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Schottischer NationalsportDie Highlander aus Hostel suchen noch weitere Atleten

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Ein Athlet der Hunting Tartans im Kilt beim Baumstammwerfen auf dem Bolzplatz in Hostel.

Beim Baumstammwerfen („Tossing the Caber“) sind Kraft und Technik gleichermaßen gefragt.

Sportbegeisterte Schottland-Fans treffen sich jeden Donnerstag auf dem Bolzplatz in Mechernich-Hostel. Interessierte sind eingeladen.

Am Bolzplatz in Hostel weht eine blaue Flagge mit einem weißen Andreaskreuz. Die schottische Fahne ist ein Hinweis darauf, welche Sportarten hier neuerdings jeden Donnerstag ab 18 Uhr betrieben werden: Louis (16) und sein Vater Ingo Hochgürtel (48) trainieren zusammen mit ein paar Gleichgesinnten verschiedene Disziplinen der Highland Games.

Louis ist trotz seines jugendlichen Alters schon ein erfahrener Akteur bei den schottischen Nationalsportarten: Im vergangenen Jahr dominierte der Schüler aus Hostel die Wettkämpfe der Deutschen Jugendmeisterschaften, wo er in der Altersklasse M16 alle Disziplinen für sich entscheiden konnte und sich somit souverän den Titel holte.

„Wir haben bislang bei einem Clan in Kreuzau trainiert, aber sportlich lief es da nicht so rund“, berichtet Schottland-Fan Ingo, der zum Trainingstermin natürlich seinen dunkelblauen Kilt mit dem typischen Tartanmuster angezogen hat: „Deshalb haben wir uns vor zwei Wochen hier in Hostel selbstständig gemacht.“

Auch Mädchen und Frauen sind beim Training in Hostel willkommen

Bislang sind es nur eine Handvoll Sportler, die auf dem sonst meist ungenutzten Bolzplatz Steine stoßen, Baumstämme werfen oder einen knapp zehn Kilo schweren Strohsack mit einer Heugabel in die Höhe wuchten, aber weitere Mitstreiter aller Altersgruppen sind herzlich willkommen. „Jeder und jede normal Sportliche zwischen 14 und 80 ist eingeladen, es einfach mal auszuprobieren“, so Clan-Chef Ingo: „Und natürlich ist das auch ein Sport für Mädchen und Frauen!“

Die Sportler der Hunting Tartans laden auf dem Bolzplatz in Hostel zum Training für die Highland-Games ein. Einige tragen schottische Kilts.

Ein starkes Team: Die „Hunting Tartans“ aus Hostel suchen neue Mitstreiter.

Der Redakteur im Schottenrock trägt einen Stein zu einem blauen Metallfass, daneben steht Louis Hochgürtel, ebenfalls im Kilt, der einen Fuß auf einen großen Stein gestellt hat.

Stilecht im schottischen Kilt versuchte sich auch Reporter Thorsten Wirtz (r.) am „Stein der Männlichkeit“.

Beim zweiten öffentlichen Training sind Maximilian Poth aus Euskirchen, Max Althoff aus dem Kreis Düren sowie Melvin und sein Vater Markus Schmidt aus Mechernich dabei. Letzterer ist von Beruf Postzusteller – kennt sich also mit dem Schleppen schwerer Lasten aus. Den „Stone of Manhood“ (auf Deutsch „Stein der Männlichkeit“) hievt er mit Leichtigkeit aufs Podest. „Unserer bringt rund 70 Kilo auf die Waage – es gibt aber auch Wettbewerbe, bei denen bis zu 130 Kilogramm schwere Gewichte zum Einsatz kommen“, so der Highland-Sportler.

Bei den Disziplinen sind Kraft, Ausdauer und Technik gefragt

Bei den verschiedenen Disziplinen sind gleichermaßen Kraft, Ausdauer und vor allen Dingen Technik gefragt. „Die Technik kann man lernen, und für die Anfänger haben wir auch immer ein leichteres Gewicht zur Hand“, sagt Louis. „Außerdem wollen wir in loser Folge einige Erklär-Videos für Facebook und Instagram zu den verschiedenen Disziplinen drehen, um Interessierten den Einstieg zu erleichtern und um zu zeigen, was wir hier eigentlich machen“, ergänzt Ingo Hochgürtel.

