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Geige aus 30.000 Jahre altem HolzTurban spielt Paganini

Der Geiger Ingolf Turban entführte beim „Serenade“-Konzert im Kunstforum Eifel rund 80 Gäste mit Virtuosität und Wissen in Paganinis Welt.

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Virtuos interpretierte Ingolf Turban die Musik von Nicolo Paganini.

Ingolf Turban begeisterte bei seinem Auftritt im Kunstforum Eifel in Gemünd.

Mit einem Abend hochklassiger Musik fand am Freitag der zweite Termin der aktuellen Reihe der „Serenade“-Konzerte im Kunstforum Eifel in Gemünd statt. Mit Ingolf Turban hatte die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (GfW) der Stadt Schleiden einen großen Namen verpflichten können. Denn Turban gehört zu der absoluten Spitzenklasse an Sologeigern. Mit einem Programm aus Werken des legendären italienischen Violinisten Niccolò Paganini sorgte er für einen begeisternden Abend. Den Kontakt zu dem Spitzenmusiker hatte die Kuratorin der Veranstaltungsreihe, Lydia Lehan-Fisk, hergestellt.

Nicht nur Musik hatte Turban mitgebracht, sondern auch sein ganzes Wissen über den Musiker, der im Übergang vom 18. ins 19. Jahrhundert lebte, und dazu gleich eine ganze Reihe von Erinnerungsstücken an den einstigen Stargeiger. Viel zu erzählen wusste Turban und ließ dabei deutlich werden, welche Freude es ihm macht, Menschen in die Welt der klassischen Musik zu entführen.

Eine Geige mit 30.000 Jahre altem Holz

Auch das Instrument, das Turban benutzt, ist eine Besonderheit, wie er im Gespräch vor der Veranstaltung offenbarte. „Die Geige ist gleichzeitig alt und neu“, verriet er. Denn während das Instrument in der Hauptsache aus normalem Fichtenholz gefertigt wurde, besteht der Boden des Instrumentes aus mindestens 30.000 Jahre altem Kauri-Holz aus einem Hochmoor in Neuseeland. „Das Holz hat unter Wasser und ohne Sauerstoff viel Geduld gehabt, um zu einem Geigenboden zu werden“, erläuterte Turban. „Das Holz ist von der Maserung her unglaublich fein, auffallend engrippig“, berichtete er.

Im Wechsel mit der Stradivari von 1721

Und so spiele er das Instrument auch im Wechsel mit seiner Stradivari aus dem Jahr 1721. „Ich habe eine Reihe Bach-Solo-Abende gegeben, und habe mal eine Partita mit der einen Geige, dann wieder eine Sonate mit der anderen gespielt“, erzählte er. Das Publikum sei jedes Mal fasziniert gewesen, weil beide Instrumente ihre ganz eigenen, großen Qualitäten hätten.

„Gesang für die Geige“: Paganini jenseits der Virtuosität

Eine Reine von Originaldokumenten und ein Abguss der Hand hatte Ingolf Turban mitgebracht.

Briefe von Niccolò Paganini.

An den Vorzügen der Schleske-Geige konnten sich an diesem Abend die Zuhörer genauso erfreuen wie an den virtuosen Fähigkeiten des Münchener Geigenprofessors. Doch auch seine Musikalität kam dabei zur Geltung. „Jenseits des immer noch reizvollen Spieltriebs, das will ich ja nicht verleugnen, steckt für mich bei Paganinis Werken immer eine unglaublich reine Kantabilität dahinter“, sagte er. Paganini sei für ihn einfach „Gesang für die Geige“.

Das finde er so spannend, denn es erinnere an die Opernmusik aus dem 18. Jahrhundert, auch unter dem Einfluss des Komponisten Giachino Rossini, der ein Freund Paganinis gewesen sei. „Schnelle Finger haben viele“, so Turban. Doch die Seele im Spiel habe zum Beispiel auch den Komponisten Franz Schubert so überzeugt, der nach einem der ersten Auftritte Paganinis in Wien gesagt habe: „Mir war, als hätte ich einen Engel singen hören.“ Von wegen Teufelsgeiger, wie Paganini oft werbewirksam genannt wurde. Sein Leben lang arbeite er am Werk von Paganini, bekundete Turban. „Das ist ja nie zu Ende, bis der Deckel zu ist“, sagte er augenzwinkernd. Seine ersten Töne von Paganini habe er mit zwölf Jahren gespielt.

Briefe und ein Gipsabdruck der Hand des „Teufelsgeigers“

Neben Original-Briefen von Paganini, darunter einem seiner Mutter von 1826, mit denen er die Stimmung der Zeit darstellen wollte, hatte Turban auch einen Gipsabdruck der fast skelettierten Hand des „Teufelsgeigers“ mitgebracht. Die habe er von der Familie Paganini als Dank erhalten für die Rolle in dem Kinofilm „Paganinis Geheimnis“ von 2006, in dem er den großen Geiger verkörpert hatte. „Diese Hand verdeutlicht, wie zierlich der Mann war“, so Turban.

Ein Konzert ohne festes Programm

Ohne festgelegtes Programm, einfach nach Ansage, führte Turban die rund 80 Zuhörer in die Welt von Niccolò Paganini ein. Angefangen mit der 13. Caprice, ließ Turban mit Virtuosität sowie musikalischem Fachwissen und Einfühlungsvermögen die Welt des italienischen Ausnahmeinstrumentalisten für einen Abend wieder auferstehen.