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Veränderungen in der SessionNeue Tradition steht in Gemünd vor ungewisser Zukunft

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Das Tanzcorps der Großen Allgemeinen aus Köln tanzt auf der Bühne des Kursaals in Gemünd.

Gardetanz mit spektakulären Flugeinlagen zeigte das Tanzcorps der Großen Allgemeinen Karnevalsgesellschaft aus Köln.

Der Vorstellabend des Stammtisches Kölner Karnevalisten in Gemünd macht allen Beteiligten Spaß. Doch die Finanzen könnten ein Problem werden.

Jemönk Alaaf, und das im September. Mit dem Präsentationsabend des Stammtisches Kölner Karnevalisten im Kursaal in Gemünd hat die KG Rot-Weiß Gemünd vielleicht eine neue Tradition in der Eifel begründet. Zweimal fand der Abend nun in Gemünd statt, plus die Premiere vor zwei Jahren in Nettersheim: Nach Eifeler Lesart ist das Tradition.

Und zugleich eine Win-Win-Win-Situation. Für die Bands und Redner: Sie können ihre neuen Programme live erproben und sich für die Session empfehlen. Für die Literaten und Programmgestalter: Sie können die Künstler in der Live-Situation erleben und auswählen. Fürs Publikum: Die Wartezeit bis zum Elften im Elften wird mit einem abwechslungsreichen Programm verkürzt, wie es in der Session nur selten erlebt werden kann. 160 Zuschauer wollten sich diese Chance nicht entgehen lassen – mehr als im vergangenen Jahr.

In Gemünd haben die Redner auch am späten Abend noch eine Chance

Während es in den großen wie kleineren Sitzungen oft darum geht, das Publikum ununterbrochen auf den Stühlen zu halten, ist dies eine etwas andere Art des Karnevals. Es geht ein bisschen ruhiger zu, es treten erstaunlich viele Redner auf. Auch abends um 23 Uhr haben die noch die Chance, dass ihre Gags noch wahrgenommen werden – was im üblichen Karnevalsbetrieb eher selten der Fall ist.

Das heißt aber nicht, dass die Stimmung deshalb irgendwie schlechter wäre. Die Laune im Saal war blendend, während Harald Voß als „Jeck noh Note“ mit Gitarre und Krätzchen auftrat. Als „Huusmeister vom Bundesdaach“ hatten Axel Foppen und Frank Fander mit ihrem politischen Programm die volle Aufmerksamkeit des Publikums.

Ein mit einer altertümlichen Polizeiuniform verkleideter Mann steht auf der Bühne im Kursaal in Gemünd und spricht in ein Mikrofon.

Jede Menge Gags hatte der „Närrische Polizist“ Reiner Roos vorbereitet.

Zwei Männer stehen auf einer Bühne und sprechen in Mikrofone. Einer spielt Gitarre.

Ein Zwiegespräch voll aktueller politischer Gags boten die „Huusmester vom Bundesdaach“.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Hans-Dieter Hahn-Möseler. Er ist Vorsitzender und Baas des Stammtisches. Und den Eifelern bestens bekannt als Botz im Rednerduo „Botz un Bötzje“. „Es war letztes Jahr so schön hier, da sind wir gerne wiedergekommen“, sagte er. Er hatte als Redner auch „Ne Kleinkarierte“ alias Elmar Marburg und den „Närrischen Kommissar“ Reiner Roos mitgebracht. Mit ihrer Musik standen Famölsch, die Domstadtbande, Timo Schwarzendahl und die Altreucher auf der Bühne. Neben den Kinder- und Jugendtanzgruppen der Kammerkätzchen und Kammerdiener sowie den Höppemötzjer waren das Tanzcorps der Großen Allgemeinen Karnevalsgesellschaft von 1900 und das Tanzkorps Blaue Jungs dabei.

Der besondere Reiz des Vorstellabends ist, dass viele Gruppen in die Eifel kommen, wozu an den turbulenten Sitzungsabenden in der Session ob der Entfernung keine Gelegenheit ist. Wie auch das Tanzkorps der Großen Allgemeinen, für deren Präsidenten der Besuch im Kursaal als gebürtiger Eifeler Ehrensache ist. „Ich komme aus Schützendorf und wohne auch noch hier“, sagte Markus Meyer. Bereits im vergangenen Jahr zeigten die Tänzer seiner KG ihr Programm im Kursaal. Sie seien gerne wiedergekommen. „Wir fühlen uns wohl hier“, so der Vorsitzende. Die Vorstellabende seien durch die Anwesenheit der Literaten wichtig für seine Gesellschaft, so Meyer: „Wir haben über solche Abende Engagements bekommen.“

An den tollen Tagen wird nicht mehr im Zelt gefeiert

„Wir mögen solche Auftritte gern, denn da sind wir näher am Publikum“, sagte Detlef Kaczmarczyk, Gitarrist der Band Domstadtbande, die von den Zuhörern so gefeiert wurde, dass eine Zugabe unvermeidlich war. „Das ist ungewöhnlich auf Vorstellabenden“, freute er sich über die gute Resonanz. Auch ihm dürfte Gemünd in bester Erinnerung bleiben.

Doch ob trotz der Begeisterung eine Wiederholung des Abends möglich ist, wollte Gerd Schmitt, Vorsitzender der KG Rot-Weiß Gemünd, am Abend noch nicht versprechen. „Wir brauchen eine schwarze Null“, sagte er im Hinblick auf den finanziellen Aspekt des Abends. Im vergangenen Jahr habe die Veranstaltung 116 zahlende Gäste gehabt, dieses Mal seien es dankenswerterweise mehr. „Aber das ist eine tolle Veranstaltung, wir würden es im nächsten Jahr gerne wieder machen“, betonte er.

Die finanziellen Mittel werden immer knapper – das hat in Gemünd schon Konsequenzen. „Wir werden in der kommenden Session kein Festzelt mehr auf dem Marienplatz haben“, so Schmitt. Die Sitzungen finden ohnehin im Kursaal statt, nun seien auch die Veranstaltungen zum Straßenkarneval dorthin verlegt worden. Durch die Übernahme des Betriebs durch die stadteigene Gesellschaft GfW sei das problemlos möglich gewesen. „Die Räume bieten mehr, und ein Zelt war nicht zu finanzieren“, so Schmitt. Alleine 1500 Liter Heizöl seien an den fünf tollen Tagen verbraucht worden – bei den derzeitigen Preisen sei das kaum zu stemmen.