Traditionelle deutsche Küche, modern interpretiert: Dies und andere Gaumenfreuden erwartet die Gäste für drei Wochen im Hotel Restaurant Rothkopf.
GastronomieZwei Freunde eröffnen in Euskirchen ein Pop-up-Restaurant

Am Mittwochabend öffnete „Teller und Traube“ seine Türen. Christian Eisenblätter hatte schon vorher alle Hände voll zu tun.
Copyright: Heike Nickel
Wenn sie über ihr Projekt reden, sprühen sie regelrecht vor Energie und Lust auf das Abenteuer, für das am Mittwochabend der Startschuss fiel. „Teller und Traube“ heißt es, dahinter verbirgt sich das Konzept eines sogenannten Pop-up-Restaurants: Für drei Wochen dürfen Christian Eisenblätter und Ali Hassan im Restaurant Rothkopf das Ruder übernehmen, ihre Vorstellungen von moderner Gastronomie umsetzen und gleichzeitig alle Facetten der Selbstständigkeit erproben.
Patrick Rothkopf, Inhaber des gleichnamigen Hotels und Restaurants, musste nicht lange überredet werden, ist er doch auch Präsident der Dehoga NRW, der Berufsvereinigung im Gastgewerbe für Hotellerie und Gastronomie. Nachwuchsförderung ist ihm ein persönliches Anliegen. „Ich habe Ali bei einem Jugendwettbewerb kennengelernt, und schon damals hat mich seine große Verbundenheit zur Gastronomie begeistert“, sagt Rothkopf. Er bot Hilfe an, falls sie einmal gebraucht werden sollte. Wer so für die Branche brenne, habe jede Chance verdient.
Vertrag für das Vorhaben in Euskirchen fand Platz auf Bierdeckel
Ali Hassan ist 24 Jahre alt und gelernter Restaurantfachmann. Sein Kumpel und Kompagnon Christian Eisenblätter (25) ist gelernter Koch. Nach ihrer Ausbildung haben beide ein Duales Studium begonnen: In der Düsseldorfer Gastronomie Stappen arbeiten sie in mittleren Führungspositionen, parallel studieren sie an der HGS Rheinland Ernährungs- und Versorgungsmanagement. „Wir sind im dritten, also im letzten Jahr“, sagt Ali Hassan.
Die Idee, ein Pop-up-Restaurant zu eröffnen, hatte er irgendwann im vergangenen Jahr. „Sich selber mal kreativ auszutoben und gleichzeitig zu zeigen, wie viel Spaß die Gastro macht – das hat mich gereizt.“ Ebenso wie Christian Eisenblätter. „Als ich Ali kennengelernt habe, war schnell klar, dass wir beide total hungrig auf Neues sind, dass wir mehr wollen, als nur zu studieren.“ Der Vertrag für ihr Vorhaben fand schließlich Platz auf einem Bierdeckel.
Sich selber mal kreativ auszutoben und gleichzeitig zu zeigen, wie viel Spaß die Gastro macht – das hat mich gereizt.
Seit Anfang des Jahres stecken die beiden viel Zeit in die Vorbereitungen für ihr Projekt „Teller und Traube“. Zunächst wurde der Standort Euskirchen sondiert, dann eine Menükarte zusammengestellt, die passende Deko gesucht, Rezepte und Portionsgrößen getestet, bei Winzern die passenden Weine gesucht und Preise kalkuliert. Patrick Rothkopf steht als Berater zur Seite, lässt dem Nachwuchs aber viel Spielraum, die eigenen Ideen umzusetzen. „Die betriebliche Realität kennenzulernen, ist mitunter ein schmerzhafter Prozess“, weiß der erfahrene Gastronom. Das aber bremst Ali Hassan und Christian Eisenblätter in ihrer Begeisterung für die Sache kein bisschen aus.
Wie sehr die Community in der Gastro zusammenhält, durften die beiden jungen Männer im Laufe des Prozesses immer wieder erfahren. Nicht nur, dass der Arbeitgeber seine beiden Nachwuchskräfte für die drei Wochen des Pop-up-Betriebes freistellt. Auch andere Gastronomiebetriebe aus ganz NRW schicken Azubis nach Euskirchen, damit sie während der Laufzeit von „Teller und Traube“ praktische Erfahrungen sammeln und Hassan und Eisenblätter unterstützen können.

