Das Euskirchener Stadttheater muss bis zu den Sommerferien geschlossen werden - mindestens. Weil auch das City-Forum fehlt, fehlt es an Alternativen.
Fehlende AlternativeDas Stadttheater in Euskirchen offenbart ein strukturelles Problem


Das Stadttheater bleibt wegen statischer Bedenken weiter gesperrt. Zahlreiche Veranstaltungen müssen verlegt werden.
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Die Schließung des Stadttheaters trifft Euskirchen ins Mark – und sie kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Seit der Flutkatastrophe fehlt mit dem City-Forum bereits die zentrale Spielstätte, nun fällt auch die letzte verbliebene Bühne auf unbestimmte Zeit aus.
Dass bei möglichen statischen Mängeln Sicherheit oberste Priorität haben muss, steht außer Frage. Doch die aktuelle Entwicklung legt ein strukturelles Problem offen, das sich nicht erst seit gestern abzeichnet.
Der Sanierungsbedarf dürfte nicht allzu überraschend kommen
Ein Gebäude aus den 1960er-Jahren überrascht nicht plötzlich mit Sanierungsbedarf. Gerade vor dem Hintergrund des jahrelangen Ausfalls des City-Forums hätte das Stadttheater stärker in den Fokus rücken müssen – nicht nur punktuell, sondern strategisch. Kultur braucht Verlässlichkeit, Planungssicherheit und funktionierende Infrastruktur.
All das ist derzeit nicht gegeben. Hinzu kommt die Kommunikation: Wenn Veranstalter erst kurzfristig von Verlegungen erfahren und sich mit organisatorischen Herausforderungen allein gelassen fühlen, entsteht Frust – bei Profis ebenso wie beim Publikum.
Der Fall des nahezu ausverkauften Heino-Konzerts zeigt exemplarisch, wie sensibel die Situation ist. Gerade ältere Besucher werden durch eine Verlegung ausgebremst, im schlimmsten Fall ganz ausgeschlossen.
Natürlich bemüht sich die Stadt um Alternativen. Doch so engagiert einzelne Lösungen auch sein mögen, sie bleiben Stückwerk. Weder das Casino noch der „Wohnraum“ in der Alten Tuchfabrik können die Qualität und Kapazität des Theaters oder des City-Forums ersetzen.
Die aktuelle Krise – die es ja auch bei den Euskirchener Sporthallen schon länger gibt – sollte als Weckruf verstanden werden. Euskirchen braucht nicht nur kurzfristige Lösungen, sondern ein tragfähiges Gesamtkonzept für seine kulturelle Infrastruktur. Denn Kultur ist kein Luxus – sie ist ein zentraler Bestandteil des städtischen Lebens. Und sie darf nicht zur Dauerbaustelle werden.

