Laser für QR-Codes, die internationale Kunden wie Rolls Rocys nutzen, können aus dem Industriepark am Silberberg in Großbüllesheim stammen.
Hightech-MaschinenEuskirchener Firma WPI baut Laser für Gravuren in Industrie und Luftfahrt

Mit den Lasern aus dem Ipas lässt sich praktisch alles beschriften. Entsprechend vielfältig sind die Einsatzbereiche.
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Wenn irgendwo in einem Flugzeugtriebwerk ein winziger QR-Code zur Rückverfolgbarkeit eingraviert ist, könnte der Laser dafür aus einem unscheinbaren Gebäude an der Kolumbusstraße im Industriepark am Silberberg (Ipas) in Großbüllesheim stammen. Dort ist die Firma Walter Peter Industrieautomation, kurz WPI, beheimatet – zwischen Amazon, DHL, Procter & Gamble und anderen Global Playern.
Die Geschäftsführer Walter Peter und Pascal Korte haben sich, wenn man so will, zu Daniel Düsentriebs der Lasertechnik-Branche gemausert, die mit ihren Maschinen längst internationale Kunden beliefern – von Rolls-Royce über das Militär bis hin zu Firmen in der Schweiz, der Türkei sowie der Luft- und Raumfahrt.
Eine Idee, die es vom Jugendzimmer in die ganze Welt geschafft hat
„Viele denken erst: Das kann gar nicht sein – so eine Hightech-Schmiede mitten in einer kleinen Halle“, sagt Walter Peter. „Aber unsere Maschinen stehen mittlerweile in der ganzen Welt.“ Angefangen hat alles klein: Nach der Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker bei Procter & Gamble holte der heute 56-Jährige sein Fachabitur nach und ging auf die Uni.
Um sich das Studium zu finanzieren, kellnerte Walter Peter aber nicht etwa – er gründete lieber seine eigene Firma. Damals reparierte und wartete er nach eigenen Angaben am Wochenende die Maschinen bei Procter & Gamble. „Wir haben Motoren gewechselt, Kabel getauscht, Instandsetzungen gemacht – im Prinzip alles, was anfiel“, erinnert er sich.
Aus dem Jugendzimmer im Elternhaus in Mechernich heraus entwickelte sich das, was heute die Walter Peter Industrieautomation GmbH ist. Nach einem ersten eigenen Haus an der Turmhofstraße ging es nach Weidesheim in die Räumlichkeiten einer ehemaligen Lackfabrik am Dorfgraben. Von dort aus führte der Weg zur aktuellen Anschrift im Ipas. „Wir sind gewachsen, weil wir mit unseren Kunden mitgewachsen sind“, sagt Walter Peter. „Früher haben wir repariert, heute bauen wir Maschinen, die weltweit eingesetzt werden.“
Lasertechnik erzeugt Gravuren, die Maschinen auslesen können
2008 kam der heute 45-jährige Pascal Korte dazu. Der studierte Elektrotechniker hatte zuvor ein Praktikum bei WPI gemacht – und blieb. Heute ist er Mitgeschäftsführer. Das Erfolgsrezept des Unternehmens sei eine Mischung aus Ingenieurskunst, Pragmatismus und Gespür für den Markt. Und dieses Gespür brachte Peter und Korte zur Lasertechnik. Ihre Maschinen gravieren Metalle, Kunststoffe oder Bauteile mit höchster Präzision – meist zur Kennzeichnung von Werkstücken oder sicherheitsrelevanten Komponenten.

Die Köpfe des Unternehmens: Walter Peter (l.) und Pascal Korte.
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„In der Luft- und Raumfahrt muss jedes Teil eindeutig identifizierbar sein“, erklärt Korte. „Oft mit einem Data-Matrix-Code, damit Maschinen die Gravur später auslesen können.“ Zu den Kunden zählen namhafte Unternehmen aus der Automobilindustrie, der Medizintechnik und der Rüstungsbranche. Selbst die Bundeswehr arbeitet mit Geräten aus der Kolumbusstraße.
Präzisionswerkzeuge kommen im In- und Ausland zum Einsatz
Wie kann ein kleiner Betrieb in Deutschland Lasermaschinen günstiger anbieten als die Konkurrenz? „Wir haben gute Partner in Fernost“, sagt Walter Peter. „Die Gehäuse lassen wir dort fertigen, die komplette Endmontage, Elektronik und Programmierung passieren hier.“ Die Mischung aus internationaler Produktion und deutscher Qualitätskontrolle funktioniert – auch, weil das WPI-Team flexibel ist.
„Wir können mit wenigen Leuten richtig was bewegen.“ Zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten heute im Betrieb, dazu freie Kräfte in Logistik und Service. „Wir fertigen Standardmaschinen, bauen aber auch individuell nach Kundenwunsch“, erklärt Korte: „Wenn ein Partner eine Maschine braucht, die 50 Zentimeter länger ist, dann machen wir das.“
Manchmal seien die Kunden überrascht, wie viel Technik aus dem kleinen Betrieb komme. „Viele sagen, ehrlich gesagt: Wir dachten, für den Preis kann das gar nichts taugen“, erzählt Peter. „Und dann sind sie völlig baff, wie präzise das läuft.“ Zu den Abnehmern gehören nicht nur Großkonzerne. Auch Polizei, Waffenhersteller, Medizintechnik-Firmen und Zulieferer im In- und Ausland nutzen die Anlagen. In der Schweiz läuft bereits die sechste Maschine bei einem Kunden, in Ungarn gravieren Zeiss-Systeme Jagdoptiken – und im thüringischen Arnstadt markieren Laser aus der Kolumbusstraße Bauteile für Triebwerke.
Mittlerweile reicht eine Steckdose als Anschluss für den Faserlaser
In der Werkstatt stehen Peter und sein Geschäftspartner vor einem Tisch mit Metallplatten, Rohlingen und glänzenden Proben. „Das hier ist eine typische Beschriftung“, erklärt Korte und zeigt auf eine dunkle Gravur. „Man kann Metalle schwarz markieren, eloxiertes Aluminium hell beschriften, Kunststoffe kennzeichnen oder sogar Oberflächen reinigen.“

