein, sondern ein Projekt, in dem sich viele engagieren“, sagt Markus Schäfer. Der Hof in Vlatten, den er in der vierten Generation bewirtschaftet, bietet dem Landwirt eine solide Basis. Dort wird klassischer Ackerbau betrieben, mit Getreide, Raps, Hülsenfrüchten und Lupinen. Und jetzt dazu: Wein in Bio-Qualität. „Im Gegensatz zu vielen anderen im Ort hat mich mein Vater nicht für verrückt erklärt, sondern steht hinter dem Projekt“, sagt Christian Schäfer.
„Wingert“ zählt zur historischen Weinbauregion Rureifel
Dabei ist die Idee gar nicht so weit hergeholt. Die Fläche am Rand des Nachbarortes Berg trägt ja nicht umsonst die Flurbezeichnung „Wingert“. Bis 1911 sei dort Wein angebaut worden, erzählt der Jung-Winzer. Die Lage zähle zur historischen Weinbauregion Rureifel. Und es sei mehr als wahrscheinlich, dass schon die alten Römer an den Hängen Wein angebaut hätten.

In den Edelstahltanks von Christian Schäfer reift der Wein. Derzeit hat er Platz für 23.000 Liter, die Kapazität soll ausgebaut werden.
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Die letzten Handgriffe, bevor die Kunden kommen: Lisa Schäfer stellt Weinflaschen in Augenhöhe.
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Das Terroir sei günstig. Der Fachbegriff umfasst die Faktoren, die den Wein prägen, in erster Linie also Klima und Boden. Letzterer ist in diesem Fall Muschelkalk, der dem Getränk eine mineralische Note gibt. Die Südlage sorgt nicht nur für die nötige Wärme zur Beerenreife, sondern lässt auch Spätfröste gewissermaßen ins Tal abfließen.
2019 haben die Schäfers die ersten Reben gepflanzt, 100 Stück, aus denen sie 100 Liter Wein gewonnen haben. Der studierte Agrarier hat dafür noch eine Ausbildung in Sachen Weinbau gemacht. „Den Anbau kriegt man als Landwirt schon hin“, sagt er. „Aber ohne fachkundige Unterstützung hätte ich vermutlich viel Essig produziert.“ Noch heute ist es so, dass nicht jedes Experiment klappt, sich nicht jede Idee verwirklichen lässt. Davon zeugen ein paar Flaschen mit dubiosem Inhalt, die im Weinkeller stehen. Der gar kein Keller ist. In die großen Edelstahltanks passen derzeit 23.000 Liter, im kommenden Jahr soll die Kapazität aufgestockt werden. „Wir wollen die Nische, die wir entdeckt haben, weiter ausbauen.“ 25.000 Flaschen hat die Grüne Neune im vergangenen Jahr produziert. Und auch, wenn er mit dem Absatz zufrieden ist, sagt Christian Schäfer: „Das ist kein Selbstläufer.“
Rebsorten sind widerstandsfähig gegen Pilze
Der Fokus des neuen Weingutes ist klar: Qualität vor Quantität. Das Ehepaar Schäfer möchte den Weinbau anders machen, naturnäher. Deshalb setzt die Grüne Neune auf Rebsorten, die von sich aus widerstandsfähig gegen Pilze sind und lediglich mit Schwefel behandelt werden müssen. Unter anderen wird Sauvignac angebaut, die neue Rebsorte ist eine Kreuzung aus Sauvignon und Riesling.
Dass hier anders gewirtschaftet wird, sieht man dem Weinberg an. Zwischen den akkuraten Reihen der Rebstöcke grünt und blüht es. In Sichtweite steht eine Herde Hinterwälder Rinder auf der Weide. „Das ist eine alte, vom Aussterben bedrohte Rasse“, erklärt der Landwirt. Auch wenn es eine Erhaltungszucht ist, um genau das zu verhindern, wird das Fleisch doch vermarktet. Allerdings werden die Tiere nicht zum Schlachter gebracht, sondern per Weideschuss getötet.
Das Hoffest im Rittergut Vlatten hat gezeigt, dass das Konzept ankommt. Gut 300 Leute seien da gewesen, erzählt das Ehepaar. Und auch bei der Eröffnung des Hofladens – die Tischplatte liegt mittlerweile auf den Böcken, wenn auch noch nicht ganz in der Waage – füllt sich der Raum schnell. Ein kleiner Genussladen soll hier entstehen, auch der wieder ein bisschen anders, eben kein klassischer Hofladen.
Und die Kunden kommen jetzt schon aus dem weiteren Umkreis. Dorothee und Kurt Matejit haben die Weine der Grünen Neune bei der Veranstaltung Wein im Park in Düren probiert. „Er hat uns gut geschmeckt“, sagt Doris Matejit. So gut, dass sie jetzt nach Vlatten zum Einkaufen kommen.
Jeden Freitag öffnet der kleine Hofladen im Rittergut Vlatten, Merodestraße 25, von 15 bis 19 Uhr. Dort können die Kundinnen und Kunden Weine mit so originellen Namen wie Heiterkeit oder Freigeist nicht nur kaufen, sondern natürlich auch vorher probieren. Bestellungen über die Homepage sind ebenfalls möglich. Wer Interesse hat, Fleisch der Hinterwälder Rinder zu kaufen, kann sich in eine Liste eintragen und wird dann informiert, wenn die Schlachtung ansteht. Verkauft wird das Fleisch in erster Linie in Paketen zu 15 oder 25 Kilo.

Probiert und für gut befunden: Dorothee und Kurt Matejit sind aus Düren gekommen, um in Vlatten Wein zu verkosten und zu kaufen.
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Wer das Projekt der Grünen Neune nicht nur durch Weintrinken und Fleischessen unterstützen möchte, hat auch die Möglichkeit, die Patenschaft über eine Rebe – oder natürlich auch mehrere Reben – zu übernehmen. Im Weinberg findet man schon einige Schilder mit den Namen der Paten. Auch eine Führung durch den Weinberg kann man über die Homepage der Grünen Neune buchen. Dabei erfahren die Teilnehmer viel Wissenswertes über die Geschichte des Weinbaus in der Region, über die Rebsorten und darüber, wie schließlich aus den Trauben ein edler Tropfen wird. Probiert wird natürlich auch. (uj)

