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Naherholung und LernortErftaue in Euskirchen ist nun Teil des Naturparks Rheinland

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Das Bild zeigt die Erftaue in Euskirchen.

Naherholung, Natur pur und Lernort: Die Erftaue in Euskirchen ist zur grünen Lunge der Stadt geworden.

Areal in Euskirchen ist mit dem Grünen Klassenzimmer nun in den Naturpark Rheinland integriert. Erftbastei und Pumpenhaus werden umgebaut.

Das Grüne Klassenzimmer in der Erftaue ist ab sofort als „Naturpark-Zentrum Erftaue“ Teil des Netzwerks der Naturpark-Zentren im Naturpark Rheinland. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung unterzeichneten am Dienstag Landrat Markus Ramers in seiner Funktion als stellvertretender Verbandsvorsitzender und Euskirchens Bürgermeister Sacha Reichelt. Ziel der Zusammenarbeit ist es, die Umweltbildungsangebote in der Region besser zu verzahnen, gemeinsam weiterzuentwickeln und stärker zu bewerben.

Das Euskirchener Zentrum reiht sich damit in ein bestehendes Netzwerk ein, zu dem bereits Einrichtungen in Rheinbach, Bonn und Erftstadt gehören.„Die Kooperation ist ein starkes Signal“, betonte Ramers. Naturparke leisteten einen wichtigen Beitrag zur außerschulischen Bildung und stärkten das Bewusstsein für Natur und Landschaft direkt vor der eigenen Haustür.

Bedeutung der Bildungsarbeit wurde bei der Flut deutlich

Die Bedeutung dieser Bildungsarbeit ist spätestens seit der Flutkatastrophe im Juli 2021 deutlich geworden. Auch in Euskirchen wurden die Folgen des Klimawandels damals auf drastische Weise sichtbar. „Die Auswirkungen standen uns hier unmittelbar vor Augen“, sagte Bürgermeister Reichelt. Umso wichtiger sei es, insbesondere bei jungen Menschen ein Verständnis für nachhaltigen Klimaschutz und Klimafolgenanpassung zu schaffen.

Mit der unmittelbar nach dem Hochwasser vor fast fünf Jahren renaturierten Erft biete die Erftaue dafür ideale Voraussetzungen, so der Verwaltungschef. Wo früher ein begradigter Kanal verlief, ist heute ein naturnaher Lebensraum entstanden. „Früher fand ich den Kanal gut. Heute muss ich meine Meinung revidieren. So, wie es jetzt ist, ist es viel schöner“, berichtete Reichelt: „Erst jetzt sieht man, welches Potenzial wirklich in diesem Ort steckt.“ Die Verbindung aus Hochwasserschutz, Biodiversität und Naherholung mache das Gebiet zu einem besonderen Standort – möglicherweise sogar einzigartig im Stadtgebiet.

Seit 2012 ist das Grüne Klassenzimmer ein Lernort

Im Mittelpunkt steht das Grüne Klassenzimmer, das bereits seit 2012 als außerschulischer Lernort besteht und Schulen sowie Kindertagesstätten unterstützt. Tausende Kinder und Jugendliche haben in der Erftaue bereits praktische Naturerfahrungen gesammelt.

Das Bild zeigt Euskirchens Bürgermeister Sacha Reichelt, der sich den Inhalt der Lernkiste erklären lässt.

Auch Quietscheentchen fördern die ökologische Bildung.

Das Bild zeigt die Verantwortlichen des Kreises Euskirchen, der Stadt Euskirchen und des Naturparks Rheinland beim Gruppenfoto.

Das Grüne Klassenzimmer ist nun Teil des Naturparks Rheinland. Dafür gab es Brief und Siegel.

Mit einem Fördervolumen von rund 1,1 Millionen Euro entsteht im Rahmen des Projekts „BINA“ (Biodiversität und Nachhaltigkeit in Euskirchen) ein umfassendes Natur- und Bildungszentrum. Geplant ist unter anderem der Umbau bestehender Gebäude wie des ehemaligen Pumpenhauses des Euskirchener Freibads und der Erftbastei in der Erftaue.

Bildungsarbeit soll auf den Erwachsenenbereich ausgeweitet werden

Künftig sollen dort nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene angesprochen werden. Ziel sei es, Umweltbildung breiter aufzustellen und das Bewusstsein zu stärken, dass jeder Einzelne Einfluss auf Natur und Klima hat. „Auch Erwachsene können noch viel lernen“, sagte Simon Gammersbach von der Stadt Euskirchen.

Deshalb werden im Bereich des Veybachparks auch Mustergärten angelegt, in denen sich Interessierte Inspirationen für die eigene Gartengestaltung holen können. Zudem ist in der Erftaue – in Richtung Tennisplätze – eine Aussichtsplattform anlegt worden. Von der aus kann die Fauna noch einmal anders beobachtet werden.

Was draußen in wenigen Minuten verstanden wird, braucht im Klassenzimmer oft Wochen.
Markus Ramers, Landrat und ehemaliger Lehrer

Das pädagogische Konzept setze bewusst auf praktische Erfahrungen. „Kinder – und vielleicht auch Erwachsene – stehen im Wasser der Erft, untersuchen Tiere oder messen Strömungsgeschwindigkeiten“, so Gammersbach. Am Dienstagnachmittag betrug die Wassertemperatur der Erft übrigens zehn Grad. „Was draußen in wenigen Minuten verstanden wird, braucht im Klassenzimmer oft Wochen“, sagte Landrat Markus Ramers, der als ehemaliger Lehrer diese Erfahrung während seiner Paukerzeit selbst gemacht habe, berichtete er.

