Dr. Theo Rüber und eine internationale Abordnung des Vereins Casa Hogar reisten zur Verleihungszeremonie nach Kolumbien.
Verein Casa HogarEuskirchener erhielt hohen Orden im kolumbianischen Parlament

Überreicht bekam Dr. Theo Rüber (r,) den Orden im kolumbianischen Parlament in Bogota von Dr. James Nosquero Torres.
Copyright: privat/James Nosquero Torres
Es ist die höchste Auszeichnung, die das kolumbianische Parlament vergeben kann: der „Orden de la Democracia Simón Bolívar“, der jüngst dem aus Euskirchen stammenden Arzt und Neurowissenschaftler Dr. Theo Rüber ans Revers geheftet wurde. Stellvertretend für alle, die mitwirken an der Arbeit des Vereins Casa Hogar in der kolumbianischen Krisenregion Chocó.
Die Überraschung und Freude über die Anerkennung sei groß gewesen, sagt Theo Rüber. Doch die Vorstellung, ohne die Menschen, um die es eigentlich gehe, zur feierlichen Übergabe zu reisen, habe ihm nicht so gut gefallen. Am Ende war es eine rund 50-köpfige internationale Delegation, die zur Zeremonie im Kongress erschien. Darunter auch Mädchen afrokolumbianischer und indigener Abstammung, denen durch die Arbeit von Casa Hogar Schulbildung und auch Zugang zu einem Studium ermöglicht wird.
Auch Mädchen aus den Wohnheimen ergriffen das Wort im Parlament
Und so kam es auch, dass nicht nur Dr. James Nosquero Torres, ein Staatsmann Kolumbiens in der Art eines Ministerpräsidenten des Chocó, und Theo Rüber eine Ansprache bei der Verleihungszeremonie hielten, sondern auch die Schülerinnen zu Wort kamen, die in Wohnheimen von Casa Hogar leben. Sie berichteten im Kongress aus erster Hand, wie sich ihr Leben seit ihrer Aufnahme in die Projekte verändert hat.
Und weil Casa Hogar eng verknüpft ist mit Musik, gab es auch musikalische Beiträge – von Harfenistin und Casa-Hogar-Kulturbotschafterin Magdalena Hoffmann und dem britischen Tenor Andy Staples. „Und dann war auch noch ein Salsa-Tänzer aus der Region anwesend. Es gab also sogar noch eine Tanzeinlage im Kongress, bei der ich mitmachen durfte“, erzählt Theo Rüber lachend.

Besuch des Casa-Hogar-Teams bei einer indigenen Gemeinschaft, die von bewaffneten Rebellen vertrieben wurde und von dem Verein unterstützt wird.
Copyright: El Murcy/Casa Hogar

Die Kinder einer indigenen Gemeinde, die nur über den Flussweg erreichbar ist.
Copyright: El Murcy/Casa Hogar
Die hohe Auszeichnung des kolumbianischen Parlaments erhielt Casa Hogar für seinen Einsatz für Bildung und Empowerment von Mädchen und Frauen im strukturell benachteiligten Departamento Chocó. In den zehn Jahren, die der Verein nun aktiv ist, konnten 7200 Mädchen und Frauen aus dieser Region unterstützt werden. Über 22.000 Angehörige wurden mit der Arbeit indirekt erreicht.
An Plänen, wie die Projekte weiter ausgebaut werden können, mangelt es dem Casa-Hogar-Team auf beiden Seiten des Atlantiks nicht. Derzeit wird intensiv daran gearbeitet, in Istima eine Begegnungs- und Wohnstätte zu bauen. Hier soll nicht nur für eine weitere größere Anzahl von Mädchen ein sicheres Zuhause entstehen, sondern vor allem ein Ort für die gesamte Gemeinde: „Ein Raum des friedlichen Austauschs für alle Chocoanerinnen und Chocoaner“, heißt es in der Projektbeschreibung.
Wir wollen ja nicht nur ein Dach über den Kopf schaffen, sondern etwas, mit dem sich die Menschen, die dort leben, identifizieren können.
An den Planungen mitgewirkt haben die gesamte Gemeinde und die aktuellen Bewohnerinnen des Mädchenwohnheims, sodass ihre Vorstellungen den Bau mitprägen werden. „Dieses Lokalkolorit halte ich für extrem wichtig. Wir wollen ja nicht nur ein Dach über den Kopf schaffen, sondern etwas, mit dem sich die Menschen, die dort leben, identifizieren können“, sagt Theo Rüber. Die Gelder für solch große Bauvorhaben zu akquirieren, sei nicht einfach. Aber es gebe eine Menge Menschen, die sich einbringen. „Und dabei ist die Rentnerin, die zehn Euro spendet, genauso wichtig wie jemand, der sich um unsere Homepage kümmert oder ein Benefizkonzert spielt“, so Theo Rüber.
Anderthalb Stunden hat die Zeremonie der Ordensverleihung gedauert. „Es war eine schöne Erfahrung“, sagt Rüber, der in dem Orden weniger ein schmückendes Beiwerk sieht als vielmehr etwas, das Casa Hogar strategisch nutzen kann. „Wir haben dadurch eine Art Gütesiegel erhalten und Aufmerksamkeit erlangt, die wiederum in einen Vorteil für die Mädchen umgewandelt werden kann“, so Rüber. Er hofft, durch die Berichterstattung in den nationalen Leitmedien, auch in der kolumbianischen Gesellschaft mehr Sichtbarkeit zu erlangen. Die Spenden, mit denen der Verein arbeite, kämen bisher fast nur aus Europa.
Bildung für Mädchen und Frauen
In Lateinamerika spricht man von „casa hogar“, wenn man „Zuhause“ oder „Heimat“ meint, einen sicheren Ort also, der Geborgenheit bietet. Ein passender Name für die nichtstaatliche Organisation zur Entwicklungszusammenarbeit, die Dr. Theo Rüber nach einem Praktikum in einem Krankenhaus in Cali gründete.
Seit Ende 2015 engagiert sich Casa Hogar im Bereich der Bildung für Mädchen und Frauen im kolumbianischen Krisengebiet Chocó. Die Region im Nordwesten Kolumbiens ist geprägt von infrastruktureller Vernachlässigung, Armut und gewaltsamen Konflikten zwischen Rebellengruppen. Casa Hogar unterstützt vor allem Schülerinnen und Studentinnen aus entlegenen Gebieten. In eigens gegründeten Wohnheimen finden sie ein sicheres Zuhause und können auf ihre Schul- beziehungsweise Studienabschlüsse hinarbeiten. Ziel ist es, den Mädchen und Frauen ein selbstbestimmtes Leben ohne Ausbeutung und Missbrauch zu ermöglichen.
Aus der kleinen Gruppe von Freundinnen und Freunden ist in den vergangenen zehn Jahren ein ‚gemeinnütziger Verein‘ mit knapp 100 engagierten Ehrenamtlichen und einer Geschäftsstelle mit zwei hauptamtlichen Angestellten geworden. Mittlerweile gibt es über 40 Projekte, die Casa Hogar in enger Zusammenarbeit mit den Projektpartnern vor Ort umgesetzt hat oder derzeit umsetzt.
Neben schulischer und akademischer Bildung bietet Casa Hogar auch Workshops zu Themen wie sexuelle Aufklärung oder Frauen- und Kinderrechte an, bei denen auch Männer eingebunden werden. Auch ein Schutzhaus für Frauen, die von Gewalt betroffen sind, wird unterstützt. Sie erhalten dort weiterführende Hilfe und psychologische Unterstützung.