Im November 2018 war die Aula des Schleidener Gymnasiums abgebrannt. Jetzt ist an ihrer Stelle eine Bürgerhalle entstanden.
Nach BrandAus der Schulaula ist die Schleidener Bürgerhalle geworden

Die neue Sleidanushalle im Johannes-Sturmius-Gymnasium, die Bürgerhalle von Schleiden, konnte eröffnet werden.
Copyright: Stephan Everling
Träumen ist bekanntlich immer noch erlaubt, und manchmal werden diese Träume tatsächlich wahr. Auch wenn es etwas länger dauern kann: Sieben Jahre hat es gedauert, bis aus der Brandruine, in die das Feuer in der Nacht zum 16. November 2018 die Schulaula des Johannes-Sturmius-Gymnasiums (JSG) verwandelte, die neue Bürgerhalle der Stadt Schleiden erwachsen ist. „Phönix aus der Asche“ habe das Motto des damaligen Abijahrgangs gelautet, erinnerte Schleidens Bürgermeister Ingo Pfennings in der Eröffnungsrede.
Genau so erscheint es, auch wenn nicht viel an die alte Schulaula erinnert. Etwas kürzer, dafür aber breiter, mit großen Fensterflächen, die den Blick in Richtung Schulhof und in Richtung Driesch freigeben, präsentiert sich die neue Bürgerhalle. Auch wenn der Ort der gleiche geblieben ist, so hat das Heimbacher Architekturbüro abph doch viel verändert.

Für musikalische Unterhaltung sorgten bei der Eröffnungsfeier der Lumora-Chor der Musikschule Schleiden und der junge Pianist Jacques Eber.
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Fünf Meter breiter als vorher ist die Halle und kragt über das Gebäude hinaus, so dass 400 Quadratmeter zur Verfügung stehen, die von 395 Personen genutzt werden können. Die gesamte Halle wurde quasi um 180 Grad gedreht. Dort, wo vorher die Bühne war, ist nun der Eingang mit einem Garderobenbereich. Hier ist auch eine Gastrotheke zu finden, während an der Wand, in der vor dem Brand der Eingang war, nun die Bühne steht.
Mit barrierefreiem Zugang und neuer Tontechnik ausgestattet
Wer früher in die Aula wollte, musste den Weg durch die Schule nehmen. Stattdessen führt jetzt der Hauptzugang durch das vordere Treppenhaus, über das auch die Stadtbibliothek erreichbar ist. Hier befindet sich der Aufzug, der den barrierefreien Zugang garantiert. Hinter der Bühne wurde ein Backstagebereich integriert. Natürlich wurde die neue Bürgerhalle auch mit aktueller Licht- und Tontechnik ausgestattet.

Hell und einladend ist die neue Bürgerhalle, die an dem Ort der zerstörten Schulaula erbaut wurde.
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Davon konnten sich die mehr als 300 Besucher selbst überzeugen konnten, die zur offiziellen Eröffnungsfeier gekommen waren. Die habe schnell angesetzt werden müssen, da der aktuelle Abijahrgang sich bereits darauf freue, hier seinen Abiball feiern zu können, so Pfennings. Mit musikalischen Beiträgen des Klaviertalents Jacques Eber auf dem neuen, gymnasiumseigenen Konzertflügel und des Lumora-Chors der Musikschule Schleiden unter der Leitung von Pascal Lucke wurde die Eröffnungsveranstaltung gestaltet.
Beim Haupt-Act aber war gute Laune angesagt. Auf Vorschlag des Kämmerers und Ersten Beigeordneten der Stadt Schleiden, Marcel Wolter, war Martin Schopps engagiert worden. Der aus dem Karneval bekannte Redner unterhielt über eine Dreiviertelstunde das Publikum mit einem wahren Feuerwerk an Gags. Sieben lange Jahre hat die Bauzeit gedauert – ungefähr so lange, wie es in der Stadt Köln dauere, bis der Bauantrag gelesen worden sei, kommentierte Schopps sarkastisch.
Bürgermeister lobt die mutigen Entscheidungen
Doch die Gründe für die Verzögerung waren in Schleiden anderer Natur als bürokratische Trägheit. Denn die Entscheidung, statt einer simplen Rekonstruktion die Substanz des Gebäudes zu verbessern und modernen Bedürfnissen anzupassen, sei zügig und mutig gewesen, betonte Pfennings. Doch durch Corona und vor allem die Flutkatastrophe im Juli 2021 habe es viele Verzögerungen gegeben.
Kurz nach dem Brand habe er noch Teile der Entscheidungen von der Besuchertribüne aus verfolgt, da er noch nicht im Amt gewesen sei, so Pfennings. Sein Vorgänger Udo Meister habe da die Stellung gehalten. „Dass die Brandanschläge nicht das Ende der Schule mit einer stolzen, 160-jährigen Tradition bedeutet haben, ist mutigen Entscheidungen und einem gewaltigen, gemeinschaftlichen Kraftakt zu verdanken“, erinnerte er.

