Der Club widmet sich auch dem Skilaufen. Paddeltouren auf der Rur sind weiter sehr beliebt. Erster Standort war die Steinbachtalsperre.
Revier ist die RurtalsperreEuskirchener Segelverein feiert 75-jähriges Bestehen

Die Doppelspitze des Vereins an Bord: Dirk Dahlen (l.) und Dr. Eberhard Bachem.
Copyright: Berthold Strauch
Beim Wasser- und Skisportverein (WSV) Euskirchen liegen die Optimisten hart am Wind – kein Wunder, verbirgt sich hinter dieser Abkürzung doch ein Verein, der den Sport in der Natur liebt und dessen Mitglieder sich mit großer Leidenschaft dem Segeln verschrieben haben.
Ihr Revier ist die Rurtalsperre. Und ihr Stammquartier liegt tief unten im sogenannten Fuchsloch, einer Ortsbeschreibung in Rurberg knapp über der Wasserlinie – wobei in diesen trockenen Tagen der Weg bis zum Ufer schon ein gutes Stück länger ist als sonst in dieser Zeit gewohnt. Und dort, wo ein stattliches Netz von metallenen Gitterstegen nasse Füße verhindert, wenn die Sportler in ihre Segelboote klettern, um ihrer Freizeit-Leidenschaft zu frönen, kommen eben oft die erwähnten Optimisten-Jollen ins Spiel. Denn das ist – sicher eine Banalität für die waschechten Experten – die Einsteiger-Kategorie bei den Bootsklassen, wenn man meist in jungen Jahren diesen Wassersport frisch erlernen möchte.
Der Club widmet sich dem Wasser- und dem Skisport
Auch wenn es den Anschein hat, dass das „S“ im Kürzel des Euskirchener Vereins für Sport oder eben Segeln steht – ist dem nicht so. Und darauf kommt der Beobachter nicht unbedingt sofort. Denn dieser Buchstabe steht für den Sport auf zwei Brettern: das Skifahren, das einige Mitglieder mit der gleichen Leidenschaft im Club praktizieren wie andere den Wassersport. Seit nunmehr 75 Jahren wird im WSV der Sport gepflegt, wobei die heutige Kombination aus Segeln und Skifahren erst später hinzukam.
Am Samstag, 30. August, feiert der Verein in einer geschlossenen Veranstaltung im Rahmen eines Sommerfestes mit viel politischer und Sportverbandsprominenz sein großes Jubiläum.
Die Nachfrage nach Zimmern und Wohnwagen-Plätzen ist sehr hoch.
Heute steht Dr. Eberhard Bachem als Vorsitzender in der Verantwortung für das Wohl und Wehe des eingetragenen Vereins. Im Gespräch auf der schmucken WSV-Anlage in Rurberg weist Bachem auf die große Attraktivität des Vereins hin. „Sie zeigt sich daran, dass unser Steg voll belegt ist und auch die Nachfrage nach Zimmern und Wohnwagen-Plätzen sehr hoch ist.“ Die Unterkunftsmöglichkeiten auf dem Vereinsgelände, zu dem auch ein Campingplatz gehört, erfreuen sich somit großer Beliebtheit. Von einem „Paradies“ ist die Rede.
In den letzten Jahren, so formuliert es Bachem auch in der Festschrift des WSV, seien viele neue Mitglieder zum Verein gestoßen, „die sich mit Engagement an der Weiterentwicklung des Vereins beteiligen“. Derzeit sind es insgesamt rund 170 Mitglieder.

Die Mitglieder sind stolz auf den neuen Balkon, der einen herrlichen Blick über den Rursee erlaubt.
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Die Anfänge am Wasser: Damals ging es noch ziemlich bescheiden in Rurberg zu.
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Zu den Highlights zählt der Vorsitzende auch das sommerliche Segellager, in dem Jugendliche die Grundlagen des Sports lernen. Erst vor Kurzem waren es wieder zehn Teilnehmer zwischen 7 und 28 Jahren, die hier den Jugendseglerschein bestanden haben. Auch die „ursprünglichen Wurzeln des Vereins“, die jährlichen Paddeltouren auf der unteren Rur, erfreuten sich nach wie vor großer Beliebtheit, ergänzt der Vorsitzende.
Eberhard Bachem, der seit vier Jahren amtiert, zeigte gemeinsam mit seinem Stellvertreter Dirk Dahlen, dem Ehrenvorsitzenden Franz-Jürgen Dahlen (82) – er ist der Vater des Vizevorsitzenden – und Jugendwartin Anja Herter die Entwicklung des WSV im Jubiläumsjahr auf. Zur großen Freude der Verantwortlichen konnte in letzter Zeit endlich eine wichtige Baumaßnahme am Clubhaus abgeschlossen werden – die Installation einer großzügig bemessenen Terrasse in Form eines Balkons, der quasi über dem Rursee „schwebt“ und einen herrlichen Blick aufs Wasser und die Bootsstege erlaubt. Und auf die weiße Rursee-Flotte, die regelmäßig dort vorbeifährt.