In der Erftaue in Euskirchen bestimmen Schülerinnen und Schüler bei Gewässeruntersuchungen Kleinstlebewesen oder berechnen ökologische Indizes – Inhalte, die direkt an den Unterricht anschließen, erklärte Alessandra Esser-Thul, Leiterin des BNE-Regionalzentrums. BNE steht für Bildungsangebote zur nachhaltigen Entwicklung.

Das Bild zeigt einige Enten, die sich auf dem Wasser der Erft treiben lassen.

Hier lässt es sich schwimmen: Auch Enten genießen die Erftaue.

Doch was hat die Stadt Euskirchen davon, nun Teil des Naturparks Rheinland zu sein? Durch die Aufnahme in das Netzwerk ergeben sich weitere Vorteile: Die Stadt kann auf die Erfahrungen anderer Naturpark-Zentren zurückgreifen, etwa bei der Entwicklung von Bildungsangeboten oder organisatorischen Fragen.

Gleichzeitig sollen Synergien genutzt und Doppelstrukturen vermieden werden. „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden“, so Reichelt. Der Naturpark unterstütze künftig bei Programmen für Schulklassen, Kitas, Familien und Erwachsenengruppen, berät zu Fördermöglichkeiten und bietet Schulungen für Mitarbeitende an. Im Gegenzug wolle die Stadt die Öffentlichkeitsarbeit des Naturparks stärken.

Dabei sei vielen Menschen die Bedeutung von Naturparken kaum bewusst. Deutschlandweit bedecken sie rund 30 Prozent der Fläche, in Nordrhein-Westfalen sogar etwa 44 Prozent. Anders als Nationalparks verbinden sie Naturschutz mit Tourismus, Erholung und Bildung – eine Kombination, die gerade im Klimawandel an Bedeutung gewinnt.

Auch touristisch birgt der Standort Potenzial: Die Lage am Rand der Innenstadt sowie die Anbindung an den Erftradweg und nahe gelegene Freizeiteinrichtungen machen das Zentrum für Besucher attraktiv. Künftig soll das Naturzentrum nicht nur Bildungsort, sondern auch Informations- und Begegnungsstätte sein – mit Ausstellungen und Veranstaltungen etwa.


Erdbeeren auf dem Schulhof gepflanzt

Nicht nur im Grünen Klassenzimmer in der Erftaue wird Natur gelehrt. Am Emil-Fischer-Gymnasium ist nun auch der Schulhof ein wenig grüner geworden. Die Schulgarten-AG hat unter der Federführung von Lehrer Dr. Karsten Rütten im Bereich der Fahrradstellplätze nun Erdbeeren angepflanzt.

Das Bild zeigt drei Schülerinnen, die Erdbeerpflanzen einpflanzen.

Die Garten-AG des Emil-Fischer-Gymnasiums (EFG) hat den Schulhof begrünt. Die Mitglieder der Schulgarten-AG haben einige Erdbeeren und anderen Pflanzen auf dem Areal gepflanzt.

Auch andere Pflanzen sollen in den kommenden Wochen den bisher doch recht tristen Schulhof in diesem Bereich aufwerten. Unterstützt wurden die Schüler der Schulgarten-AG von Jan Niklas Flintrop von Gala-Bau NRW. „Wir möchten damit aktiv einen Schritt Richtung Klimaschutz machen“, sagt Jana Menninga, die am Emil-Fischer-Gymnasium für die Pressearbeit zuständig ist. 


Stadtverwaltung Euskirchen fordert Kreisverwaltung im Pickleball heraus

In der Erftaue kann man sich nicht nur erholen oder die Natur genießen. Man kann dort auch Sport treiben. Vor knapp einem Jahr hat die Stadt im Bereich des ehemaligen Freibads ein Pickleball-Feld eröffnet. Das Feld hat die Größe eines Badminton-Doppelfelds. Die Schläger ähneln etwas zu groß geratenen Tischtennisschlägern, die aber dann doch keine Tennisschläger werden durften.

Dafür erinnern Netz und Regeln an Tennis. Der gelochte Plastikball gleicht optisch ebenfalls dem vom Tennis, ist aber eben aus Plastik und durch die Löcher deutlich langsamer. Gezählt wird hingegen wie beim Tischtennis bis elf – punkten kann aber nur derjenige, der den Aufschlag hat.

Wir wollen in dem Spaßduell zeigen, dass Pickleball von jedem gespielt werden kann.
Sacha Reichelt

Nun soll es dort zum Duell zwischen dem „SV Stadt Euskirchen“ und dem „1. FC Kreisverwaltung“ kommen. Euskirchens Bürgermeister Sacha Reichelt hat Landrat Markus Ramers zu einem Pickleball-Duell zwischen den Verwaltungen herausgefordert. Doch nicht nur die Verwaltungschefs selbst wollen zum Schläger greifen.

„Wir wollen in dem Spaßduell zeigen, dass Pickleball von jedem gespielt werden kann“, so Reichelt. Landrat Ramers hat die Herausforderung bereits angenommen. Wann das sportliche Duell mit Mitarbeitenden beider Verwaltungen stattfinden wird, steht noch nicht fest.