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Offene GanztagsschuleKommunen im Kreis Euskirchen fordern mehr Unterstützung

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In Euskirchen wird die GGS Weststadt erweitert - auch, weil ab Sommer 2026 ein Rechtsanspruch auf OGS-Betreuung besteht.

In Euskirchen wird die GGS Weststadt erweitert - auch, weil ab Sommer 2026 ein Rechtsanspruch auf OGS-Betreuung besteht.

Der Ausbau für den kommenden Rechtsanspruch im Schuljahr 2026/27 läuft. Doch die mangelnde Finanzausstattung und fehlendes Personal bereiten Probleme und Sorgen.

Der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz in der Grundschule ab dem Schuljahr 2026/27 rückt näher. In den Kommunen des Kreises Euskirchen laufen seit Jahren umfangreiche Vorbereitungen – von millionenschweren Bauprojekten über neue Raumkonzepte bis hin zu organisatorischen Anpassungen im laufenden Betrieb. Trotz unterschiedlicher Ausgangslagen eint die Städte und Gemeinden ein zentrales Fazit: Der Rechtsanspruch kann erfüllt werden – doch die Herausforderungen bei Finanzierung und Personal bleiben erheblich.

Bad Münstereifel: 175 OGS-Plätze sind belegt

In Bad Münstereifel sieht Bürgermeister Sebastian Glatzel seine Stadt auf einem guten Weg. Derzeit sind 175 OGS-Plätze belegt, der Bedarf kann vollständig gedeckt werden – bislang musste kein Kind abgewiesen werden.

Gleichzeitig laufen die Planungen für die nächsten Schritte. So sollen bestehende OGS-Räume teilweise saniert, renoviert und durch eine optimierte Möblierung sowie neues Inventar attraktiver gestaltet werden. Zudem ist vorgesehen, Räume verstärkt multifunktional nutzbar zu machen, um Unterricht und Ganztagsbetreuung enger zu verzahnen.

Ein Zukunftsprojekt ist der geplante Grundschulneubau in der Kernstadt, für den der Rat bereits den Grundstein gelegt hat. Dabei wird der steigende Raumbedarf durch den Rechtsanspruch von Anfang an berücksichtigt. Geplant sind unter anderem auch Begegnungsräume für Lehrkräfte und OGS-Personal, um die Zusammenarbeit im Alltag zu verbessern.

Wir brauchen eine konsequente Umsetzung des Konnexitätsprinzips – also die Übernahme der Kosten für die geforderten Maßnahmen.
Sebastian Glatzel, Bürgermeister der Stadt Bad Münstereifel

Aktuell steht zudem die Sanierung der sanitären Anlagen an der Grundschule Bad Münstereifel an, die in den Sommerferien umgesetzt werden soll. Generell versucht die Stadt, Bauarbeiten möglichst in die Ferien zu legen, um den Schulbetrieb nicht zusätzlich zu belasten – eine organisatorische Herausforderung, gerade nach den intensiven Jahren der Flutfolgen und paralleler Digitalisierungsmaßnahmen.

Als größte Hürden nennt Glatzel neben den komplexen Bauabläufen vor allem die Finanzierung: „Wir brauchen eine konsequente Umsetzung des Konnexitätsprinzips – also die Übernahme der Kosten für die geforderten Maßnahmen.“ Auch zusätzliche Mittel für Personal seien notwendig. Unabhängig davon betont die Stadt, dass der Rechtsanspruch an allen Grundschulstandorten umgesetzt werden könne.

Blankenheim: Neue Kapazitäten werden geschaffen

Deutlich stärker im Ausbau befindet sich die Gemeinde Blankenheim. Bürgermeisterin Jennifer Meuren plant mit rund 120 OGS-Kindern im Schuljahr 2026/27 – und einer vollständigen Versorgung. Dafür entstehen am Hauptstandort neue Kapazitäten: Ein Anbau mit vier Klassenräumen, zusätzlichen Differenzierungsbereichen und sogenannten Flex-Zonen soll moderne Lern- und Betreuungsformen ermöglichen. Im Anschluss werden auch der Bestand saniert und der Verwaltungstrakt erweitert.

