Große Herausforderungen, gelungene Premiere
Das Stück: keine leichte Komödie, sondern richtig harter Tobak. Die Schauspieler: eine Laientruppe – manche stehen gar zum ersten Mal vor Publikum auf der Bühne. Die Location: eine Schulaula ohne fest verbaute Bühnentechnik. Drei Gründe, warum die Premiere der aktuellen Produktion der Theaterschule Nettersheim so richtig in die Hose hätte gehen können. Um es gleich zu sagen: Sie tat es nicht, am Ende gab es stehende Ovationen für die 14 Darstellerinnen und Darsteller und das gesamte Team.
„Die Generalprobe war eine echte Generalprobe“, berichtet Heidrun Grote, was wohl heißen soll, dass dabei noch nicht alles wie am Schnürchen lief. Das tat es dann aber bei der Premiere in der vollbesetzten Aula der Gesamtschule Eifel. „Es war dann auch einfach Zeit, dass die Truppe ihr Publikum bekommt“, so die Chefin der Theaterschule, die bei der Aufführung die Gesamtleitung innehatte. Unterstützt wurde Grote von Renate Kraemer bei der Schauspielregie.
Familienfeier mit erschütterndem Geheimnis
„Das Fest“ von Thomas Vinterberg – vor mehr als 30 Jahren als Film der Dogma-Bewegung ein verstörend-beeindruckendes Kinoerlebnis – erzählt die Geschichte einer Familie des dänischen Großbürgertums: Der 70. Geburtstag von Familienoberhaupt Helge (den Axel Taschenmacher mit rheinischem Einschlag in der Sprache, aber mit großer Ernsthaftigkeit gibt) soll auf dem Familiensitz gebührend gefeiert werden.
Während sich die Gästeschar auf ein großes Fest mit bekannten Ritualen freut, lässt der älteste Sohn Christian (Stephan Wrycz) die Bombe platzen: Er und seine inzwischen verstorbene Schwester Linda wurden als Kinder vom Vater sexuell missbraucht. Es ist das große Geheimnis der Familie, über das bislang von allen Beteiligten beharrlich geschwiegen wurde.
Beratungsangebote begleiten die Aufführungen
„Ein Familiendrama über Macht, sexuelle Gewalt und das Ende des Schweigens“ – diesen Untertitel hatten Grote und ihr Ensemble für die insgesamt drei Aufführungen gewählt. „Uns war es wichtig, im Rahmen der Aufführungen auch ein Beratungsangebot zu machen“, so die Theatermacherin weiter. Zwei Mitarbeiterinnen des Vereins „Freuen helfen Frauen im Kreis Euskirchen“ waren bei der ausverkauften Premiere am Samstag mit einem Infostand und Gesprächsangeboten vor Ort; bei der nächsten Aufführung wird die Euskirchener Polizei mit Expertinnen aus dem Team Kriminalprävention und Opferschutz vertreten sein.
Ensemble wächst über sich hinaus
Darstellerisch wuchs das Ensemble bei der Premiere über sich hinaus: Jona Koch als der jüngste Sohn Michael war bei seinem engagierten und kraftvollen Spiel anzumerken, dass er Ambitionen hat, das Hobby Schauspiel zu seinem Beruf zu machen. Stefan Cordes füllte seine kleine Rolle als Onkel Leif mit großer Präsenz, und auch Nebenfiguren wie Tante Margit (Anne Obertreis) und Tante Kathie (Carmen Schröder-Meissner) trugen zum Erfolg der Aufführung bei – letztere auch mit gekonntem Spiel auf der Ziehharmonika.
Weitere Darsteller waren Franziska Ender, Caya Tesch, Karin Freymuth, Katja Zimmermanns, Emily Marx, Kerstin Diedrich, Uschi Grab und Bettina Sauer. Anke und Mia Kaufmann sowie Jöran Vincenz bauten eine passende Bühne und ein stimmiges Lichtkonzept zusammen. (thw)
Tickets für die weiteren Aufführungen
Tickets für die beiden Aufführungen am Samstag, 7. November (19 Uhr) und Sonntag, 8. November (17.30 Uhr) sind noch erhältlich.
theaterschule-nettersheim.de

