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Bis zum Sommer zuHeinos Manager wettert wegen des Stadttheaters gegen die Stadt Euskirchen

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Das Luftbild zeigt das Euskirchener Stadttheater.

Das Stadttheater von Euskirchen bleibt mindestens bis zu den Sommerferien geschlossen. Die Sicherheit könnte durch Mängel an der Dachkonstruktion eingeschränkt sein.

Die Stadt Euskirchen widerspricht den Ausführungen von Heinos Manager. 14 Veranstaltungen müssen mindestens verschoben werden.

Jetzt also bis zu den Sommerferien – mindestens. So lange bleibt das Euskirchener Stadttheater wegen möglicher statischer Mängel in der Dachkonstruktion des Gebäudes aus den 1960er-Jahren geschlossen. „Nach aktueller gutachterlicher Aussage sind umfangreichere Gebäudeprüfungen am Stadttheater nötig, so dass weiterhin vorsorglich keine Veranstaltungen dort stattfinden können“, sagt Tim Nolden, Pressesprecher der Stadt Euskirchen.

Entsprechend werde die Sperrung bis zu den Sommerferien aufrechterhalten. Die zugrundeliegende gutachterliche Einschätzung stammt aus einem Termin am 30. April gegen 17 Uhr. Nolden nutzt dabei auch das Wort „zunächst“. Es ist also nicht auszuschließen, dass die letzte verbliebene kulturelle Veranstaltungsstätte auch nach dem 20. Juli nicht zur Verfügung stehen wird. Eine verlässliche Einschätzung zum weiteren Zeitablauf sei derzeit nicht möglich.

14 Veranstaltungen mit 16 Terminen von Schließung betroffen

Für geplante Veranstaltungen im Stadttheater gilt daher bis auf Weiteres: Der Stadtbetrieb Kultur ist mit allen Veranstaltern im Gespräch und sucht nach alternativen Lösungen für jede einzelne Veranstaltung. Aktuell betroffen sind 14 Veranstaltungen mit insgesamt 16 Terminen. „Wir bedauern die aktuelle Lage sehr. Unser Dank gilt allen Betroffenen für das Verständnis und die Zusammenarbeit“, so Nolden.

Die Stadt betont zugleich, dass sie bewusst eine flexible Vorgehensweise gewählt habe. Man sei „auf Sicht gefahren“, heißt es aus der Verwaltung. Ziel sei es gewesen, nur unbedingt notwendige Absagen oder Verlegungen auszusprechen.

Aus Sicht der Stadt sei es vorzugswürdig, Veranstaltungen mit kürzerem Vorlauf anzupassen, als vorschnell Termine zu streichen, die sich im Nachhinein womöglich als haltbar erwiesen hätten. Dieses Vorgehen solle sowohl Sicherheit als auch eine möglichst hohe Planungssicherheit für Besucher und Veranstalter gewährleisten.

Manager ist nicht nur sauer, sondern enttäuscht

Doch genau dieses Verständnis ist nicht mehr bei allen Veranstaltern und Managern ausgeprägt. So ist der Manager von Heino, der Österreicher Helmut Werner, nicht nur sauer, sondern enttäuscht. Er spricht von einer schwierigen und aus seiner Sicht unzureichend kommunizierten Situation.

Demnach sei die Stadtverwaltung erst vor Kurzem auf den Veranstalter zugekommen und habe mitgeteilt, dass der Spielbetrieb eingeschränkt oder verlegt werden müsse. Im Fall des Konzerts von Heino nach Meckenheim. Die Veranstaltung war nahezu ausverkauft, lediglich etwa 30 bis 40 Karten seien noch verfügbar gewesen.

Ein Teil des Publikums ist sicherlich in einem Alter, in dem man nicht mal spontan mit dem Auto eine solche Strecke fährt.
Helmut Werner, Manager von Heino

Dass der Auftritt des Volksbarden nun in der rund 30 Kilometer entfernten Jungholzhalle stattfindet, stößt bei Helmut Werner auf Kritik. „Ein Teil des Publikums ist sicherlich in einem Alter, in dem man nicht mal spontan mit dem Auto eine solche Strecke fährt“, so der Manager. Der Beginn des Konzerts um 18 Uhr bleibe gleich, heißt es vom Veranstalter.

Stadt widerspricht Manager Die Stadt weist diese Darstellung zumindest teilweise zurück. Aus zahlreichen Rückmeldungen von Karteninhabern gehe hervor, dass der überwiegende Teil der Besucher ohnehin mit dem Auto anreisen wollte und nun statt nach Euskirchen nach Meckenheim fahre. Die zusätzlichen Wege seien zwar mit Umständen verbunden, insgesamt aber lösbar. Anderslautende Aussagen aus dem Umfeld des Künstlers verwunderten daher.

Stadt könnte laut Manager Transportmöglichkeiten stellen

Heinos Manager bemängelt insbesondere die kurzfristige Verlegung sowie die aus seiner Sicht fehlende organisatorische Unterstützung durch die Stadt, etwa bei der Beförderung der Besucher. „In solchen Fällen könnte die Stadt schon Transportmöglichkeiten wie Busse organisieren, um insbesondere älteren Konzertbesuchern die Anreise zu ermöglichen“, sagt der Manager. Der Veranstalter kritisiert zudem die Kommunikation der Stadtverwaltung scharf. Man habe den Eindruck, dass die Verantwortung weitgehend auf die Produktionsfirma und die Ticketkäufer abgewälzt werde.

Die Stadt widerspricht auch diesem Eindruck und verweist auf zahlreiche Gespräche mit Betroffenen. In den Telefonaten mit Besuchern und Veranstaltern stoße man „beinahe ausschließlich“ auf Verständnis und Kooperationsbereitschaft.

Bürgermeister Sacha Reichelt betont zudem die regionale Verbundenheit des Künstlers: „Heino ist eine Person der Heimat mit vielen Anhängern in Euskirchen und Umgebung.“ Sollte es dennoch Gesprächsbedarf geben, sei man jederzeit zu einem direkten Austausch bereit.

Besonders problematisch sei, so der Manager, die mögliche finanzielle Dimension für den Veranstalter: Durch Rückgaben von Eintrittskarten könnte ein erheblicher, möglicherweise sechsstelliger Schaden entstehen. Der Manager rechnet mit einer hohen Rückgabequote, da der neue Veranstaltungsort für viele Besucher als zu weit oder unzumutbar gelten könnte.

„Das Konzert wird sicherlich nicht so gut besucht sein, wie es in Euskirchen der Fall gewesen wäre“, so Helmut Werner. Die Stadt geht jedoch nach eigener Einschätzung davon aus, dass Regressforderungen kein Thema sein werden.