Das erste Video der „Hunting Tartans Eifel“ ist schon online. Hierin zeigt Louis vorbildlich, wie man beim Baumstammwurf (auf Englisch „Tossing the Caber“) vorgeht. „Wichtig ist, dass man zu Beginn im Stehen den Baumstamm mit dem oberen Trapezmuskel stabilisiert, und ihn nicht am Schlüsselbein auflegt – das gibt nämlich fiese blaue Flecken.“ Dann begibt sich Louis Stück für Stück weiter in die Hocke, bis er das untere Ende des Baumstamms mit den verschränkten Händen umfassen kann.

Dann richtet sich der Sportler wieder auf, wobei es gilt, den Baumstamm in der Balance zu halten, bevor er ein paar Schritte Anlauf nimmt, leicht vom Boden abspringt und dabei den Stamm zum Überschlag in die Höhe schleudert. „Ziel ist es, dass der Stamm mit dem dicken Ende zuerst aufkommt und anschließend in eine Zwölf-Uhr-Position fällt“, erklärt Louis.

„Strohsack-Hochwurf“ ist eine Sportart mit landwirtschaftlichem Nutzen

Wer sich fragt, welchen Sinn so eine Übung hat, der kann vielleicht der Disziplin „Strohsack-Hochwurf“ mehr abgewinnen – schließlich lässt sich hier durchaus ein landwirtschaftlicher Ursprung erkennen: Mit einer Heugabel wird dabei ein etwa neun Kilo schwerer Strohsack möglichst hoch über ein Messgestell gewuchtet. „Es gibt auch bei dieser Übung durchaus mehrere Techniken, die zum Erfolg führen“, berichtet Ingo Hochgürtel: „Wer Probleme mit dem Rücken hat, kann zum Beispiel die Heugabel auf dem Oberschenkel ablegen und diesen als Hebel nutzen.“

Ein Mann mit Kilt und rotem T-Shirt wuchtet einen roten Strohsack mit einer Heugabel in die Höhe.

Eine Disziplin mit landwirtschaftlichem Nutzwert ist der Strohsack-Hochwurf, den Clan-Chef Ingo Hochgürtel hier demonstriert.

Andere Disziplinen der Highland-Sportarten sind mit bekannten leichtathletischen Übungen verwandt, zum Beispiel der Gewichtweitwurf oder das Steinstoßen („Putting the Stone“). Im Gegensatz zum Kugelstoßen kommt hierbei jedoch keine perfekte Metallkugel, sondern ein unregelmäßig geformter Naturstein zum Einsatz, den man vor dem Stoßen zunächst einmal genau austarieren muss.

Beim Gewicht-Hochwurf heißt es „Augen auf!“

„Alle Geräte, die Steine, die Baumstämme und die Gewichte, haben wir selbst gesucht oder bearbeitet“, berichtet Ingo: „Unseren ,Stein der Männlichkeit’ habe ich zum Beispiel auf Ebay-Kleinanzeigen gesehen und dann in Strempt abgeholt.“

Eine Disziplin, vor der vor allem Anfänger Respekt haben, ist der Gewicht-Hochwurf: Der Athlet steht mit dem Rücken zum Mess-Hindernis, schwingt ein Metallgewicht zwischen den Beinen hindurch und schleudert es dann nach hinten in die Höhe. „Das ist nicht so gefährlich, wie es sich vielleicht anhört, wenn man nach dem Abwurf das Gewicht im Auge behält“, beruhigt Ingo, der Chef der „Hunting Tartans“ die Anfänger auf dem Trainingsplatz. „Ich habe jedenfalls noch nie gehört, dass ein Sportler das Gewicht auf den Kopf bekommen hat.“

Bleibt zum Schluss noch die Frage, was die Sportler unter ihrem Schottenrock tragen. Eine Frage, die traditionell von den Kilt-Trägern nicht beantwortet wird. „Wir sehen das alles nicht so verbissen“, sagt Ingo: „Wir wollen uns sportlich betätigen und einfach ein bisschen Spaß haben. Wir freuen uns, wenn noch ein paar Leute dazukommen, die es einfach mal ausprobieren wollen.“


Das Training der „Hunting Tartans“ findet an jedem Donnerstag ab 18 Uhr auf dem Bolzplatz im Mechernicher Ortsteil Hostel statt. Kontakt zu Organisator Ingo Hochgürtel per E-Mail.