Die 200.000 Euro sind ein Tropfen auf den heißen Stein.
Jennifer Meuren, Bürgermeisterin der Gemeinde Blankenheim

Parallel treibt die Gemeinde am Standort Dollendorf einen Neubau voran – ein Förderantrag im Rahmen des Programms „Rheinisches Revier“ ist laut Bürgermeisterin gestellt. Insgesamt rechnet die Kommune mit Investitionen von rund zehn Millionen Euro. Die bisherige Förderung bewertet Meuren kritisch: „Die 200.000 Euro sind ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Nach Abschluss der Maßnahmen sieht sie Blankenheim dennoch „top aufgestellt“.

Dahlem: Größere Maßnahmen sind derzeit nicht erforderlich

Die Gemeinde Dahlem meldet eine entspannte Ausgangslage. Aktuell nutzen 51 Kinder die OGS, der Bedarf könne vollständig gedeckt werden. Größere Maßnahmen bis 2026 seien nicht erforderlich.

Land und Bund geben die Vorgaben – die Kommunen müssen es kurzfristig umsetzen und finanzieren.
Jan Lembach, Bürgermeister der Gemeinde Dahlem

Perspektivisch plant die Gemeinde jedoch einen grundlegenden Umbau hin zu einer sogenannten Clusterschule mit offenen Lernlandschaften, die flexibel für Unterricht und Ganztagsbetreuung genutzt werden können. Bürgermeister Jan Lembach kritisiert dabei deutlich die politische Ebene: „Land und Bund geben die Vorgaben – die Kommunen müssen es kurzfristig umsetzen und finanzieren.“

Euskirchen: Derzeit laufen mehrere Bauprojekte

In Euskirchen zeigt sich die Dimension des Themas besonders deutlich. Rund 1170 Kinder – etwa 49 Prozent aller Grundschulkinder – besuchen derzeit die OGS. Nach Angaben der Stadt entspricht das dem tatsächlichen Bedarf, der bislang vollständig gedeckt werden könne. Um auch künftig ausreichend Plätze vorzuhalten, laufen mehrere konkrete Bauprojekte: Erweiterungen an der KGS Franziskusschule, der GGS Weststadt sowie an der Schule an der Hardtburg am Standort Kirchheim. Zudem ist die Erweiterung der GGS Kuchenheim in Planung.

Während die bauliche Entwicklung voranschreitet, rückt ein anderes Problem zunehmend in den Fokus: die Gewinnung von Personal. Gleichzeitig fordert die Stadt verlässlichere finanzielle Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie.

Hellenthal: Kurze Fristen erschweren verlässliche Planung

In Hellenthal sind derzeit rund 70 OGS-Plätze belegt, weitere Kapazitäten können bei Bedarf kurzfristig geschaffen werden. Die Gemeinde plant den Ausbau im Rahmen der laufenden Grundschulentwicklung und setzt auf eine stärkere Integration der OGS in den Schulalltag.

Schwierigkeiten bereiten vor allem die Rahmenbedingungen der Förderprogramme: Kurze Fristen für Antragstellung und Umsetzung erschweren eine verlässliche Planung.

Kall: Derzeit gibt es keinen zusätzlichen Ausbaubedarf

In der Gemeinde Kall sieht Bürgermeister Emmanuel Kunz aktuell keinen zusätzlichen Ausbaubedarf. Rund 220 Anmeldungen liegen für die beiden Offenen Ganztagsschulen vor, alle Kinder können versorgt werden, zudem bestehen noch freie Kapazitäten. Die Grundschule Kall ist bereits in einem großzügigen Gebäude untergebracht, in dem Schule und OGS eng verzahnt arbeiten. Am Standort Sistig wurden zudem erst 2023 zwei zusätzliche Räume für die OGS geschaffen.

„Die bestehenden und gut funktionierenden Strukturen werden weiterhin angewendet“, so Kunz. Der kommende Rechtsanspruch soll über die bestehenden Verfahren und in Zusammenarbeit mit den OGS-Trägern umgesetzt werden. Auch hier bleibt jedoch Kritik an den Rahmenbedingungen: Es fehle an ausreichender Finanzierung und an konkreten Vorgaben des Landes zur praktischen Umsetzung.

