Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium besucht das Marien-Hospital. Patienten warten lange auf eine Behandlung.
KrankheitBei chronischen Schmerzen steht im Marien-Hospital in Euskirchen die Therapie im Fokus

Das gesamte Team des Marien-Hospitals stellte die Arbeit bei der Schmerztherapie vor.
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Wer unter chronischen Schmerzen leidet, wartet oft Jahre auf die richtige Behandlung. Im Durchschnitt vergehen nach Angaben von Professor Michael Loick, Chefarzt der Klinik für Anästhesie und operative Intensivmedizin, Schmerz- und Palliativmedizin am Marien-Hospital in Euskirchen, rund zwei Jahre, bis Betroffene bei einem spezialisierten Therapeuten ankommen.
Bis dahin haben viele Patienten bereits eine lange Odyssee durch das Gesundheitssystem hinter sich – vom Hausarzt über verschiedene Facharztpraxen bis hin zu zahlreichen Untersuchungen und Einzelbehandlungen.
Krankenhausreform spielt beim Besuch in Euskirchen eine Rolle
Genau auf diese Problematik machten Loick und sein Team vom Marien-Hospital beim Besuch von Thomas Isenberg, Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft, und dem Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Dr. Georg Kippels, aufmerksam. Im Mittelpunkt standen die multimodale Schmerztherapie sowie die Sorge um die Zukunft spezialisierter Schmerzstationen im Zuge der Krankenhausreform.
„Chronischer Schmerz ist eine eigenständige Erkrankung“, betonte Professor Loick. Anders als akute Schmerzen habe er seine ursprüngliche Warnfunktion verloren. Die Erkrankung müsse deshalb ganzheitlich behandelt werden.
Viele Millionen Menschen leiden unter chronischen Schmerzen
Nach Schätzungen leiden in Deutschland zwischen 15 und 20 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen. Rund sechs Millionen von ihnen sind erheblich in ihrem Alltag eingeschränkt. Dennoch erhält nur etwa jeder elfte Betroffene eine spezialisierte schmerztherapeutische Behandlung. Am Marien-Hospital werden laut Loick rund 170 stationäre Schmerzpatienten behandelt. Zudem gab es 2025 rund 500 Schmerzkonsile und 200 Palliativkonsile, bei denen Experten interdisziplinär einen Fall besprachen.
Besonders schwierig sei die Versorgung von Patienten mit sogenannten somatoformen Schmerzstörungen. Hier spielten psychische Belastungen eine wichtige Rolle. Viele Betroffene hätten Hemmungen, darüber zu sprechen. Umso wichtiger seien Zeit, Vertrauen und ein sensibles therapeutisches Umfeld.
In Euskirchen gibt es speziell ausgebildete „Pain Nurses“
Am Marien-Hospital setzt man deshalb auf die multimodale Schmerztherapie. Ärzte, Psychologen, Physiotherapeuten, Pflegekräfte und speziell ausgebildete „Pain Nurses“ arbeiten dabei eng zusammen. Ziel ist es, die körperlichen, psychischen und sozialen Ursachen chronischer Schmerzen gleichermaßen zu berücksichtigen.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Dr. Georg Kippels (M.), besuchte das Marien-Hospital.
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„Es geht darum, für die Menschen wieder mehr Lebensqualität, mehr Teilhabe zu ermöglichen“, sagte Oberärztin Dr. Uta Krämer. Komplett ohne Schmerzen leben zu können, wenn man einmal auf der Station behandelt oder in der ambulanten Schmerztherapie vorstellig geworden sei, sei praktisch unrealistisch. Ein großer Erfolg sei es, so Krämer, die subjektiven Schmerzen um die Hälfte zu reduzieren. Zudem werden die Patienten von Psychologin Ruth Bernadie betreut. Auch Physiotherapeuten gehören dem Team an.
Kurze Wege und eine enge Zusammenarbeit
Geschäftsführerin Dr. Maren Thäter stellte das Krankenhaus als breit aufgestelltes Akutkrankenhaus mit zwölf Fachabteilungen vor. Besonders wichtig sei die enge Verzahnung von Schmerzmedizin, Palliativmedizin und weiteren Fachbereichen. Kurze Wege und eine enge Zusammenarbeit der Berufsgruppen seien wesentliche Voraussetzungen für den Therapieerfolg.
Teamansatz als Erfolgskonzept Auch Oberarzt Johannes Jerusalem hob die Bedeutung des Teamansatzes hervor. Viele Schmerzpatienten benötigten neben der medizinischen Behandlung intensive psychologische Unterstützung. Gerade die Kombination verschiedener Therapieformen ermögliche häufig deutliche Fortschritte und eröffne Betroffenen neue Perspektiven.
Finanzielle Aspekte stehen – natürlich – im Mittelpunkt
Sorge bereitet den Fachleuten jedoch die Krankenhausreform. Thomas Isenberg, Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft, warnte vor negativen Auswirkungen auf die stationäre Schmerztherapie. Für die Schmerzmedizin fehle bislang eine eigene Leistungsgruppe innerhalb der Krankenhausplanung. Dadurch drohe spezialisierten Einrichtungen langfristig der Verlust ihrer Planungssicherheit.
Nach Berechnungen der Schmerzgesellschaft könnten bundesweit rund 22 Prozent der Kliniken mit multimodaler Schmerztherapie betroffen sein. Damit stünden etwa 44 Prozent der stationären Behandlungsfälle in diesem Bereich auf dem Spiel. Dr. Günter Krings, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesgesundheitsministerium, zeigte Verständnis für die Sorgen der Fachleute.
Betroffene müssen schneller die passende Behandlung erhalten
Neben finanziellen Fragen müsse das Gesundheitssystem vor allem den Patienten in den Mittelpunkt stellen. Wichtig sei eine bessere Koordination zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, damit Betroffene schneller die passende Behandlung erhielten.
Wie notwendig diese Versorgung ist, zeigen die Zahlen: Chronische Schmerzen verursachen nach Schätzungen von Loick jährliche direkte und indirekte Kosten in Höhe von 30 bis 50 Milliarden Euro. Für die Experten steht fest: Eine frühzeitige und wirksame Schmerztherapie verbessert nicht nur die Lebensqualität der Patienten, sondern entlastet langfristig auch das Gesundheitssystem und die Wirtschaft.