Das Gehäuse ist universell, die Anfertigung aber individuell.
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Laser seien längst Alleskönner: Sie gravieren, schweißen, schneiden oder tragen hauchdünne Schichten ab. „In Norwegen werden damit sogar Parasiten auf Zuchtlachsen entfernt“, erzählt Walter Peter. „Der Laser trifft nur den Parasit – der Fisch bleibt unversehrt.“ Mit dieser Lasertechnik hat das Euskirchener Unternehmen allerdings nichts zu tun.
Aber: Die Nachfrage nach den Anlagen wächst – nicht zuletzt durch den Trend zu Digitalisierung und Rückverfolgbarkeit. „Viele Unternehmen müssen ihre Produkte heute maschinenlesbar markieren“, sagt der 56-Jährige: „Unsere Geräte helfen dabei – effizient und energiesparend.“ Ihre Faserlaser verbrauchen Peter zufolge nur rund 400 Watt – im Vergleich zu älteren Anlagen mit Hochspannungsröhren ein Bruchteil des Energiebedarfs: „Früher waren das 6500 Watt. Heute sind wir mit einer Steckdose dabei.“
Euskirchen: WPI wird sich vergrößern – Weitere Halle ist geplant
Und sie seien universell einsetzbar – von der Raum- und Luftfahrt bis in die Landwirtschaft. Trotz aller Professionalität spürt man bei beiden vor allem eines: Leidenschaft. Walter Peter ist häufig mit seinem mobilen Werkstatt-Wohnmobil unterwegs – „rollendes Labor“ nennt er das. Damit fährt er zu Schulungen und Kunden in ganz Europa. Vor einigen Wochen sei er in der Türkei, anschließend in der Schweiz gewesen, sagt er. „Da ist alles drin: Werkzeug, Ersatzteile, Laptop, Kaffeemaschine.“
Dass der Weg von den Wochenend-Reparaturen in den 1990ern bis zu Hightech-Maschinen für Weltkonzerne einmal so verlaufen würde, hätte er damals selbst nicht geglaubt. „Früher hat uns keiner ernst genommen. Heute klopfen sie an.“ Zwischen Lötzinn, Schutzbrille und Laserlicht ist der Stolz greifbar. „Klar, wir sind nur ein kleiner Betrieb“, sagt der WPI-Chef: „Aber wenn ich weiß, dass unsere Technik in einem Flugzeugtriebwerk oder einem medizinischen Gerät steckt – dann ist das einfach ein gutes Gefühl.“
Und dieses Gefühl dürfte in den kommenden Monaten noch etwas größer werden. Der Grund: WPI wird sich vergrößern. Wie der Chef des Hightech-Unternehmens im Gespräch mit dieser Zeitung verrät, wird gegenüber der aktuellen Fertigungshalle eine weitere Halle entstehen. Das Grundstück sei bereits gekauft, es müsse nur noch bebaut werden. Wann die neue Halle bezogen werden kann, steht aber noch nicht fest. Aus allen Nähten platzt WPI aber noch nicht.
Wie viele andere Betriebe treibt auch WPI eine kleine Sorge um: der Fachkräftemangel. „Bisher haben wir Glück. Wir haben ein tolles Team, mit echten Experten. Aber auch wir spüren, dass der Markt sich verändert“, sagt Geschäftsführer Korte. Jemand, der den Weg in die Branche über ein Praktikum gefunden hat, weiß aber auch, wie man Nachwuchs generiert.
Laser-Graviermaschinen gibt es ab 13.000 Euro
Grundsätzlich können Kunden bei WPI zwischen zwei Gerätetypen und -größen wählen, die sich wiederum individuell konfigurieren lassen. Los geht es bei einer 20-Watt-Laser-Graviermaschine mit rund 13.000 Euro. Für die High-End-Ausführung mit automatischer Tür, Absauganlage und beispielsweise einer zusätzlichen Linse zahlt man schnell mehr als 25.000 Euro.

