Als Reaktion auf steigenden kosten hebt die Musikschule Schleiden ihre Gebühren an. Kinder bekommen mit der Entdeckungsreise ein neues Angebot.
Wegen steigender KostenMusikschulzweckverband Schleiden erhöht die Gebühren

Ensembles der Musikschule Schleiden wie der Lumora-Chor treten bei vielen Veranstaltungen im Kreis Euskirchen auf.
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Leicht steigende Schülerzahlen, ein neues Angebot und ein erweiterter Online-Bereich: In der Musikschule Schleiden gibt es einige positive Entwicklungen. Sorgen bereiten dagegen die steigenden Kosten, die angesichts einer gleichbleibenden Förderung des Landes nur mit Anhebungen der Gebühren aufgefangen werden können, und die schwierige Suche nach neuen Lehrkräften.

Bestimmen die Geschicke des Musikschulzweckverbands: (v.l.) Frank Rack, Norbert Crump und Ingo Pfennings.
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Die Musikschule hat aktuell knapp 1500 Schüler und 30 Lehrkräfte. „Die Gebühren werden in diesem Jahr im Schnitt um 3,25 Prozent angehoben“, erklärte Musikschulleiter Frank Rack bei der Verbandsversammlung des Musikschulzweckverbandes Schleiden im Schleidener Rathaus. Höher fällt die Steigerung allerdings bei der musikalischen Früherziehung (von 24 auf 28,50 Euro für 45 Minuten) und bei der Eltern-Kind-Gruppe (von 19 auf 24,50 Euro für 45 Minuten) aus. Die Steigerungen bezeichnete Rack insgesamt als „gemäßigt“: „Andere Musikschulen haben die Gebühren gleich um zehn Prozent oder noch mehr angehoben.“ Der Haushalt 2026 schließt mit Einnahmen und Ausgaben von knapp 871.000 Euro. Damit liegt der Ansatz gut 70.000 Euro über dem des Vorjahres.
Wettbewerb mit benachbarten Musikschulen nimmt zu
Auch die Mietgebühren für Musikinstrumente steigen von 5,10 Euro auf 10 Euro im ersten und bis zu 25 Euro im dritten Jahr. „Die Kosten für Reparaturen oder Neuanschaffungen von Instrumenten sind deutlich in die Höhe gegangen“, nannte Rack den Grund für die Anhebung. „Hinzu kommt, dass die Instrumente auch entsprechend gelagert werden müssen“, ergänzte der Schleidener Bürgermeister Ingo Pfennings, der als Verbandsvorsteher ebenso bestätigt wurde, wie sein Nettersheimer Pendant Norbert Crump als Vorsitzender der Verbandsversammlung.
Ein Grund für die Gebührensteigerungen ist die Tatsache, dass Honorarkräfte an Musikschulen nach dem sogenannten Herrenberg-Urteil des Bundessozialgerichts fest angestellt werden müssen. „Im vergangenen Jahr wurde die erste Lohnangleichung auf den Weg gebracht. Zusätzliche Schritte wurden für 2026 und 2027 beschlossen“, sagte der Musikschulleiter.
Man befinde sich bei den Lehrern auch zunehmend in einem Wettbewerb mit den benachbarten Musikschulen. „Mehr als zehn Lehrkräfte sind oder gehen bald in Rente. Viele machen zwar weiter, reduzieren aber ihre Stundenzahl“, sagte der Musikschulleiter. Neue Lehrkräfte in die Eifel zu locken sei nicht leicht: „Man muss denen schon ein ordentliches Stundenkontingent anbieten können, damit es sich für sie auch lohnt und sie sich nicht woanders bewerben.“
Kinder können mehrere Instrumente ausprobieren
„Die Belastung für die Eltern wird von Jahr zu Jahr steigen. Es besteht die Gefahr, dass Musik bald zu einer elitären Angelegenheit wird“, warnte Mechernichs Bürgermeister Michael Fingel. „Wir werden schlucken müssen, dass sich viele Kinder die Gebühren nicht mehr leisten können“, so der Bürgermeister.
„Wir kriegen zu wenig Zuschüsse vom Land. Deshalb werden entweder die Eltern oder die Kommunen mehr zahlen müssen“, sagte Pfennings. Die Kommunen könnten angesichts klammer Kassen nicht mehr bezahlen. Möglichkeiten, Ausgaben zu reduzieren, sehe er auch nicht: „Der Verwaltungsapparat der Musikschule ist schon sehr schlank gehalten.“
Neu im Angebot der Musikschule ist die sogenannte Entdeckungsreise. „Sie ist ein Bindeglied zwischen den ersten Begegnungen mit Musik im elementaren Sektor und dem späteren Einzel- oder Gruppenunterricht und bietet als Fortführung der musikalischen Früherziehung die Möglichkeit, alle gängigen Instrumente in Kleingruppen oder größeren Ensembles auszuprobieren“, führte Rack aus. Zudem werden das Zusammenspiel und das Gehör für die spätere Mitwirkung in Band oder Orchester geschult.
Die Eifeler Musiktage, die die Musikschule im Jahr 2024 zum ersten Mal an drei Tagen in Schleiden und Gemünd durchgeführt hatte, will Rack künftig als Festival etablieren: „Die Musiktage sollen eine ganze Woche lang dauern, und es sollen Veranstaltungen in allen Kommunen des Zweckverbands angeboten werden.“ Er sei gerade in der Planung für das laufende Jahr. Stattfinden sollen die Musiktage vom 16. bis zum 22. November.
Dem Musikschulzweckverband Schleiden gehören die Städte Schleiden, Mechernich und Zülpich sowie die Gemeinden Blankenheim, Dahlem, Hellenthal, Kall und Nettersheim an. Seit fast 50 Jahren gibt es eine breitgefächerte und hochwertige Ausbildung.
Neben einem flächendeckenden Angebot im Bereich der elementaren Musikpädagogik und einem Instrumentalunterricht ist die Musikschule Bildungspartner von einer Vielzahl von Schulen und Kindertageseinrichtungen. Ihre Ensembles treten bei vielen Veranstaltungen im Kreis Euskirchen auf.
