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Tiererhebung35.000 Bilder aus dem Nationalpark: Die Eifel macht bei Europas Tierzählung mit

Aus 60 Standorten liefert die Nationalparkverwaltung 35.000 Fotofallenbilder für „Snapshot Europe“, die größte offene Wildtiererhebung des Kontinents.

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Heimischer Offenland- und Waldbewohner: Ein Feldhase vor der Fotofalle im Nationalpark Eifel.

Europaweites Netzwerk für Wildtiere

Wie entwickeln sich die Bestände von Säugetieren und Vögeln in Europa, und wie reagieren Tiere auf menschliche Einflüsse? Um diese Fragen europaweit zu beantworten, vereint das Netzwerk „Snapshot Europe“ über 20 Länder in der größten frei zugänglichen Wildtiererhebung Europas. Die Nationalparkverwaltung Eifel unterstützt die Initiative laut eigener Mitteilung mit Fotofallendaten aus dem Nationalparkgebiet: Bislang gibt es von 60 Standorten insgesamt 35.000 Aufnahmen.

„Durch die Teilnahme an diesem Projekt stellen wir unsere Daten aus dem Nationalpark Eifel direkt in einen europäischen Zusammenhang“, erklärt Biogeograph Sönke Twietmeyer von der Nationalparkverwaltung. „Wir sehen dadurch nicht nur, wie sich die Populationen vor unserer Haustür entwickeln, sondern verstehen auch besser, wie der Nationalpark Eifel als Rückzugsort im europäischen Schutzgebietsnetz wirkt.“

Fotofallen nach einheitlichen Kriterien

Wildtiere stören sich nicht an Ländergrenzen – gerade deshalb sind international standardisierte Forschungsprojekte besonders wichtig. Snapshot Europe wurde 2021 vom Max-Planck-Institut für Tierverhalten gemeinsam mit dem Forschungsnetzwerk Euromammals ins Leben gerufen, um genau diese Lücke zu schließen.

Jedes Jahr von Anfang September bis Ende Oktober stellen seitdem über 160 Fachleute sowie Hunderte Freiwillige in Wildnisgebieten, Wäldern, Parks und Städten Fotofallen nach standardisierten Kriterien auf. Die Kameras erfassen damit eine große Bandbreite an Arten – von kleinen Nagetieren bis hin zu Braunbären.

Auswertung der ersten beiden Jahre

Das Expertenteam hat nun die standardisierten Daten der ersten beiden Jahre (2021 und 2022) ausgewertet: über 100.000 Beobachtungen an mehr als 1000 Standorten in 20 Ländern. Die Auswertung erfolgt auf der Plattform „Wildlife Insights“, wo eine integrierte Künstliche Intelligenz Tiere automatisch voridentifiziert, bevor Experten die Bestimmung prüfen. Am häufigsten wurden Rothirsche und Rehe erfasst, gefolgt von Wildschweinen, Rotfüchsen und Wildkaninchen.

Wildschwein auf Nahrungssuche.

„Wir haben atemberaubende Bilder von Wildtieren, von Alpenlandschaften über spanische Strände bis hin zu den Hügeln Irlands“, erklärt Erstautorin und wissenschaftliche Koordinatorin Dr. Fabiola Iannarilli. „Diese Vielfalt wird selten in einem öffentlichen Datensatz erfasst, daher ist Snapshot Europe eine einzigartige Informationsquelle für kontinentale Forschungsfragen.“

Die Ergebnisse verdeutlichen regionale Unterschiede in ganz Europa: Während Belgien die höchste Dichte täglicher Beobachtungen, vor allem Europäische Kaninchen, verzeichnete, wies der Parco Nazionale Casentino in Italien mit 15 dokumentierten Arten – darunter Wölfe, Marder, Dachse und Rothirsche – die höchste Artenvielfalt auf.

Gebietsfremde Arten wie der Waschbär

Zudem helfe der offene Datensatz dabei, die Verbreitung gebietsfremder Arten nachzuvollziehen, so die Forscher. So konnten Waschbären – eine ursprünglich aus Nordamerika stammende Art – in Deutschland, Italien und der Tschechischen Republik nachgewiesen werden.

Aktuell wertet das Forschungsteam die Ergebnisse der Jahre 2023 bis 2025 aus. Durch die jährliche Wiederholung werden Vergleiche über einen längeren Zeitraum möglich, sodass ein Bild davon entsteht, wie sich die Wildpopulationen in Europa verändern. Das Modell dient mittlerweile als Blaupause für die weltweite Initiative Snapshot Global, an der sich bereits Länder wie Japan, Brasilien, Chile und Paraguay beteiligen. (thw)