Das Mechernicher Krematorium will einen zusätzlichen Ofen in Betrieb nehmen – der Ärztemangel im Euskirchener Kreis-Gesundheitsamt stellt allerdings ein Problem dar.
WachstumspläneMechernicher Krematorium will seine Kapazitäten ausweiten

Das Mechernicher Krematorium an der Elisabethhütte zwischen Bahnhof und Mühlenpark besteht bereits seit rund 14 Jahren. Die Betreiber planen eine Erweiterung um einen Ofen.
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Die Bestattungskultur unterliegt einem Wandel: Auch in der Region wollen sich die meisten Menschen einäschern lassen, statt – wie früher üblich – in einem Sarg bestattet zu werden. Bundesweit liegt die Quote der Feuerbestattungen mittlerweile bei knapp 80 Prozent. Die Vorteile liegen auf der Hand: Urnengräber benötigen weniger Fläche auf den Friedhöfen und sind in der Regel auch kostengünstiger als ein herkömmliches Reihengrab. Zumal auch die Pflege eines Urnengrabs weniger aufwendig für die Hinterbliebenen ist.
Auch die Nachfrage nach alternativen Bestattungsformen hat in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen: Baumbestattungen, wie sie von verschiedenen privaten Firmen und auch von Kommunen angeboten werden, sind beliebt – und auch hierbei muss der Leichnam zunächst kremiert werden. Da überrascht es nicht, dass Matthias Scharlau, Geschäftsführer der Krematorium Bonn-Rhein-Erft GmbH in Mechernich, den Bau eines weiteren – vierten – Ofens plant.
In Mechernich finden bereits bis zu 11.000 Kremierungen pro Jahr statt
„Heute stehen hier 48 Kremierungen auf dem Plan, damit sind wir voll ausgelastet“, so der Chef des Mechernicher Betriebs, den es seit inzwischen 14 Jahren im Bereich der Elisabethhütte zwischen Mechernicher Bahnhof und dem Mühlenpark gibt. Rund eine Stunde dauert eine Kremierung im Durchschnitt. „Bei drei Öfen und zwei Acht-Stunden-Schichten kommen wir so auf die 48 Einäscherungen“, rechnet Scharlau vor: „Jährlich sind es insgesamt zehn- bis elftausend Kremierungen, die wir hier durchführen.“