Der Hausherr, Schulleiter Georg Jöbkes sprach bei der Eröffnung.
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Bürgermeister Ingo Pfennings lobte die getroffenen Entscheidungen.
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Dr. Ralf Nolten, damals Landtagsabgeordneter für Schleiden, sei es gewesen, der Treffen im Kommunalministerium mit dem damaligen Staatssekretär Jan Heinisch, Ministerin Ina Scharrenbach und Fachmitarbeitern organisiert habe. Mit drei Förderpaketen sei die Baumaßnahme vom Land NRW unterstützt worden. „Das hätten wir aus eigener Kraft wahrscheinlich so nicht geschafft“, sagte der Bürgermeister. Insgesamt werde der Wiederaufbau des Johannes-Sturmius-Gymnasiums inklusive der Sanierung der Oleftalhalle rund 25 Millionen Euro kosten.
Für uns als Schule ist es wichtig, dass wir die Aula nun wieder zur Verfügung haben.
Besonders dem Leiter des Hochbauamtes der Stadt, Armin Fischbach, sei es zu danken, dass die Bauphase erfolgreich abgeschlossen werden konnte. „Für uns als Schule ist es wichtig, dass wir die Aula nun wieder zur Verfügung haben“, sagte Schulleiter Georg Jöbkes. Er erinnerte daran, dass die Sanierungsarbeiten an der alten Aula praktisch am Tag der Brandstiftung abgeschlossen worden seien, indem neue Vorhänge und eine neue Bestuhlung installiert worden seien.
Bereits in der Brandnacht hätten die Schüler die Hashtags kreiert, die die Verbundenheit mit „ihrem“ Gymnasium gezeigt hätten: #wirsinddasjsg und #mehralseingebäude. Damit hätten die Schüler deutlich gemacht, dass für sie Schule im Kern nicht nur baulich gemeint sei, sondern vielmehr das Miteinander bedeute. „Wir haben in der Woche nach dem großen Brand in der Grenzlandhalle in Hellenthal gemeinsam zu Mittag gegessen und so erlebt, wie wichtig diese Gemeinschaft ist“, sagte er.
Mit vielen Gags lockerte der Redner Martin Schopps die offizielle Eröffnungsatmosphäre schnell auf. Als Lehrer war er in der Schulaula gleich auf heimischem Parkett unterwegs und brachte immer wieder Gags über Schule, über Lehrer und über Schüler. So mokierte er sich über Vornamen, die die Kinder teilweise selber nicht aussprechen können, wie „Bruzeli Schmitz“, der eigentlich Bruce Lee hieß.
Auch Helikoptereltern bekamen ihr Fett weg, wie die, die regelmäßig ihren Sohn zum Babyschwimmen führen. „Dabei ist der zwölf Jahre alt, ich wusste gar nicht, dass man beim Babyschwimmen so oft sitzenbleiben kann!“, so Schopps. Auch Tiktok-Influencer bekamen ihr Fett weg, die bei „Wer wird Millionär“ mit Schulden nach Hause gingen. Souverän gelang es ihm, eine Verbindung mit dem Publikum herzustellen, so dass die Zuhörer ihn erst nach zwei Zugaben wieder von der Bühne ließen.
Zwei Bewohner konnten sich nur mit einem Sprung aus dem Fenster retten
Der Brand des Städtischen Johannes-Sturmius-Gymnasiums in der Nacht zum 16. November 2018 war der aufsehenerregendste in einer Reihe von Brandstiftungen, für die in Tateinheit mit versuchten Mordes in zwei Fällen im November 2019 ein damals 15-jähriger ehemaliger Schüler des JSG zu viereinhalb Jahren Jugendhaft verurteilt wurde.
Insgesamt sieben Taten gestand der Jugendliche, der unter anderem auch das evangelische Pfarrheim in Hellenthal in Brand steckte, wobei beinahe die angrenzende Kirche mit abgebrannt wäre, sowie ein Wohnhaus in Oberhausen. Dort hatten zwei Bewohner sich nur mit einem Sprung aus einem Fenster im Obergeschoss retten können. Über mehrere Monate hatte die Brandserie die Bevölkerung in Unruhe versetzt. Erst im Juni 2019 konnte der Jugendliche gefasst werden.
