Euskirchen und Weilerswist teilen sich einen neuen Blitzer – für mehr Sicherheit auf Schulwegen und vor Kitas statt für höhere Einnahmen.
99 Vergehen vor KitaBlitzergemeinschaft zwischen Euskirchen und Weilerswist nimmt Fahrt auf

Die Stadt Euskirchen zieht ein erstes, positives Fazit über ihre Blitzergemeinschaft.
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Die Blitzergemeinschaft Euskirchen/Weilerswist hat Fahrt aufgenommen. Seit Mitte November machen die beiden Kommunen bei den Geschwindigkeitskontrollen gemeinsame Sache und haben einen semi-stationären Blitzer angeschafft.
Nach Angaben von Weilerswists Bürgermeister Dino Steuer sind allein in einer Woche 99 Geschwindigkeitsüberschreitungen registriert worden. „Besonders der Standort an der Triftstraße, direkt vor einer Kita, wurde von den Anwohnern positiv aufgenommen“, berichtet der Verwaltungschef. Wie Tim Nolden, Pressesprecher der Stadt Euskirchen, auf Anfrage mitteilt, wurden in Euskirchen Verstöße im hohen dreistelligen Bereich festgestellt.
Blitzergemeinschaft ist ein gutes Beispiel interkommunaler Kooperation
Für Steuer ist die interkommunale Zusammenarbeit zwischen seiner Gemeinde und der Kreisstadt ein gutes Beispiel dafür, wie einfach Kommunen Hand in Hand arbeiten können. „Politik muss nah am Bürger sein“, sagt Steuer, der bereits nach zwei Monaten im Amt feststellen durfte, wie vielfältig das Amt des Bürgermeisters ist. Gerade diese Vielfalt macht für ihn den besonderen Reiz aus. „Ein Bürgermeister ist nicht nur für Akten und Entscheidungen zuständig, sondern vor allem für die Menschen“, so Steuer.
Der Austausch vor Ort sei ein zentraler Bestandteil seiner Arbeit und Grundlage für Vertrauen und Nähe. Ein erstes wichtiges Thema war der Erhalt verkehrsberuhigter Bereiche in Weilerswist-Süd mit vielen jungen Familien sowie Seniorinnen und Senioren. „Das Ergebnis zeigt, dass man mit Dialog und gegenseitigem Verständnis gute Lösungen für alle erreichen kann“, sagt Steuer.
Wenn wir am Ende draufzahlen, wäre uns das am liebsten.
Neben diesen kommunalpolitischen Aufgaben nimmt die Verkehrssicherheit einen hohen Stellenwert ein. Hintergrund sei, so Steuer, dass Beschwerden über zu schnelles Fahren zu den häufigsten Anliegen der Bürger zählen. Wie der Verwaltungschef berichtet, soll der Blitzeranhänger vor allem an besonders sensiblen Stellen wie Schulwegen, Kita-Umfeldern oder Seniorenheimen zum Einsatz kommen. Auch Euskirchens Bürgermeister Sacha Reichelt betont, dass es bei der Aktion nicht um Einnahmen gehe, sondern um die Prävention von Unfällen. „Wenn wir am Ende draufzahlen, wäre uns das am liebsten“, sagt Reichelt.
Der Blitzer kann mehrere Tage an einem Standort bleiben. Die Standorte werden nach verkehrssicherheitsrelevanten Kriterien ausgewählt, jedoch bewusst nicht veröffentlicht, um einen nachhaltigen Lerneffekt zu erzielen. Wer bereits mehrfach geblitzt wurde, fährt dauerhaft vorsichtiger – so die Erfahrung der beiden Bürgermeister. Alle Bußgeldbescheide – auch die für Weilerswist – werden aus organisatorischen Gründen von der Stadt Euskirchen verschickt.
Die Gerätekosten liegen laut den Verwaltungschefs bei rund 4500 Euro monatlich und werden über ein Leasingmodell getragen. Eine Entscheidung, die auch das Vandalismusrisiko abfedern soll, da im Schadensfall ein Ersatzgerät bereitgestellt werden kann. Die Kosten teilen sich die beiden Kommunen im Verhältnis drei Viertel (Euskirchen) zu einem Viertel (Weilerswist). Der Blitzeranhänger wird zwischen beiden Kommunen im Verhältnis zur Einwohnerzahl aufgeteilt und nahezu rund um die Uhr im Einsatz sein.
Laut Pressesprecher Nolden ist es bisher nicht zu Vandalismusfällen am neuen Blitzeranhänger gekommen. „Der Blitzeranhänger stand bisher überwiegend vor Schulen und Kitas in Flamersheim, der Kernstadt, Weilerswist, Wißkirchen und Kuchenheim“, berichtet Nolden auf Anfrage.