An den eigentlichen Ofen (rechts) mit seinen verschiedenen Brennkammern schließt sich die aufwendige Abgasreinigungsanlage an, in der die Rauchgase gekühlt und gefiltert werden.
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Die Brennkammer ist bereits auf 800 Grad vorgeheizt, wenn der Sarg eingefahren wird.
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Wenn alles wie geplant läuft, soll der vierte Ofen schon im kommenden Jahr in Betrieb genommen werden. Baulich müssen in dem Betrieb dafür nur geringe Anpassungen erfolgen: „Der Platz für den vierten Ofen ist schon da, auch in der Dachkonstruktion ist ein weiterer Kamin schon vorgesehen“, erklärt Scharlau. Lediglich Lagerflächen müssen angebaut werden, um den Betrieb zu erweitern.
Die höhere Kapazität ist notwendig, um die steigende Nachfrage zu decken, denn das Einzugsgebiet des Mechernicher Krematoriums ist erstaunlich groß. „Es reicht von Gangelt im Nordwesten über Aachen, Köln und Bonn bis nach Bernkastel-Kues an der Mosel im Süden“, berichtet Scharlau, der mit den meisten Bestattungsinstituten im Umkreis zusammenarbeitet. „Es gibt natürlich auch Mitbewerber“, so der Chef des knapp 20 Mitarbeitende umfassenden Teams: „Aber wir haben in der Vergangenheit stets Anfragen von weiteren Bestattern bekommen, ohne selbst groß in die Akquise gegangen zu sein.“
Ärztemangel im Kreis-Gesundheitsamt ist ein Problem fürs Krematorium
Auch der Brand, der vor knapp zwei Jahren im Mechernicher Krematorium ausgebrochen war und den Betriebsablauf in den nachfolgenden Wochen gehörig durcheinanderbrachte, habe sich nicht negativ ausgewirkt, so Scharlau: „Wir haben in dieser Zeit keinen einzigen Kunden verloren.“ Insbesondere, wenn Angehörige oder Freunde an der Kremierung teilnehmen wollen, werde Mechernich von den Bestattern gerne angesteuert, so Scharlau: „Unsere Kunden wissen, dass sie hier ansprechende Räumlichkeiten vorfinden. Das ist nicht überall so.“
Ja, die zweite Leichenschau ist tatsächlich unternehmenskritisch für uns. Aber da habe ich die klare Zusage vom Kreis, dass das wie gewohnt weiterläuft
Doch während sich das Team des Mechernicher Krematoriums über die steigende Nachfrage nach Einäscherungen freut, führt dies anderenorts zu Problemen – zum Beispiel im Gesundheitsamt der Euskirchener Kreisverwaltung: Denn vor jeder Kremierung muss eine zweite Leichenschau durchgeführt werden (siehe auch „So läuft die Kremierung ab“).
„Das ist Aufgabe eines Amtsarztes“, so der Geschäftsführer des Krematoriums weiter: „Erst wenn der seine Untersuchung abgeschlossen hat, wird der Leichnam zur Kremierung freigegeben.“ Das Problem: Dem Kreis-Gesundheitsamt fehlt ärztliches Personal. Das ist sozusagen der Flaschenhals“, so Scharlau. Ohne Leichenschau würde der Betrieb ins Stocken geraten.
Kreis Euskirchen hat Rechtsmedizin der Uni Bonn mit Leichenschau beauftragt
Landrat Markus Ramers hat sich daher in der Woche vor dem Osterfest im Rahmen eines Vor-Ort-Termins in Mechernich über das Krematorium sowie die bestehenden Abläufe informiert. In diesem Zusammenhang sei auch ein möglicher Ausbau der Anlage, konkret die Erweiterung um einen weiteren Ofen, angesprochen worden. „Grundsätzlich steht der Kreis Euskirchen einer möglichen Erweiterung offen gegenüber“, teilte Kreis-Pressesprecher Wolfgang Andres auf Anfrage mit.
Zum Ärztemangel im Gesundheitsamt hieß es, dass die vorgeschriebene zweite Leichenschau dennoch vollumfänglich für das Krematorium durchgeführt werden könne. „Aktuell bedient sich das Gesundheitsamt des Kreises aufgrund von Personalengpässen externer Unterstützung durch die Rechtsmedizin Bonn“, so Andres.
Scharlau ist darauf angewiesen, dass die zweite Leichenschau zeitnah durchgeführt wird. „Ja, das ist tatsächlich unternehmenskritisch für uns. Aber da habe ich die klare Zusage vom Kreis, dass das wie gewohnt weiterläuft“, so der Geschäftsführer.
Der Gebührensatz, das betont die Kreisverwaltung, habe sich durch die Vergabe der Aufgabe an die Bonner Rechtsmedizin übrigens für das Krematorium nicht verändert – obwohl die Uni Bonn dem Vernehmen nach eine höhere Gebühr berechnet. „Wir mussten zusätzlich aber auch die Personalkosten mit einrechnen“, erklärt Andres. Das entfalle jetzt und dadurch könne der Preis der Dienstleistung für das Krematorium stabil gehalten werden.
So läuft die Kremierung in Mechernich ab
Nach der Überführung ins Krematorium wird der Sarg gewogen, mit einem Laufzettel versehen und in einem Kühlraum aufbewahrt.
Vor der Kremierung überprüft ein Amtsarzt den Totenschein, um eine unnatürliche Todesursache auszuschließen. „Diese zweite Leichenschau ist in Deutschland vor einer Feuerbestattung gesetzlich vorgeschrieben, um einen nicht-natürlichen Tod auszuschließen, da nach der Einäscherung keine Untersuchungen mehr möglich sind“, heißt es dazu in einer Veröffentlichung des zuständigen Bundesamtes. Erst danach wird der Leichnam zur Einäscherung freigegeben.
Zur Identifikation wird ein Schamottstein mit einer individuellen Nummer auf dem Sarg befestigt. Dieser übersteht die Verbrennung und bleibt bei der Asche, um Verwechslungen auszuschließen.

Ein Schamottstein mit einer individuellen Nummer auf dem Sarg dient der Identifizierung der Asche.
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Nach dem Abkühlen der Asche wird diese in eine Aschekapsel gefüllt und zusammen mit dem Schamottstein versiegelt.
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Zur Einäscherung wird der Sarg in die auf rund 800 Grad aufgeheizte Brennkammer des Ofens eingefahren. Innerhalb weniger Sekunden entzündet sich das Holz des Sargs und die Temperatur steigt auf bis zu 1200 Grad. Persönliche, brennbare Gegenstände dürfen dem Leichnam im Sarg beigegeben werden.
Metallteile wie zum Beispiel künstliche Hüft- oder Kniegelenke und chirurgische Schrauben werden zuvor aus der Asche entfernt und der Verwertung zugeführt. „Den Erlös spenden wir an gemeinnützige Einrichtungen, zum Beispiel an Schulen“, so Geschäftsführer Matthias Scharlau.