Tragen Verantwortung im WSV: Vizevorsitzender Dirk Dahlen (v.l.), Jugendwartin Anja Herter, Vorsitzender Dr. Eberhard Bachem und Ehrenvorsitzender Franz-Jürgen Dahlen.
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Ehe es so weit war, hatte der Vorstand einige Auseinandersetzungen mit den Baugenehmigungsinstanzen der Städteregion Aachen, in der das Clubgelände liegt, auszufechten, blicken die Vereinsverantwortlichen darauf mit einigen Irritationen zurück.
Dass der WSV sich hier in der Gemeinde Simmerath – immerhin rund 45 Kilometer von Euskirchen entfernt – etablieren konnte, hat der Verein letztlich der Aufstockung der Rurtalsperre Ende der 1950er-Jahre zu verdanken. Die Grundelemente des Gebäudekomplexes des Vereins in Rurberg gehörten ursprünglich zum Bauernhof der Familie Harth. Wolfgang Harth (70) aus Rurberg, bekannt als vielseitig engagierter Vereinsmensch im Ort, zum Beispiel in der örtlichen St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft, kann sich noch gut erinnern, als kleines Kind dort auf dem Hof seiner Eltern gespielt zu haben. Und wie er als Zweijähriger seine Angel in den Rursee gehalten hat.
Die Gründungsväter erfuhren auf Umwegen von ihrer Chance
Als die Verantwortlichen des Wasserverbands die Aufstockung vorbereiteten, hieß es, dass dem Bauernhof Harth wohl „nasse Füße'“ drohten, woraufhin die Familie ihr Zuhause aufgab und an anderer Stelle in Rurberg neu anfing – ohne den Hof wiederaufzubauen. Später erwiesen sich die Prognosen vom steigenden Wasserspiegel als zu voreilig: Der Hof brauchte doch nicht zu weichen. Ein Vermessungsfehler, habe es seinerzeit geheißen.
Die Euskirchener Gründungsväter, die Initiatoren des zunächst als „Wasser-Sport-Verein“ (WSV) gegründeten Clubs, deren Familien oft zum Zelten und Baden auf die Kuhwiese der Bauernfamilie Harth kamen, erfuhren auf verschlungenen Wegen, wie es hieß, davon – und konnten den Hof letztlich für die Vereinszwecke dem Wasserverband abkaufen, der ihn zunächst von der Familie Harth übernommen hatte.
Die von uns geliebten Wellen kamen von der St. Nikolaus.
Wie sich der Ehrenvorsitzende Jürgen Dahlen erinnert, machten seine Eltern und sein Bruder mit einer weiteren Familie bereits seit 1952 dort regelmäßig Urlaub. Ein Faltboot wurde im Kuhstall untergebracht. Ein simples Brett am Ufer war der erste Steg. Dahlen: „Die von uns geliebten Wellen kamen von der St. Nikolaus“, einem Fahrgastschiff.
Ganz zu Beginn des Jahres 1950 war die Steinbachtalsperre bei Euskirchen das Revier für die Paddelfreunde, die die Initialzündung zur Clubgründung gegeben hatten, bis vor 70 Jahren der Wechsel nach Rurberg kam. Zur Chronik des Vereins gehört auch ein Zwischenspiel an der belgischen Talsperre in Bütgenbach, als die Aufstockung baulich umgesetzt wurde. Auch die Erweiterung der Aktivitäten um Wintersport, damit nach dem Saisonende auf dem Wasser den Mitgliedern ein Sportangebot gemacht werden konnte, was sich in der Namensänderung niederschlug, gehört zum Rückblick.
Der Segelsport wurde erst später ins Angebot integriert
Mit Ski-Wandern und Langlauf in der Eifel und später mit alpinem Skilauf im Hochgebirge wurde diese Lücke gefüllt – und im Namen beibehalten, auch wenn in den hiesigen Gefilden der Schnee meist zu wünschen übrig lässt. Auch der Segelsport war nicht von Beginn an ein Thema, sondern wurde erst später ins Angebot integriert.
Dafür boomt das Schippern auf dem Rursee heute umso mehr. Derzeit verfügt der WSV über 25 Anlegeplätze. Aktuell wird überlegt, deren Zahl um vier Boxen zu erweitern.
Der niedrige Wasserstand erhöht die Anforderungen
Angesichts des recht niedrigen Wasserstands werden die Anforderungen an das Können der Segler größer. Die einfallenden Winde, meist erst kurz vor Mittag in relevanter Stärke wehend, werden ein Stück unberechenbarer: „Drehend, fallend“, wie die Fachleute sagen. Der Segelspaß bleibt trotz solcher Herausforderungen unvermindert.
Zufrieden sind die WSV-Verantwortlichen mit der Ansage des Wasserverbands, dass man den Wassersport nicht ärgern wolle, auch wenn es zuletzt einige Aufregungen gegeben hatte, als der Farbanstrich der Boote thematisiert wurde. Hier ging es um die diskutierte Vorgabe, Biozide zu verbieten. Statt bei allen Booten einen unkritischen Anstrich zu verlangen, soll dies nun lediglich noch für neue Boote gelten.
Froh ist Jugendwartin Anja Herter, dass mittlerweile zunehmend die Jugend nachrückt, etwa Kanusportwart Finn Behr. Während das Segeln der Hauptsport im WSV ist, sind neue Angebote wie Stand-up-Paddling hinzugekommen – alles sehr zur Freude der heutigen Verantwortlichen.
Der Vorsitzende Dr. Eberhard Bachem gehört zu denen, die wochenlang ihren Urlaub am Rursee verbringen – da brauche er nichts zu missen. Und er beschreibt sein Vergnügen mit einem geflügelten Wort: „Wenn ich den See seh', brauch' ich kein Meer mehr...“ Wenn er im Segelboot durch eine schöne Landschaft bis zur Staumauer Schwammenauel unterwegs sei, dann sei dies für ihn wie Kino, auch wenn die schwierigen Winde seine Aufmerksamkeit erforderten.