Mechernich: Für 2026/27 liegen 584 OGS-Anmeldungen vor

In der Stadt Mechernich zeigt sich eine stabile Entwicklung bei gleichzeitig laufenden Modernisierungen. Für das Schuljahr 2026/27 liegen insgesamt 584 OGS-Anmeldungen vor – eine Warteliste gibt es nicht. Damit können alle Kinder versorgt werden. Die OGS-Quote liegt aktuell bei rund 50 Prozent und ist damit leicht rückläufig im Vergleich zu früheren Jahren, was unter anderem mit gestiegenen Elternbeiträgen zusammenhängt. Einen sprunghaften Anstieg der Nachfrage erwartet die Stadt nicht.

Baulich ist Mechernich bereits aktiv: Die neue Grundschule in Firmenich/Obergartzem wurde im Oktober 2025 fertiggestellt. Gleichzeitig läuft aktuell der Umbau der Grundschule Mechernich. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, auch die Grundschulen in Lückerath und Kommern perspektivisch an die Anforderungen des Rechtsanspruchs anzupassen.

Das Symbolbild zeigt Grundschüler in einer Klasse.

Die klassische Trennung zwischen Unterricht und Ganztag soll immer weiter aufgelöst werden.

Inhaltlich setzt die Stadt auf flexible Konzepte: Multifunktionale Räume sollen klassische Trennungen zwischen Unterricht und Ganztag auflösen, begleitet von einer engen Zusammenarbeit zwischen OGS-Teams und Lehrkräften. Als größte Herausforderung benennt die Stadt klar die Finanzierung. Gefordert werden unter anderem mehr Unterstützung bei Schulumbauten, ein klares Ausführungsgesetz für den Rechtsanspruch sowie die konsequente Einhaltung des Konnexitätsprinzips.

Nettersheim: Die Gemeinde hat kräftig investiert

In Nettersheim sieht Bürgermeister Norbert Crump seine Gemeinde gut gerüstet. Die beiden Standorte des Grundschulverbundes in Zingsheim und Marmagen wurden in den vergangenen Jahren umfassend saniert und modernisiert. Rund fünf Millionen Euro investierte die Kommune in Gebäude, Schulhöfe und einen Erweiterungsbau in Zingsheim, der bei Bedarf sogar noch durch Container ergänzt werden kann. „Die beiden Schulgebäude sind in Gänze als OGS-Raum zu verstehen“, erklärt Crump.

Aktuell liegen etwas mehr als 70 Anmeldungen vor, Engpässe erwartet die Gemeinde nicht. Bis auf die neue Aula in Marmagen, die bis zum Ende der Sommerferien fertiggestellt werden soll, gelten die Maßnahmen als abgeschlossen. Die größte Hürde sieht Crump allerdings in der Finanzierung: Die pauschalen Zuschüsse reichten bei weitem nicht aus und könnten langfristig auch Eltern stärker belasten.

Schleiden: Nach der Flutkatastrophe Schulstandorte ausgebaut

In Schleiden schließlich sind die räumlichen Voraussetzungen weitgehend erfüllt. 129 OGS-Plätze sind belegt, Wartelisten gibt es nicht. Nach der Flutkatastrophe wurden Schulstandorte ausgebaut, unter anderem durch einen neuen Mehrzweckraum und eine erweiterte Küche am Standort Dreiborn. Während die bauliche Infrastruktur steht, liegt die größte Herausforderung im Betrieb: Geeignete Fachkräfte und Kooperationspartner zu finden, gestaltet sich schwierig. Zudem wird die finanzielle Belastung für die Kommune als erheblich beschrieben.

Bürgermeister Ingo Pfennings ordnet die Situation grundsätzlicher ein und richtet den Blick auf die Systemfrage der Finanzierung: „Die Kommunen sind verpflichtet, ein bedarfsgerechtes Angebot vorzuhalten – und tragen damit am Ende auch die Verantwortung für die Finanzierung des Gesamtsystems.“ Dieses speise sich aus Landesmitteln, Lehrerstellenanteilen, Elternbeiträgen und kommunalen Eigenmitteln.

