Ende des „illegalen Ackerbaus“Flurstück bei Roderath wird nun offiziell verpachtet

Deutlich mehr Platz zwischen Straße und Feld sollte an der Gemeindestraße zwischen Roderath und der L194 sein.
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Nettersheim-Roderath – Immer noch sorgt das Flurstück 188 für Aufregung bei den Ratsvertretern der Gemeinde Nettersheim. Eigentlich ist es nur rund 260 Meter lang und etwa einen Meter breit – und doch vermag es die Fraktionen immer wieder zu beschäftigen.
Es war die Fraktion der UNA, die Unabhängige Nettersheimer Alternative, die vor gut einem Jahr darauf aufmerksam gemacht hatte, dass entlang der Verbindungsstraße zwischen Roderath und der L 194 dieses Flurstück bestehe, das in Gemeindebesitz sei, aber von den dortigen Landwirten untergepflügt und bestellt werde. Schon mehrere Male war der Sachverhalt Gegenstand von Diskussionen im Gemeinderat. Bis zur Wahl galt auch die Aussage des vorigen Bürgermeisters Wilfried Pracht, dass diese Praxis gestoppt werden müsse.
UNA-Vorschlag abgelehnt
Prachts Nachfolger Norbert Crump brachte in den Ausschuss für Forst und Landwirtschaft eine Vorlage ein, nach der dieses Flurstück nun den betreffenden Landwirten verpachtet wird und somit wie gewohnt weitergenutzt werden kann. Mit der Ausschussmehrheit der CDU wurde die Vorlage verabschiedet.
„Mein Ansatz ist, Menschen und Partner mitzunehmen“, so Crump. Er habe mit den Landwirten gesprochen, die glaubhaft gemacht hatten, den Streifen über Jahrzehnte unwissentlich genutzt zu haben. Außerdem sei ihnen keine andere Zufahrt zu ihren Äckern möglich. „Wir lassen alles im Sinne der Landwirtschaft so, wie es ist“, sagte Crump. Er wolle keinen Präzedenzfall schaffen. Die Frage von Blühstreifen und naturnah gestalteten Banketten wolle er in Gesprächen mit der Landwirtschaft in ein Gesamtkonzept packen. „Dieser Streifen würde nicht in eine Förderung mit Blühstreifen passen, er ist aber auch kein Bankett“, sagte er.
Fläche sollte naturbelassen und in Gemeindehand bleiben
Auch im Bauausschuss wurde intensiv diskutiert. Die UNA hatte den Antrag eingebracht, die Entscheidung abzuändern und den Streifen als Ackerblühstreifen zu nutzen. „Uns liegt das am Herzen“, sagte Fraktionschef Franz-Josef Hilger. Die Fläche solle naturbelassen und in Gemeindehand bleiben. Spätestens seit 2020 sei den Landwirten bekannt, dass dies nicht ihr Grundstück sei. Es entstehe der Eindruck, Umweltschutz gelte nur etwas, wenn es Fördermittel gebe oder die Bürger ihn betreiben.
„In einer Fläche, wo viel geackert wird, brauchen wir Flächen für Insekten“, sagte Edwin Poth, Vorsitzender der UNA. Auch die SPD zeigte sich kompromissbereit. „Warum sagt man den Landwirten nicht, sie sollen die Fläche nicht mehr bearbeiten, und sät sie dann ein?“, so Gerhard Mayer. Seine Fraktion sei gegen die Verpachtung.
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Die CDU-Fraktion hielt dagegen. „Ich plädiere dafür, die Kirche im Dorf zu lassen und nicht die Landwirte einer illegalen Nutzung zu bezichtigen. Wie unverschämt ist das?“, sagte Josef Falkenberg. Man sollte das so lassen, wie es ist, da sei alles in Ordnung. „Wir sind pro Landwirtschaft“, sagte auch Crump.
Im Bauausschuss wurde mit der Mehrheit der CDU der Antrag der UNA auf naturnahe Gestaltung des Streifens abgelehnt, so dass es beim Plan für die Verpachtung bleibt.