Unterstützung erfahren die Nachwuchskräfte durch Patrick Rothkopf. Er stellt sein Restaurant für das Pop-up-Projekt zur Verfügung.
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Für jedes Gericht und jeden Geschmack das passende Getränk: Ali Hassan kennt sich bestens aus.
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Auch bei der Auswahl der Gerichte erlebten die beiden viel Solidarität: „Zum Beispiel haben wir einfach ein Frankfurter Restaurant angeschrieben, um zu erfahren, wie man die beste Grüne Soße macht, und die haben uns gleich eingeladen, selber vorbeizukommen“, erzählt Ali Hassan. „Das ist der Spirit der Gastro“, ergänzt er und strahlt.
Hassan, der auch eine Ausbildung zum Sommelier macht, ist verantwortlich für die Traube im Namen des Projektes und fühlt sich dem auch verpflichtet. „Vom Apparativ bis zum Digestif – überall wird Traube drin sein“, versichert er. Der Verantwortliche für den Part „Teller“ freut sich auf die Herausforderungen in der Küche. Klassiker der deutschen Küche neu zu interpretieren, das habe ihn sehr gereizt.
Das gemeinsame Speisen ist auch ein soziales Konzept
Da die beiden Freunde selber gerne gemeinsam essen gehen und dabei möglichst viel probieren wollen, war von vorneherein klar, dass es „Sharing Plates“ geben soll. Ähnlich, wie in der spanischen Küche, wo die Speisen in der Mitte des Tisches stehen und alle Gäste davon essen. Eisenblätter und Hassan verstehen das gemeinsame Speisen eben auch als soziales Konzept. Dass es bei „Teller und Traube“ nicht darum gehen wird, möglichst viel Geld zu verdienen, ist allen Beteiligten klar. Patrick Rothkopf: „Wir können zufrieden sein, wenn wir hier mit einer Null rausgehen.“ Vielmehr sieht er das Pop-up-Restaurant als wertvollen Beitrag zur Nachwuchsförderung und zur Stärkung der Branche insgesamt.
50 bis 60 Gäste können Ali Hassan und Christian Eisenblätter pro Abend verwöhnen. Dahinter stecke schon eine Menge Logistik, so der Koch. Wer möchte, kann bereits einen Tisch reservieren. Aber auch spontane Gäste heißen die beiden herzlich willkommen.
Nur drei Wochen lang geöffnet
Sie sind ein neuer Trend urbaner Gastronomie: Pop-up-Restaurants, für einige Wochen oder Monate geöffnete Gourmettempel, oft an ungewöhnlichen Orten. Dass es nur ein gewisses Zeitfenster gibt, ist kein Zufall, sondern Teil des Marketings: Gäste wollen das Restaurant besuchen, ehe es wieder schließt. Pop-up-Restaurants bieten Gelegenheit, neue Konzepte zu testen, ohne langfristige Verpflichtungen einzugehen. Gerade junge Gastronomen können so wertvolle Erfahrung sammeln, ehe sie in die Selbstständigkeit gehen.
Auch für Christian Eisenblätter und Ali Hassan ist das Projekt „Teller und Traube“ eine tolle Chance, ihre Vorstellungen moderner Gastronomie zu verwirklichen. Bis zum 6. Juni sind sie mittwochs bis sonntags, 18 bis 21 Uhr, im Hotel und Restaurant Rothkopf in Euskirchen. „Unser Konzept verbindet klassische deutsche Küche mit einer modernen Interpretation: serviert als Sharing Plates und begleitet von ausgewählten deutschen Weinen“, heißt es auf der Homepage.
Entsprechend liest sich die Karte: von gepickeltem Gemüse, hausgemachten Maultaschen und Saibling über Leipziger Allerlei, Kalbs-Tafelspitz, Spargel und Frankfurter Grüne Soße bis hin zu Arme Ritter.
„Teller und Traube“ stehe für eine neue Generation von Gastronominnen und Gastronomen, die Tradition respektieren, sie modern interpretieren und Gastronomie als Ort von Genuss, Begegnung und gemeinschaftlichem Erleben verstehen. Wer sich selber ein Bild davon machen möchte, kann über die Homepage direkt einen Tisch reservieren.