Ich hätte mir eine stärkere Berücksichtigung des Konnexitätsprinzips gewünscht.
Ingo Pfennings, Bürgermeister der Stadt Schleiden

Den Rechtsanspruch bewertet Pfennings ausdrücklich positiv, sieht aber Defizite in der Umsetzung: „Ich hätte mir eine stärkere Berücksichtigung des Konnexitätsprinzips gewünscht.“

Darüber hinaus versteht Pfennings Ganztagsbetreuung als Teil einer umfassenden Bildungsinfrastruktur: „Bildung sollte als gesamtstaatliche Kernaufgabe verstanden und im Idealfall kostenfrei zugänglich sein – dazu gehören auch Kindergarten und OGS.“ Investitionen in Bildung seien keine Belastung, sondern eine Voraussetzung für Chancengleichheit, wirtschaftliche Stärke und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Viele Kommunen könnten diese Aufgabe jedoch aus eigener Kraft kaum noch stemmen.

Weilerswist: Weiterentwicklung der Konzepte ist wichtig

In Weilerswist schließlich betreut die Gemeinde aktuell 568 Kinder in der OGS sowie zusätzlich 101 Kinder in der VGS an vier Standorten. Der Bedarf wird vollständig gedeckt. Bürgermeister Dino Steuer verweist darauf, dass bereits frühzeitig Kapazitäten geschaffen wurden. Wichtiger als zusätzliche Räume sei künftig die Weiterentwicklung der Konzepte: „Ziel ist es, dass es keine klassische Trennung zwischen Klassenraum und OGS-Raum mehr gibt.“ Stattdessen setzt die Gemeinde auf offene Raumkonzepte und multifunktionale Möbel.

Ziel ist es, dass es keine klassische Trennung zwischen Klassenraum und OGS-Raum mehr gibt.
Dino Steuer, Bürgermeister der Gemeinde Weilerswist

Bereits abgeschlossen ist der Neubau der Josef-Schaeben-Grundschule. Aktuell laufen die Umgestaltung der Schulhofflächen, ein Anbau an der Grundschule Lommersum mit Mensa sowie die Ausstattung mit flexiblen Möbeln. Als größte Herausforderungen nennt Steuer die Finanzierung und den Personalbedarf. Auch deshalb werden die OGS-Beiträge zum kommenden Schuljahr angepasst. Unterstützung wünscht sich die Gemeinde vor allem in Form besserer Fördermöglichkeiten. Klar ist für Steuer jedoch: „Den Rechtsanspruch in Bezug auf den Platzbedarf werden wir umsetzen.“

Zülpich: Klassenräume werden multifunktional genutzt

In Zülpich setzt die Stadt vor allem auf die Weiterentwicklung bestehender Strukturen. Aktuell stehen 457 OGS-Plätze zur Verfügung – verteilt auf die Chlodwig-Schule (227 Plätze), die Grundschulen in Sinzenich (57), Ülpenich (97) und Wichterich (76). Der Bedarf wird nach Angaben der Stadt vollständig gedeckt, auch künftig sollen alle angemeldeten Kinder einen Platz erhalten.

Um den Rechtsanspruch abzusichern, werden Klassenräume zunehmend multifunktional genutzt und Essenskapazitäten ausgebaut. Ein sichtbares Beispiel ist das bereits fertiggestellte Kinderrestaurant an der Grundschule Ülpenich. Unsicherheiten bestehen jedoch bei der Finanzierung: Trotz genehmigtem vorzeitigem Maßnahmenbeginn fehlt bislang die endgültige Förderzusage des Landes.

Über alle Kommunen hinweg ergibt sich damit ein klares Bild: Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab 2026 kann nach heutigem Stand erfüllt werden. Doch die Umsetzung kostet – finanziell, organisatorisch und personell. Oder, wie es Blankenheims Bürgermeisterin Jennifer Meuren formuliert: „Für Bau und Betrieb brauchen wir dringend mehr Unterstützung.“